Eine Landhochzeit in England

Mitten in England
Mitten in England

Je mehr man sich in England von den großen Städten entfernt, desto enger werden die Straßen. Unser Ziel ist ein Heufeld irgendwo in Somerset, denn dort findet die Hochzeit von Rosy und Andy statt. Die Straße dorthin ist so eng, dass zwei Autos kaum aneinander vorbei kommen. Wer Gegenverkehr hat, muss anhalten, ausweichen ins Feld.Dort angekommen weist uns ein Parkplatzwächter ein: Auf dem Heufeld werden am späten Nachmittag viele Autos stehen und auch einige Wohnwagen. Viele Besucher haben im hinteren Teil des Feldes ihre Zelte aufgebaut. Dort steht auch ein Toilettenwagen, ausgelegt mit Teppichboden. Duschen gibt es jedoch keine.

Im Zentrum des Heufeldes steht ein großes weißes Zelt mit Fenstern, Marquee genannt. Innen stehen rustikale Tische und Stühle und es gibt eine Tanzfläche. Vor dem Zelt sind weiße Plastikstühle aufgereiht, an deren Kopfende steht ein Holzgerüst, umrankt von Efeu. Hier wird die Trauung stattfinden. Vor dem Zelt liegen Heuballen, und überall sind zarte Sträuße mit weißen und rosafarbenen Blumen und Blümchen. Wegen eines Streiks in Frankreich, so sagt man uns, seien die bestellten Blumen nicht pünktlich angekommen. Darum habe man am Morgen einen Supermarkt geplündert und dort nahezu alle Blumen gekauft, die passend waren. Das sieht man ihnen nicht an. Neben den Stuhlreihen ist eine Art Spielplatz aufgebaut: Badminton kann man dort spielen, Sackhüpfen oder Ringewerfen auf die Buchstaben L-O-V-E ist möglich. Wir sind erstaunt, dass die britischen Gäste sofort nach der Trauung anfangen, sich dort auszutoben. Besonders Sackhüpfen ist angesagt und wird in vielen Konstellationen wieder und wieder von rechts nach links und von links nach rechts gemacht. Später gibt es Afternoon Tee – was auch sonst? Kaffee wird gar nicht erst angeboten. Wer seinen schwarzen Tee ohne Milch trinkt, wird schräg angesehen. Dazu reicht man Scones mit Erbeermarmelade und geschlagener Sahne. Scones sind übrigens kleine, nahezu runde Brötchen. Außerdem gibt es Muffins und Küchenstücke.

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Das Essen im Festzelt

Dann wird lange und ausgiebig fotografiert. Und schließlich ist das Marquee geöffnet: An einer großen Tafel steht, wer an welchem Tisch sitzt. Dort liegt für jeden Gast ein Tütchen Süßes bereit, das an die vergangenen Kindertage erinnert. Eine Art Zeremonienmeister sorgt für Ordnung im Marquee und weist die Gäste tischweise an, zum Buffet zu gehen. Für den Hauptgang haben wir die Wahl zwischen Schwein, Hühnchen und vegetarischer Pasta. Ich entscheide mich für das faserige Schweinefleisch, vergesse aber das Gravy, die braune Soße, darüber zu geben. Darum ist das Fleisch recht trocken. Warum mir die Bedienung zum Schwein einen Löffel Hühnchenfüllung aus Brotkrumen und Kräutern aufgetan hat, weiß ich nicht, aber sie ist genau so lecker wie die Apfelsauce, die traditionell zum Hühnchen gereicht wird. Außerdem habe ich Couscous Salat auf dem Teller, Blattsalat, Kartoffeln und rote Beete sowie einen Bohnen-Erbsen-Salat. Für das Gemüse war kein Platz mehr.

Dessert und Käse

Ein Käsebuffet
Ein Käsebuffet

Der Nachtisch ist typisch englisch, sagen mir meine Tischnachbarn. Er heißt Pawlowa und besteht aus Baiser, gefüllt mit Sahne und dekoriert mit Erdbeeren. Später gibt es noch den dreistöckigen Hochzeitskuchen, den die Bräutigammutter gebacken hat. Auch er sei sehr traditionell, sagt man mir, ein schwerer dunkler Teig mit getrockneten Früchten. Erinnert mich ein wenig an Weihnachten. Überzogen ist er mit einer weißen Zuckerhaube.

Wer noch nicht genug hat, füllt den Magen schließlich am Käsebuffet. Eine sehr schöne Idee: Das Brautpaar bat bereits bei der Einladung darum, dass jeder ein Stückchen Käse aus der Region mitbringt. So kam das größte Käsebuffet zusammen, das ich je gesehen habe. Und es war hervorragend! Ich glaube, ich werde diese Idee bei einer künftigen Party übernehmen. Übrigens haben wir Käse aus Roermond, Niederlande, mitgebracht.

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