NRW: Ein Tag in Gütersloh

Wer Gütersloh hört, denkt an Miele-Waschmaschinen und das Medienunternehmen Bertelsmann, zu dem RTL gehört. Mehr fällt den wenigsten Menschen zu der Stadt im Teutoburger Wald meist nicht ein. Und wenn ich keine familiäre Beziehung in die Stadt hätte, ginge es mir wahrscheinlich genauso. Dabei ist allein wirtschaftlich betrachtet in Gütersloh viel los: Über 7200 Unternehmen vom Nagelstudio bis zum Konzern haben dort ein Gewerbe angemeldet, erfahre ich 2021 bei einer Stadtführung. Leinen, Schinken und Wurst haben Gütersloh schon früh zu einem wichtigen Handelsplatz gemacht. Die Entscheidung, einen Bahnhof in der Stadt privat über 60 Kaufleute zu finanzieren, hat nach Beginn der Eisenbahnzeit den Wirtschaftsstandort gesichert. Denn so war die Anbindung ans Ruhrgebiet gegeben. Erze und Eisen beispielsweise kamen auf diesem Weg in die Stadt, während Produkte auf so verschickt werden konnten.

Doch auch neben einem regen Mittelstand hat die Stadt eine Menge zu bieten: Im Stadtkern zum Beispiel gibt es einen Fachwerkhausring am Alten Kirchplatz. Er ist ein Zeugnis davon, dass es die heutige Stadt mit rund 100.000 Einwohnern schon seit langer Zeit gibt. Der Ort wurde erstmals 1184 erwähnt. Die Kirche am Dreiecksplatz war übrigens 260 Jahre eine Simultankirche. In ihr hielt man also die Gottesdienste für die Katholiken und Protestanten gleichermaßen ab. Eine solche Kirche gibt es übrigens auch in Bad Bergzabern in Rheinland-Pfalz.

Große Architektur: das Theater

NRW: Ein Tag in Gütersloh
Im Theater Gütersloh

Umstritten ist das neue Theater: moderne Architektur, eine Wendeltreppe, die zu einer Barterrasse führt und viel strahlendes Weiß. Meiner Meinung nach kann dieser Bau mit der Architektur von Weltmetropolen mithalten. Und ich hätte sie definitiv nicht in Gütersloh erwartet. Leider kann man das Theater nicht immer betreten. Aber vielleicht habt ihr an einem Vorstellungsabend die Möglichkeit, einen schnellen Blick hinein zu werfen.

Ganz anders ist dagegen der alternative Dreiecksplatz: Dort gibt es mehrere Cafés, kleine Läden und Eisdielen. Freitagabends spielen im Sommer Bands – kostenlos. Gütersloh hat übrigens auch einige ziemlich coole Ecken, wie ich bei einem Urban Art Bingo bemerkt habe.

Gütersloh: Stadtpark und Stadtzentrum

NRW: Ein Tag in Gütersloh
Spätsommer im botanischen Garten

Wer Spaß am Grünen hat, sollte außerdem durch den Stadtpark spazieren. Auf dem Weg dorthin kommt man an vielen Villen und Häusern vorbei, deren Größe viel über ihre Bewohner*innen aussagen. Verwunderlich ist das nicht, denn Konzerne wie eben Bertelsmann und Miele, brauchen auch Mitarbeiter*innen auf der Managementebene. Sie können sich diese Lage und Hausgröße leisten. Der Stadtpark mit seinem Teich und seinen verschlungenen Wegen wurde übrigens Anfang des vergangenen Jahrhunderts angelegt. Er ist Teil des European Garden Heritage Networks. Dazu gehört beispielsweise auch der Landschaftspark Duisburg-Nord, die Kölner Flora, Kloster Dalheim und Park Wilhelmshöhe in Kassel. Auch dazu lest Ihr bald mehr.

Gut schlafen in Gütersloh

Das Parkhotel ist nur wenige Minuten zu Fuß vom Bahnhof entfernt, und die wohl beste Wahl in der Stadt. Ich habe hier schon oft übernachtet. Die Zimmer sind sehr klassisch gehalten mit gestreiften Tapeten und Spiegeln im dicken Goldrahmen. Hinter dem Hotel gibt es einen Teich, an dessen Ufer im Sommer Tische und Stühle stehen. Hier kann man bei gutem Wetter am Wasser sitzend einen Cocktail trinken. Das Hotel Stadt Hamburg ist kleiner und moderner, und ebenfalls wert, empfohlen zu werden. Barrierefrei und auch sehr angenehm ist das Hotel Flussbett. Und im recht modernen Holiday Inn Express mitten in der Stadt kann man auch gut schlafen. Das Frühstück ist hier schon im Preis enthalten.

Lecker essen in der Stadt

Wie überall in Ostwestfalen gibt es auch in Gütersloh viele Möglichkeiten, bodenständiges Essen zu bekommen. Das Gütersloher Brauhaus beispielsweise hat in den Sommermonaten auch Tische auf einer Terrasse. Im Bankery, einer ehemaligen Volksbankfiliale, gibt es Brunch für einen fairen Preis. Und am Dreiecksplatz bekommen Besucher in der Eismanufaktur ungewöhnliche Sorten – beispielsweise Kürbiskern oder das erfrischende Limette mit Minze. Im Café Fritzenkötter gegenüber des Rathauses wird seit vielen Jahrzehnten Kuchen serviert. Die Herrentorte ist eine gelungene Kombination aus Orange, Marzipan und Schokolade.

Wunderbare Cocktails bekommt man in der Bar des Parkhotels. Die Spezialität des Hauses sind Smoken Drinks, also beispielsweise ein Gin Tonic, für den das Glas vor dem befallen mit Thymianrauch geräuchert wurde.

Während der TeutoBloggerWG 2021 habe ich außerdem in der Genusswerkstatt des Parkhotels gegessen. Dort werden üblicherweise Kochkurse angeboten. Wir allerdings wurden bekocht. Und das war richtig lecker. Für mich ehrlich gesagt unverständlich, dass die Küche nicht mindestens eine Michelin-Empfehlung hat. Die Antipasti waren nicht nur als Blickfang angerichtet. Jedes einzelne hatte auch sehr viel Eigengeschmack. Die Hauptspeise: sehr zartes Fleisch. Der Zwischengang: Pasta in cremiger Soße. Einzig die Dessertvariation fiel für mich etwas aus dem Rahmen. Sie war zwar auch gut, aber nicht so fein, wie die anderen Gänge.

Von Gütersloh ist man übrigens auch schnell in Bielefeld und an anderen Zielen im Teutoburger Wald.

Dieser Artikel ist ursprünglich vom Juli 2018. Er wurde im Februar 2019 und im Oktober und November 2021 aktualisiert. Im Oktober 2021 war ich bei der TeutoBloggerWG in Gütersloh. Der Veranstalter und seine Kooperationspartner übernahmen die Kosten für die Übernachtung, Verpflegung, Transport und für andere Leistungen. In Zusammenhang mit diesem Artikel bedeutet das: die Übernachtung im Parkhotel, das Essen in der Genusswerkstatt sowie die Stadtführung. Die TeutoBloggerWG 2021 fand im Rahmen des EFRE-Projekts „Zukunftsfit Digitalisierung“ statt. Das Projekt wird gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und das Land NRW. Im November 2021 war ich zur Recherche für ein Buchprojekt in der Stadt. Das Parkhotel hat die Kosten für die beiden Cocktails übernommen.

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2 Kommentare auch kommentieren

  1. Schöne Geschichte, die Lust auf mehr macht. Außerdem ein echter Tipp: Die Weberei in Gütersloh mit ihrem Kulturprogramm, das Programmkino und der Rad-/Fussweg entlang dem Flüsschen Dalbke durch den Stadtpark. …. Wenn Du mal wieder hier in der Nähe bist, lass es mich gerne wissen. LG aus dem Teutoburger Wald von Robert

    1. BettinaBlass sagt:

      Lieber Robert,
      vielen Dank für deinen Kommentar! Ich bin leider immer nur sehr kurz in Gütersloh. Aber wenn es sich einmal ergibt, melde ich mich auf jeden Fall.
      Viele Grüße
      Bettina

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