Wandern in der Sächsischen Schweiz

Auf dem Lilienberg
Auf dem Lilienberg

Der Tafelberg, die Bastei, die Herkulessäulen – die Bilder, die ich vom Elbsandsteingebirge gesehen habe, haben mich fasziniert. Zerklüfte Felsen, verbunden durch Metallsteige und Leitern, ein optimaler Platz für kurze Wanderungen verbunden mit der Kultur der umliegenden Städte. Wir buchten drei Nächte in Radebeul, strategisch günstig gelegen, um sowohl zu den Wanderwegen zu kommen als auch nach Dresden. Davon abgesehen hat auch Radebeul etwas zu bieten: Weinverkostungen, das Karl-May- und ein DDR-Museum.

Auf den Lilienberg

Wir teilten unser Tage auf: morgens wandern, nachmittags Kultur. Unsere erste Tour führte uns auf den Lilienberg. Dazu fährt man mit dem Auto nach Königstein, parkt an der Elbe in Höhe der Fähre und der Touristeninformation und setzt über. Die Fahrt mit der Fähre dauert etwa eine Minute. Unsere Routenbeschreibung stammte aus der Broschüre der Tourismusbehörde, ich hatte sie auf der ITB mitgenommen. Weil wir uns nicht sicher waren, welches der richtige Weg war, fragten wir eine Frau, die mit uns auf die Fähre wartete. Ihr Gesicht war fein gezeichnet von vielen Falten und Fältchen. Sie riet uns zum Aufstieg über die Nord-, zum Abstieg über die Südseite, also genau anders herum als in der Broschüre beschrieben. So sei die Strecke weniger anstrengend, sagte sie, aber drei Stunden müsse man schon einplanen. Und wir sollten ein Fährticket mit Hin- und Rückfahrt kaufen, so sparten wir Geld. Zwei Euro kostete die Fahrt, „früher 50 Pfennig“, sagte sie uns.

Gaststätte auf dem Lilienberg
Gaststätte auf dem Lilienberg

Auf der anderen Elbeseite angekommen, geht man nach rechts und an der Ruine links die Treppe hoch, immer im Zickzack den Schildern folgend. Das wird bald sehr steil. Nach einer guten Viertel Stunde lässt sich der Weg bequem gehen, bis er nach weiteren etwa 20 Minuten so steil wird, dass man Treppen steigen muss: Sie sind mit Baumstämmen oder Steinen angelegt. Je höher man kommt, desto steiler wird der Weg, schließlich führen Metallstufen am Fels entlang zur Plattform des Lilienbergs. Oben gibt es eine Gaststätte, die von April bis Oktober geöffnet hat. Die Besitzer können nicht mit dem Auto zur Arbeit fahren, sondern laufen die Strecke täglich zwei Mal.

Wer auf der Südseite hinabsteigt, kann einen Abstecher machen auf die Plattform der Westspitze. Füllige Leute könnten auf den teils engen Steigen und Stufen Platzprobleme bekommen, wer an Höhenangst leidet, sollte vorsichtig sein. Der Weg zurück über viele Stufen und sehr steile Wege hinunter zur Fähre ist anstrengend. Aber die Wanderung durch den stillen Wald ganz wunderbar.

Über den Steinernen Tisch zur Bastei

In der Stadt Wehlen gibt es am Elbufer in Sichtweite zur Fähre einen Parkplatz. Von dort geht man über den Marktplatz und an der Kirche vorbei am Elbufer entlang, bis links ein steiler Pfad den Berg hinauf führt. Der Weg besteht teilweise aus Stufen. Nach rund 45 Minuten hat man den so genannten Steinernen Tisch erreicht, nach einer weiteren halben Stunde die Bastei. Vorsicht, sie ist selbst in der Nebensaison voll mit Touristen. Kein Wunder: Es gibt nur wenige Fußminuten entfernt einen Parkplatz. Um die Naturattraktion zu sehen, muss man sich also nicht zu Fuß auf den Berg quälen. Viele Touristen gehen aber nur zur Basteiaussicht – und haben somit das Beste verpasst. Wichtig ist, zur Basteibrücke zu gehen. Von dort hat man einen Rundumblick über die Elbsandsteinfelsen, die zerklüftet verschiedene Figuren zu bilden scheinen.

Richtung Rathen liegt der Eingang zur ehemaligen Felsenburg, er kostet zwei Euro und führt in einem Rundgang mit erklärenden Tafeln durch die Felsen. Wer Höhenangst hat, sollte vorsichtig sein. Danach führen sehr viele Stufen hinunter nach Rathen. Dort setzt man mit der Fähre über, steigt in die S-Bahn und fährt eine Station. In Wehlen nimmt man erneut die Fähre und kommt so zurück zum Auto. Achtung, die S-Bahn fährt nur etwa alle 20 Minuten. Wer also in Zeitnot ist, hat ein Problem. Das S-Bahn-Ticket ist übrigens auch für die Fähre zurück nach Wehlen gültig.

Besuch bei Meister Karamellus

Meister Karamellus
Meister Karamellus

Max Bernhardt ist ein echter Zuckerbäcker. Als wir die Bonbon-Manufaktur in der Stadt Wehlen betreten, rollt er gerade lange Karamellstangen. Die lässt er erkalten und hackt sie dann in kleine Stücke. Fertig sind die Karamell-Bonbons.

„Zuckerbäcker ist heute kein Ausbildungsberuf mehr“, sagt Bernhardt, der hier seit 2012 arbeitet. Man muss sich alles selbst beibringen. Auch, welche Geschmacksrichtungen zueinander passen. In der Bonbon-Manufaktur Meister Karamellus gibt es beispielsweise die Geschmacksrichtungen Himbeer-Minze, Erdbeer-Lakritz oder Salbei-Lavendel. Auch Rosmarin-Limetten ist spannend und schmeckt erstaunlich frisch, wie wir feststellen.

Rund um die Herkulessäulen

Eigentlich ist es ein recht kurzer Rundweg rund um die Herkulessäulen. Aber man muss genügend Zeit mitbringen, um nicht das Beste zu verpassen: Mit dem Auto fährt man nach Rosenthal-Bielatal. In Rosenthal folgt man den Schildern „Schweizermühle“, dort gibt es einen Parkplatz. Man geht dann auf das Haus mit dem Türmchen zu. Dort geht rechts ein schmaler Weg vorbei. An der Kreuzung hat man die Wahl zwischen dem schwierigen und dem bequemen Aufstieg. Wir haben den schwierigen gewählt, der uns zwar außer Puste brachte, aber sonst keine besondere Herausforderung war. Das schwierigste sind wohl die Metalleitern, die auf den Nachbarstein führen. Sie sind jedoch nur ein Vorgeschmack auf das was später kommt.

Auf dem Nachbarstein orientiert man sich weiter an den gelben Punkten, um den Weg zu finden, der etwas im Zickzack durch den Wald führt. Recht bald geht links eine Treppe ab zum Sachsenstein. Auf ihn kommt man über weitere Metalleitern. Sie sind lang, steil und führen teilweise durch recht enge Felsspalten. Füllige Menschen werden hier ein Problem haben, genau so Menschen mit Höhenangst. Wieder unten geht man zurück auf den Weg und kommt bald zur Johanniswacht. Von einem der Felsen hat man einen recht guten Blick über das Tal. Dann geht der Weg steil nach unten zur Ottomühle und weiter wieder steil den Berg hinauf. Nach einem weiteren Aussichtspunkt führt ein schmaler Pfad zu den Herkulessäulen hinunter. Wer hier nun dem grünen Keil folgt, gelangt von unten zu den Säulen und durch die Felsengasse wieder an eine Kreuzung. Der gelbmarkierte Weg führt sowohl oberhalb der Felsen als auch unterhalb zurück zur Schweizermühle.

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