Stuttgart: Stadtbummel und Porsche-Museum

Fußballfieber in Stuttgart
Fußballfieber in Stuttgart

Zwei städtische Mitarbeiter sitzen auf Campingstühlen am Straßenrand, die Beine auf die Ladefläche ihres orangefarbenen Transporters gelegt. Vor ihnen steht ein Laptop, auf dem Bildschirm läuft das WM-Spiel, in dem die Niederlande gegen Spanien 5 zu 1 gewinnen werden. Ein Fahrradfahrer fährt zu nah an mir vorbei, hinter sich her zieht er den Geruch eines fetten Joints. Vor mir torkeln drei junge Männer in Schlangenlinien über den Bürgersteig. Sie reden zu laut miteinander, alle gleichzeitig, bis einer plötzlich rechts ausschert, sich auf den Boden setzt und sagt:“Ich brauch’ mehr Speed!“. Ich bin in Stuttgart.

Stuttgart: Stadt voller Überraschungen

Ja, in Stuttgart. Dort, wo sich der Mercedes-Stern auf dem Turm des Hauptbahnhofes dreht. Dort, wo man neben Wutbürgern vor allem Bausparer und Spießer vermutet. In der Stadt mit der bekanntesten Baustelle der Republik. A propos Baustelle. Ich gehe die Heilbronner Straße entlang, die den Hauptbahnhof flankiert. Dort reihen sich Bauzäune an Absperrungen, Kräne an Gebäude aus Glas, Beton und Stahl. Futuristisch sehen die Neubauten aus, sie geben einen Vorgeschmack auf das, was dort noch entstehen mag. Eine Stadt im Wandel.

Als ich links abbiege, wartet die nächste Überraschung auf mich: Vor dem Gravis Store an der Ecke zur Lautenschlager Straße scheint das Wohnzimmer der Stadt zu sein: Auf dem Boden oder auf mitgebrachten Stühlen sitzen eng beieinander Junge und Alte, sie schwatzen und trinken gemeinsam ein Feierabendbier, während auf der Straße hinter ihnen eine pinkfarbene Strechlimousine gefolgt von einem schwarzen Porsche vorbeifährt.

Wohnzimmer der Stadt
Wohnzimmer der Stadt

Stuttgart also. Ich bin positiv überrascht. Auch wenn es keine Büdchen wie in Köln gibt, wo man nach 22 Uhr schnell mal eine Flasche Wasser kaufen kann. Dazu muss ich in den Bahnhof gehen – und danach wird es Zeit fürs Hotel.

Übernachten und essen in Stuttgart

Übernachtungstipp: Das Motel One liegt sowohl zentral als auch am Hauptbahnhof. Außerdem sind die Fenster erfreulich lärmdämmend. Nur die Steckdosen sind nicht sinnvoll angebracht: Am Schreibtisch gibt es keine.

Das Mercure ist eigentlich auch nett und größtenteils renoviert. Allerdings liegt es nicht so zentral, wie der Name vermuten lässt. Außerdem ist es deutlich hellhöriger als das Motel One.

Abendessen: In der Lautenschlagerstraße gibt es viele Restaurants mit Außenbestuhlung. Ich war bei einem Italiener, Vinelo. Die Pizza meiner Nachbarn sah toll aus. Mein Salat war gut, die Putenstreifen aber etwas hart. Im Tialini nebenan wurden wir lange nicht bedient. Darum gingen wir weiter.

Das Todi’s hat ein interessantes Konzept: Es ist eine Art Imbiss, der aber nett eingerichtet ist. Zwar gibt es auch Currywurst/Pommes, im Fokus stehen aber schwäbische Gerichte: Käsespätzle und Maultaschen in vielen unterschiedlichen Varianten.

Cocktail: Im Arcotel gibt es eine Vielzahl an Cocktails, einige wurden laut eigenen Angaben dort erfunden. Der Preis ist hoch, der Cocktail dafür groß.

Einkaufen in Stuttgart

Einkaufen in Stuttgart
Einkaufen in Stuttgart

Zugegeben: in der Fußgängerzone in Stuttgart gibt es nichts Außergewöhnliches. Es reihen sich die Läden der bekannten Ketten aneinander – wie in vielen großen Städten. An einem sonnigen Samstagnachmittag ist die Königstraße trotzdem voll. Doch im Gegensatz zu den Kölner Einkaufsstraßen ist die Königstraße breit. Die vielen Besucher verteilen sich so besser, es entsteht kein unangenehmes Gedrängel. Im Gegenteil ist noch ausreichend Platz für Straßenkünstler: Sie rappen, spielen Gitarre oder machen Akrobatik. Über einige Münzen in ihren aufgestellten Hüten freuen sie sich alle. Die Innenstadt ist bei rund 23 Grad jedoch nicht nur voll mit Einkäufern: Rund um den Schlossplatz sitzen und liegen die Stuttgarter in der Sonne, alleine oder in kleinen Gruppen. Als Besucher hat man das Gefühl, in Italien oder Frankreich zu sein. Wieder überrascht Stuttgart positiv.

Im Porsche-Museum in Stuttgart

Nur etwa zehn Minuten mit der S6 fährt man vom Hauptbahnhof in Stuttgart bis Neuwirtshausen. Dort ist das Porsche-Museum. Zu sehen gibt es dort hauptsächlich Autos – was nicht weiter überrascht. Sie sind in der Reihenfolge ihres Alters aufgereiht, der Besucher geht an ihnen in Form eines Schneckenhauses vorbei. An multimedialen Bildschirmen werden Details von Porsches aus unterschiedlichen Jahren gezeigt, und wie sich die Form des Autos im Laufe der Zeit verändert hat. Audiokapseln demonstrieren den Klang verschiedener Motoren – auch den eines Porsche-Traktors. Unter dieser Audio-Kapsel steht eine Frau mit halblangen silbergrauen Haaren. Sie hat die Augen geschlossen, ein Lächeln spielt um ihre Lippen. Vielleicht denkt sie an längst vergangene Zeiten zurück.

In einem der Wagen sitzt ein Mann, seine Begleitung filmt ihn mit dem Handy. „Ich sitze hier so gut, ich steige nicht mehr aus!“, sagt er in die Kamera. Ich will es nun auch wissen und setze mich in einen roten Porsche 911 GT 3. Es ist, als ob man sich in das Auto hineinpressen müsste: Der Sitz ist tief, hat aber rechts und links einen Rand. Die Beine passen kaum in den Freiraum zwischen Lenkrad und Sitz. Als ich endlich sitze, stelle ich fest, dass es tatsächlich bequem ist. Auszusteigen kommt allerdings einer sportlichen Übung gleich.

Fazit: Mir sind Autos egal. Ich glaube aber, dass in diesem Museum Spaß haben wird, wer sich für Wagen dieser Marke begeistern kann.

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