Städtetrip nach Bonn

Rathaus in Bonn
Rathaus in Bonn

„Angst hatte man damals, als klar war, dass die Hauptstadt künftig Berlin heißen wird“, erinnert sich Heinz Hönig, der in seinem Unruhestand als Gästeführer für die Stadt Bonn arbeitet. Eine Angst, die unbegründet war, denn die Telekom zog in die Bundesstadt, die UN, und viele andere potenzielle Arbeitgeber. „465 Verbände haben in Bonn noch ihren Hauptsitz“, sagt Hönig, „es gibt 151 Forschungseinrichtungen, über 40 Museen – und jährlich werden zusätzlich 20.000 Quadratmeter Bürofläche gebraucht“. Tatsächlich ist die Zahl der Arbeitsplätze und der Einwohner gestiegen, obwohl so viele damals vom Rhein an die Spree zogen. Dass sich die Situation also mit dem Wegzug der Regierung eigentlich verbessert hat, bekommt man allerdings zunächst einmal nicht mit, wenn man am Hauptbahnhof aussteigt. Der scheint eine ewige Baustelle zu sein, und der Gang durch die Innenstadt kann einige Besucher abschrecken: Das Münster wird renoviert, das Beethovenhaus ebenso – und der Einzelhandel hebt sich kaum von dem in anderen Städten ab.

„Das liegt daran, dass die Mieten so gestiegen sind“, sagt Heinz Hönig. „Für viele frühere Familienunternehmen ist es lukrativer, zu vermieten, als selbst ihre Geschäfte fortzuführen.“ Bei einigen fehlten außerdem Nachfolger – und so kommt es, dass Bonns Innenstadt aussieht wie die in viele Städten. Mit einer Ausnahme: In der Fußgängerzone gibt es einen Haribo-Laden. Der Fruchtgummibärenhersteller kommt nämlich aus Bonn, und in seinem Laden gibt es eine erschlagende Auswahl günstiger Produkte. Kein Wunder, dass das Geschäft immer voll ist, und an der Kasse immer eine Schlange ansteht.

Warum Bonn trotzdem einen Besuch wert ist

Auf der Dachterrasse
Auf der Dachterrasse

Auch wenn man andernorts vielleicht besser einkaufen kann als in Bonn: Die Stadt ist unbedingt einen Besuch wert:

  • Denn die Museumsmeile mit der Bundeskunsthalle und anderen Museen bietet immer tolle Ausstellungen.
  • Im Haus der Geschichte kann man hervorragend in die deutsche Vergangenheit abtauchen.
  • Und wo sonst kann man durch die Räume des ehemaligen Kanzlerbungalows gehen?

Beethoven in Bonn

Hinzu kommt: Die Baustellen im Stadtzentrum haben einen guten Grund: Ab Dezember 2019 und bis Dezember 2020 wird in Bonn das Beethovenjahr gefeiert werden. Darum macht sich das Geburtshaus schön. Und eine Kirchenrenovierung dauert nun einmal seine Zeit. Ganz verzichten muss auf den großen Musiker der Stadt übrigens nicht, wer schon jetzt nach Bonn am Rhein kommt: Denn im Kammermusiksaal direkt neben dem Geburtshaus Beethovens werden auch jetzt einige wenige Exponate gezeigt. Beispielsweise eine Kopieabschrift der dritten Sinfonie, aus der Beethoven die Widmung an Napoleon entfernt hat, Briefe oder Musikinstrumente.

Wer möchte, kann sich auch auf Spurensuche machen: Beim Beethoven-Walk kommt man beispielsweise in die Kirche, in der er schon mit zehn Jahren morgens die Orgel gespielt hat, und in der heute der Taufstein steht, über dem er 1770 getauft wurde. Natürlich geht man auch über den Münsterplatz mit dem Beethoven-Denkmal und bis zu dem Friedhof, auf dem seine Mutter begraben liegt. Das Infoblatt zum Stadtspaziergang kann in sieben verschiedenen Sprachen heruntergeladen werden. Zum Thema Beethoven und Bonn lest Ihr bald noch mehr auf opjueck.de.

Was mitten in der Stadt doch noch ganz nett ist

Und wer weniger Beethoven will: Es gibt auch einen Spaziergang durch die mittelalterliche Innenstadt, der am Stadtmuseum endet. Das allerdings ist einem funktionalen Gebäude, das an ein Krankenhaus erinnert. Gezeigt werden dort aber ganz spannende Dinge – beispielsweise ein Modesalon, ein Kolonialwarenladen, ein Esszimmer und ein Frisörsalon von 1900. Außerdem setzt man sich dort mit der nationalsozialistischen Vergangenheit der Stadt auseinander – allerdings ziemlich textlastig. Leider darf im Museum nicht fotografiert werden.

Kerzen im Sand
Kerzen im Sand

Ziemlich direkt neben dem Beethoven-Haus ist übrigens die Namen-Jesu-Kirche. Dort überwiegen die Farben blau und gold. An den Säulen sind Namenstäfelchen angebracht, zu ihren Füßen stehen frische Blumen in allen Farben des Frühlings in Vasen. Ein Schild weist darauf hin, dass Topfpflanzen verboten sind, da die sich bildenden Moose die alten Holzbänke beschädigen könnten. Ein Mann mit einem Schild am Jacketkragen erklärt mir, dass unter der Kirche ein Urnenfriedhof sei. An den Säulen sehe man, wer wo seine letzte Ruhe gefunden habe, und für die dort Bestatteten seien die Blumen der Angehörigen. Auch Trauerkerzen kann man anzünden. Sie sind schlank und weiß, man steckt sie in Kübel, die mit Sand gefüllt sind. Der Mann fährt mit den Fingern hindurch und holt glimmende Wachsreste heraus. Dabei hinterlässt er Muster im Sand, die an die Zen-Kunst eines japanischen Gartens erinnern.

Essen mitten in Bonn

In dieser Ecke gibt es übrigens auch eine ganze Menge zu essen und zu trinken:

  • Das Kaffeehaus Kleinmann gibt es schon seit 1895 – und der Kuchen dort ist empfehlenswert.
  • Der Stiefel ist ein Traditionsbrauhaus mit Rheinland-Tapas, wie man sie auch in Köln bekommt: Himmel un Äd mit Frikadellchen, Käsewürfel, Oliven, Mett und Brot.
  • Weniger traditionell ist das Tacos Bonn schräg gegenüber. Bei einem Besuch in der Stadt kehre ich dort eher zufällig ein: Es ist voll, es ist billig, die Portionen sind riesig – und erstaunlich gut.
  • Bei gutem Wetter ist es auch nicht weit zum Biergarten Alter Zoll. Dort sitzt man schön oberhalb des Rheins.

Übernachten in Bonn

Es war eine andere Zeit, als das Maritim Hotel in Bonn vor 30 Jahren in nur knapp zehn Monaten gebaut wurde: Bonn war Bundeshauptstadt, man brauchte Kongress- und Übernachtungsmöglichkeiten. Und so entstand in der Nähe der heutigen Museumsmeile, etwas außerhalb der Stadt, das Hotel mit 410 Zimmern und 200 Meter langen Gängen. Sechs Wochen bevor das Hotel eröffnet wurde, geschah, womit nicht viele gerechnet hatten: Die Mauer zwischen West- und Ostdeutschland fiel, Deutschland wurde wieder ein Land, Berlin wurde Hauptstadt – und viele Ministerien zogen um. Doch bevor es soweit war, fanden hier die KSZE-Konferenz zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit in Europa statt, sowie die 2 + 4-Gespräche zur Wiedervereinigung Deutschlands.

An die Zeit, als Bonn noch das Zentrum der politischen Macht war, erinnert im Maritim nicht mehr viel – vielleicht der Kronleuchter in der Lobby. 2019 wurde das Hotel übrigens renoviert: Die Zimmer sind zwar noch immer gediegen, aber deutlich moderner als zuvor. Und die Veranstaltungsräume sind auch ohne Regierungssitz gut gefüllt: „Wir haben etwa 90 Veranstaltungen pro Jahr“, sagt Hendrik Große-Perdekamp, General Manager des Hotels. Dazu gehören Karnevalssitzungen, Firmenfeiern, Tanzveranstaltungen und Konzerte in zwölf großen und zehn kleineren Räumen. In den größten Raum, den Saal Maritim, passen bis zu 2800 Menschen bei Reihenbestuhlung. Die Bühne ist hier absenkbar und es gibt – wie beim Theater – verschiedene Vorhangzüge. Übrigens wird im Maritim im Beethovenjahr 2020 auch eine Aufführung stattfinden. Das Maritim ist mit der U-Bahn vom Hauptbahnhof in wenigen Minuten zu erreichen und liegt nah an den großen Museen der Stadt.

Wer zentraler nächtigen will: Im Zentrum ist das Hilton. Dort habe ich zuletzt 2015 übernachtet. Im Hotel ist eine kleine Sauna, die wir gegen 21 Uhr für uns alleine hatten. Im Anschluss waren wir in der hauseigenen Kennedy-Bar: Es gibt dort viele Cocktails, die Preise sind gehoben – und die Bedienung war bei unserem Besuch mit der Menge an Gästen überfordert. Das Hotelzimmer war zur Straße bestens gegen Lärm isoliert, Richtung Flur allerdings kaum: Man hörte jeden Schritt vorbeigehender Gäste. Oropax ist darum ratsam. Dafür versöhnte uns das Frühstück mit den kleinen Störungen der Nacht: gutes Brot, eine ordentliche Auswahl an Wurst und Käse, Gebäckstücke, Porridge, frisches Obst, Müsli, Kaffeespezialitäten.

Das Maritim hat für die Übernachtung und Verkostung während der Pressereise für meine Reisebegleitung und mich bezahlt.

Dieser Artikel stammt ursprünglich aus dem Februar 2015. Er wurde im Mai 2019 aktualisiert.

 

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