Über den Sinn und Unsinn von Hotel-Schnäppchen

Ein nettes Zimmer im Grand City Hotel - das wir leider nicht bekamen.
Ein nettes Zimmer im Grand City Hotel – das wir leider nicht bekamen.
Rabatt auf Hotelzimmer gibt es auf fast allen Portalen. Manchmal fahre ich damit hervorragend: Beispielsweise waren unsere Zimmer in Hongkong und Shanghai, die wir als Frühbucher auf hotels.com sehr viel günstiger als üblich bekamen, ganz wunderbar. Auch das Wellness-Paket, das wir über Vente privee für die Eifel kauften, war prima. Sehr oft passiert es aber auch, dass man ein Tourist zweiter Klasse ist, wenn man die Sonderangebote der Anbieter nutzt. Das ärgert nicht nur den Kunden, sondern bringt auch dem Hotel nichts.

Sowohl in Emden als auch in Stuttgart ist es uns passiert: Wir haben uns über Schnäppchenangebote von Hotels gefreut. In Emden bekamen wir ein muffiges blaues Hotelzimmer, während im Internet moderne, rotgehaltene Räume angepriesen wurden. Die Bilder der hübschen Zimmer waren der Grund, warum wir überhaupt das Hotel gebucht hatten. Als wir das an der Rezeption sagten, bekamen wir nur die lapidare Antwort, es seien eben noch nicht alle Räume renoviert. Das hat für mich fast etwas von Lockvogelangeboten: Im Internet zeigt man seine schöne Seite, und die Realität sieht dann ganz hausbacken aus. Folge: Sollten wir nochmals nach Emden fahren, dann werden wir nicht in diesem Hotel übernachten. Ähnlich in Stuttgart: Das Hotelzimmer war günstig. Es war aber auch abgewohnt und alt. Und die Heizung funktionierte nicht. Als wir das der Rezeption meldeten, bekamen wir ein neues Zimmer – im bereits renovierten Trakt. Dieses Zimmer war hell, modern und freundlich. Da fragt man sich doch, warum man nicht sofort hier untergebracht worden war – schließlich war das Zimmer ja frei. Ich vermute, weil wir das Sparangebot genutzt haben. Folge: Wir werden in diesem Hotel nicht mehr übernachten, und können es nur bedingt empfehlen.

Das Problem potenziert sich, wenn man bei einem Schnäppchen für ein ganzes Paket als Gast zweiter Klasse behandelt wird. Das ist uns neulich in Radebeul passiert: Wir hatten ein Paket über Vente privee gebucht, Vertragspartner war Feride: 3 Nächte mit Frühstück und Tellergericht inklusive Weinprobe im Grand City Hotel (GCH). Zugegeben, der Preis war sehr fair. Wir waren etwas irritiert, als uns das Navi zum Radisson Blu in Radebeul schickte, freuten uns dann aber, denn an das Radisson Blu in Hamburg habe ich nur die besten Erinnerungen. Doch wir wurden schnell enttäuscht, und dafür gibt es zwei Gründe:

Internet für alle - nur nicht für die Gäste in den zugehörigen Villen.
Internet für alle – nur nicht für die Gäste in den zugehörigen Villen.
  1. Die Struktur der GCH-Gruppe ist für den Gast nicht transparent und frustrierend: Das Grand City Hotel in Radebeul ist nur das Partnerhotel vom Radisson Blu. Für den Gast ist das jedoch nicht offensichtlich: Er checkt bei Radisson Blu ein, bekommt dort sein Frühstück und abends sein Tellergericht, darf dort den Fitness-Raum nutzen und parkt in der gleichen Tiefgarage. Trotzdem waren wir auf dem Papier Grand City Hotel-Gäste. Folge: Unser Zimmer war nicht im eigentlichen Hotel, sondern in einem von mehreren kleinen Häuschen dahinter, die Villa genannt werden. Eigentlich ganz nett. Aber: Die Wände hatten Schrammen, auf Bilder hat man verzichtet, die Möbel waren alt und abgenutzt, im Bad war ganz leichter Schimmel, der Duschkopf verkalkt. Sonst war das Zimmer immerhin sauber und die Matratze angenehm hart.

    Durch Zufall konnten wir einen Blick ins Nachbarzimmer werfen, das bereits renoviert war und leer stand. Das war deutlich moderner mit tollem Bad – und wieder frage ich mich, warum man uns ein so trauriges Zimmer gegeben hat. Natürlich, wir haben weniger bezahlt als andere Gäste. Aber sind die Spartarife nicht auch gedacht, um Kunden mit etwas bekannt zu machen, was sie nicht kennen? In der Hoffnung, dass sie als Vollzahler wiederkommen? Ich werde einen Teufel tun und nochmals dieses Hotel buchen, in Dresden und Umgebung gibt es genügend schönere Alternativen. Unser Zimmer machte leider keinen Appetit auf mehr. Hinzu kam: Wer im Radisson Blu untergebracht ist, hat WLAN und Spa inklusive, Grand City Hotel-Gäste nicht. Das wäre noch halbwegs akzeptabel, wenn es irgendwo eine eindeutige Trennung zwischen beiden Hotels gäbe, doch die gibt es nicht. Außer auf dem Papier.

  2. Das Sparpaket ist nicht gut durchdacht: Wir durften zwar den Fitnessraum kostenlos nutzen, für das Spa sollten wir aber zehn Euro pro Tag und Person bezahlen. Um Radebeul herum gibt es aber soviel zu sehen, dass kaum ein Gast den ganzen Tag im Spa verbringen wird. Und nach einem Tag auf den Beinen brauche ich auch keine zusätzliche Fitnesseinheit mehr, aber ein Saunagang wäre schön. Dafür zehn Euro zahlen? Och nö. In unserem Paket war auch ein Tellergericht am Abend vorgesehen. Gegen vier Euro zusätzlich hätte man Essen vom Buffet nehmen dürfen – allerdings nur die Hauptgänge, weder Vorspeise noch Nachtisch. Ist das sinnvoll? Ich muss nicht drei verschiedene Hauptgerichte an einem Abend essen, ein Salat vorneweg und ein Nachtisch wären aber nett gewesen. Das sah das System so nicht vor. Ein zusätzlicher kleiner Blattsalat hätte 4,50 Euro gekostet, für den Nachtisch gab es überhaupt kein Angebot. Am zweiten Abend haben wir uns allerdings tatsächlich für das 4-Euro-Upgrade entschlossen, denn unser Tellergericht sah Osso buco mit Rahmwirsing und Klößen vor, nicht mein Favorit. Mir ist rätselhaft, warum man den Tellergerichtgästen nicht einfach die Entscheidung lässt, welche der drei Hauptspeisen vom Buffet sie essen wollen. Und noch rätselhafter ist mir, warum man gegen einen Aufpreis nicht einfach das gesamte Buffet nutzen können soll.
Weinführung auf Schloss Wackerbarth - im Paket inbegriffen.
Weinführung auf Schloss Wackerbarth – im Paket inbegriffen.

Es kann auch ganz anders gehen

Der eigentliche Nutznießer des Vente privee-Feride-Deals war wirtschaftlich betrachtet Schloss Wackerbarth. Eine Weinführung dort war kostenlos in unserem Paket enthalten – inklusive Weinprobe. Wir überlegten, das einfach ausfallen zu lassen, weil die Führung mitten im Tag war und unsere Pläne etwas durcheinander brachte. Schließlich waren wir froh, hingegangen zu sein: Die Führung war spannend, der Wein super. Im Anschluss tranken wir auf dem Weingut Kaffee und aßen Kuchen. Und weil der so gut war, buchten wir für den nächsten Abend einen Tisch. Wir verzichteten also auf das bereits bezahlte Tellergericht im Grand City Hotel/Radisson Blu und genossen stattdessen ein Vier-Gänge-Menü auf Schloss Wackerbarth. Dort testeten wir nochmals den Wein vom Vortag – und weil er noch genau so gut schmeckte wie bei der Weinprobe, bestellten wir online einige Flaschen.

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Ein von Bettina Blass (@kuechenzuruf) gepostetes Foto am

Fazit: Ich habe mich in diesen vier Tagen oft gewundert darüber, warum Schnäppchenanbieter ihre Kunden dafür bestrafen, dass sie sich auf ihre Aktion eingelassen haben. Sinnvoller wäre es doch, sie mit der Aktion für sich zu begeistern. Nun bieten Dresden und die Sächsische Schweiz so viele tolle Dinge: Schlösser, Wanderungen, Museen. Ich werde also ganz sicher wiederkommen. Aber genau so sicher werde ich nicht in diesem Hotel übernachten. Denn richtig willkommen fühlte ich mich dort nicht. Das lag allerdings nur an den Konditionen, und nicht am Personal. Das nämlich ist ausgesprochen höflich und super-hilfsbereit. Aber nettes Personal gibt es sicherlich auch in anderen Hotels. Und davon gibt es in und um Dresden fürwahr genug. Von all dem abgesehen, waren das Frühstück und das Essen durchaus schmackhaft. Und der Cocktail Frühlingswunder war auch seinen Preis wert.

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