Oberhausen: Hollywoodstars in der Ludwiggalerie

Wie wurden und werden Stars gemacht? Karoline Seck von der Ludwiggalerie in Oberhausen erklärt’s.

Marlene Dietrich, Bette Davis, Clark Gable – da hängen sie in der Ludwiggalerie Oberhausen alle Seite an Seite, sie, die einst die großen Stars von Hollywood gewesen sind. Die Fotos haben eine gewisse Patina. Kein Wunder, denn manche sind rund 80 Jahre alt. Damals war Fotografie noch etwas ganz anderes als heute. Es war ein Handwerk, eine große Kunst: Die Belichtung musste stimmen, der Schatten passen, die Faltenwurf exakt sitzen. Und die Stars mussten manchmal lange ruhig halten, damit ein gutes Foto entstehen konnte. Doch die Meister hinter diesen Fotos, die kennt keiner. Die Namen der frühen Stars aus Hollywood sind geblieben.

Um einigen Fotografen die Ehre zu erweisen: Johnny Weismuller – fotografiert von Ted Allan – reitet auf einem Elefanten in Tarzan in der Ausstellung, Cary Grants Foto hängt dort – fotografiert von Robert Cobern, der sehr junge John Wayne, der so gar nichts mit einem Westernheld zu tun hat – fotografiert von William Fraker. Marlon Brando sitzt in Lederjacke auf dem Motorrad in „Der Wilde“ – fotografiert von Irving Lippman. Übrigens: Fotografen werden auch heute noch oft nicht genannt. Darum hat mein Berufsverband, der Deutsche Journalisten Verband, schon seit einigen Jahren die Aktion “Fotografen haben Namen“.

In Oberhausen erfährt man, wie Hollywoodstars gemacht wurden

Bei meinem Spaziergang durch die Ludwiggalerie fühle ich mich selbst schon uralt: Erinnert Ihr Euch noch an „Vom Winde verweht“, an die Szene, als Clark Gable Viviane Leigh im Arm hält? Er der große Beschützer, sie die zerbrechliche Frau, von den Vorfällen der Zeit gebeutelt? Ich weiß gar nicht, wie oft ich den Film gesehen habe. Natürlich habe ich auch das Buch gelesen, und als ich das zugehörige Foto der beiden Schauspieler von 1939 sehe, da wird die gesamte Geschichte wieder lebendig. Allerdings wurden beide nicht als Stars geboren, vielmehr war es ein langer Weg dahin – und Hollywood hat dabei wie bei vielen Stars gut nachgeholfen. Denn, so erklärt uns Linda Schmitz, Kuratorin in der Ludwiggalerie, bevor ein Schauspieler vor die Kamera durfte, wurde erst einmal getestet, ob er dort funktionierte. Und das hat man mit Fotografie gemacht: Wie wirkte das Gesicht, der Mensch auf einem Bild? Da ist beispielsweise Elizabeth Taylor mit 16 – ich hätte sie nicht erkannt, sie steht vor einem Raster, schlank, unbedarft. Was für ein Unterschied zu der Diva, die mit stark geschminkten Augen und deutlich gealtert abgelichtet zwei Stockwerke höher hängt. Auch Clark Gable war ein eher unscheinbarer Mann, als er nach Hollywood kam. Er musste sich, so erfahren wir, die Zähne weißen lassen. Hollywood schuf eben die Kreaturen, die das Publikum sich wünschte. Und es dauerte nicht lange, bis Gable als lässiger Womanizer mit Rollkragenpulli fotografiert wurde.

Oberhausen: Blick in die Vergangenheit des Starkults

Wenn jede Falte richtig liegt

Doch was wollte die Gesellschaft damals? Was will sie heute? Frauen haben auf den Fotos alle „Alabasterhaut“, wie Linda Schmitz es nennt. „Sie haben kleine Nasen, große Augen, typisches Kindchenschema – und sie haben damit ein Schönheitsideal geprägt.“ Marlene Dietrich, die dann nicht mehr ganz so brav daher kommt, ist eher die Femme fatal. Ihr modischer Chic wurde von vielen Frauen übernommen. Die Hosen mit weitem Schlag heißen heute noch Marlene-Hosen. Mehr Star kann man kaum werden. Und nur, um es gesagt zu haben: Ein Bild von ihr in der Ausstellung ist von Laszlo Willinger. Auch Alfred Hitchcock, Ingrid Bergmann oder Rita Hayworth, Fred Astaire, Frank Sinatra und Humphrey Bogart, Marilyn Monroe natürlich, Audrey Hepburn, Grace Kelly, die Fürstin von Monaco wurde, und Sophia Loren sowie Clint Eastwood haben es unter die 200 Fotos in der Ausstellung geschafft. Es ist, als ob man einem Klassentreffen als heimlicher Beobachter beiwohnen würde, während Filmausschnitte durch das eigene Gehirn sausen.

Entwicklung der Filmbranche

Die Ausstellung zeigt übrigens noch mehr als die Kunst der Fotografie und die Hollywoodikonen. Sie verdeutlicht auch, welche Entwicklung die Filmbranche genommen hat: Vom Stummfilm zum Tonfilm, vom Kino zum Fernseher im Wohnzimmer, von schwarz-weiß zu Farbe. Judy Garland beispielsweise ist in „Der Zauberer von Oz“ auf einem Farb-Setfoto zu sehen.

Ludwiggalerie zeigt Ikonen der Filmbranche

Mein Fazit: Die Ausstellung, die übrigens noch bis zum 15. September läuft, ist geeignet für alle, die sich für Film und die großen Hollywoodklassiker interessieren, aber auch für leidenschaftliche Fotografen. Natürlich kann man einfach so an den Fotos vorbei schlendern, ich fand die Führung im Rahmen eines Bloggertreffens aber sehr hilfreich, um einen Blick hinter die Kulissen des Starkults werfen zu können.

Die Ludwiggalerie im Schloss in Oberhausen

Das dunkelrosa Gebäude steht – wie sollte es anders sein – inmitten eines großen Parks. Dort kann man vor oder nach dem Ausstellungsbesuch noch spazieren gehen. Keinesfalls sollte man die Spiralbrücke verpassen, die über den Rhein-Herne-Kanal führt. In der Ludwiggalerie gibt es zwei Ausstellungen pro Jahr. Von dort kann man übrigens auch in etwa 20 Minuten zu Fuß zum Centro gehen, wenn man nach der Kunst noch Lust auf Konsum hat. Das Café im Schloss kann ich leider nicht empfehlen. Wir saßen da recht lange auf der Terrasse. Und obwohl mehrere Herren um uns herum Tische abräumten, uns freundlich zulächelten, sogar fragten, ob wir schon bestellt hätten, kam keiner, um uns zu fragen, was wir denn wünschen. Dann sind wir eben wieder gegangen.

Die WAZ hat einen Artikel zur Ausstellung veröffentlicht, in dem ich zitiert werde. Er ist allerdings hinter der Bezahlschranke.

Als Journalistin halte ich mich an den Pressekodex des Presserats. Die Ludwiggalerie hat meinen Mann und mich zur Führung im Rahmen des Bloggertreffens eingeladen.

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