England: in den Cotswolds

In den Cotswolds
In den Cotswolds

Eine Einladung zu einer englischen Landhochzeit in Churchinford in Somerset! Von zwei Menschen, die sich in Tansania kennenlernten, als wir dort bei Village Africa ehrenamtlich arbeiteten. Wunderschöne Geschichte. Aber Stop: Wo ist eigentlich Somerset? Wo Churchinford? Und wie kommt man dorthin? Es beginnt eine zeitaufwändiger Recherche: Flug nach Bristol, Birmingham oder London? Zug? Bus? Oder doch mit einem Mietwagen erstmals auf der falschen Seite fahren? Darauf wird schließlich die Entscheidung fallen – wenn auch mit klopfendem Herzen.

Der Flug geht morgens um kurz vor sieben ab Düsseldorf. Für uns Kölner bedeutet das, dass wir um drei Uhr morgens aufstehen müssen. Urlaub könnte stressfreier beginnen. Denn genau das soll unser Ausflug zur englischen Landhochzeit werden: ein Kurzurlaub. Schließlich kenne ich von England fast nichts außer London. Und eben mal für einige Stunden wegen einer Hochzeit von Köln nach Churchinford reisen, das wäre zu aufwändig und zu teuer.

Die Aufregung ist groß, als wir in Birmingham unseren Mietwagen abholen. Ich bin froh, dass Jörg fahren wird, merke aber trotzdem, dass auch ich als Beifahrer gefordert bin. Die Umstellung auf die linke Straßenseite ist für uns komplizierter, als wir gedacht hatten. Zumindest zu Beginn. Ist man im Fluss, ist das Fahren kein Problem. Nur die Kreisverkehre machen uns zu schaffen, die sich oft dreispurig drehen und im schlimmsten Fall ineinander übergehen. Aber irgendwie schaffen wir’s immer, in die richtige Richtung zu fahren, auch wenn wir manchmal mehr als einen Anlauf brauchen.

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Unser erstes Ziel liegt in den Cotswolds. Diese Region wird auch das Herz Englands genannt. Hier schmiegen sich schiefe, gelbstichige Steinhäuschen aneinander, eine Vielzahl Blumen wächst bunt in den Vorgärten, auf den Wiesen und am Straßenrand. Es sieht aus, wie einem Buch über englische Fabeln entsprungen, und ähnlich lautmalerisch sind die Namen der Orte: Burton on the Water, Stow on the Wold und Moreton in Marsh. Wir fahren nach Upper Slaughter über Straßen, die an jedem Abzweig schmaler werden, halten schließlich an einem Bachlauf gegenüber eines Herrensitzes und gehen die restlichen Meter zu Fuß zum Old Mill Museum. Besonders höflich ist die Dame hinter dem Tresen nicht, als ich Kaffee und Kuchen bestelle, ich vermute, es ist das alte Wechselspiel: Ohne Touristen würde die Region verarmen, aber eigentlich will man mit ihnen nichts zu tun haben. Dafür ist das Café im Garten am Teich ganz reizend, eine Entenfamilie tappert durchs Bild, überall stehen Skulpturen und Kübel mit Pflanzen. Die Besucher scheinen übrigens überwiegend im Rentenalter zu sein, wir drücken den Altersdurchschnitt deutlich. Das ändert nichts daran, dass es dort ausgesprochen reizend ist.

Kathedrale in Gloucester
Kathedrale in Gloucester

Weiter fahren wir nach Snowshill und folgen den braunen Pfeilen zum Lavendelfeld. Der Name scheint mir untertrieben, denn eigentlich dehnt sich die wohlriechende Pflanze in unterschiedlichen Violetttönen über mehrere Hügel aus. Wer durchs von Bienen summende Lavendelfeld spazieren will, zahlt Eintritt. Lavendelhonig, -Seife, -Rezepte und -Kissen gibt es nebenan im Farmer-Laden. Von hier fahren wir nach Gloucester und lassen unser Auto am Ibis etwas außerhalb stehen. Das Hotel ist recht neu und sauber, etwa fünf Fußminuten entfernt fährt die Linie 10 ungefähr jede Viertelstunde nach Gloucester. Die Fahrt hin und zurück kostet für zwei etwas mehr als sieben Pfund, nicht günstig, aber es erspart uns nervenaufreibendes Fahren in der Stoßzeit. In etwa zehn Minuten ist man im Zentrum, immer geradeaus durch die Fußgängerzone und dann den Pfeilen folgend gelangt man an die Kathedrale. Ein Gotteshaus, dass es locker mit unserem schönen Kölner Dom aufnehmen kann. Eine Spende ist erwünscht, wer fotografieren will, zahlt zusätzlich.

Schwierig wird die Suche nach einem Restaurant, denn in der Fußgängerzone steht fast jeder zweite Laden leer: Stumpfe Scheiben, wo früher ein Tattoostudio oder eine Handywerkstatt war. Ein etwas trübseliger Anblick. McDonald’s gäbe es hier oder Kenntucky Fried Chicken. Das ist nicht ganz, was wir wollen, also fragen wir Foursquare. Die App schickt uns zu den historischen Docks etwa zehn Fußminuten weiter. Der empfohlene Sandwichladen hat schon zu, genau wie zwei andere Restaurants. Schließlich sitzen wir in der Sonne, neben den Hausbooten auf dem Wasser, über uns dreht ein kreischender Möwenschwarm seine Runden und vermittelt maritimes Flair. Unser Gourmet Burger bei Foster mit den hausgemachten Fritten braucht fast zu lange für meinen hungrigen Magen und ist eine Spur zu kalt – aber trotzdem ausgesprochen empfehlenswert.

Schlösser und Gärten

Ein Englandbesuch, ohne Schlösser und Gärten gesehen zu haben? Geht gar nicht. Auch in den Cotwolds gibt es viele Schlösser und Gärten. Wir entscheiden uns für Sudeley Castle bei Whichcombe, weil Love Great Britain es auf Facebook als Ausflugsziel empfohlen hatte. Beim Gang durch die alten, hohen Räume, in denen Betten mit Baldachin und viele ledergebundene Bücher stehen, fallen mir immer wieder moderne Fotografien junger Menschen ins Auge. Eine Dame, die den Besuchern weiterhilft, erklärt mir, dass das Bilder der Kinder und Enkelkinder von Lady Ashcombe seien, und sie alle ein eigenes Appartment in einem andern Flügel des Schlosses haben. Was für ein beeindruckendes Wohnumfeld!

Attraktionen in England
Attraktionen in England

Noch schöner sind jedoch die Gärten: Rosen im Quenn’s Garden, mediterrane Blüten im versteckten Garten, Kräutergärten geordnet nach ihrer Funktion. Ähnlich sehenswert sind die Gärten Hidcote Manor und Kiftsgate Court, wenn auch ganz unterschiedlich: Hidcote, so schreibt habe ich gelesen, sei einer der Top Ten Gärten in England. Ich kenne die anderen nicht, finde diesen aber absolut sehenswert: Hier gibt es einen weißen Garten, Wildnis, Sichtachsen, Küchengärten und Blumen, Blumen, Blumen. Kiftsgate ist ganz anders, an einem Hügel angelegt. An einer Stelle mit besonders weitem Blick über das grüne Land steht eine Hollywoodschaukel. Und versteckt hinter Hecken gibt es ein eckiges Becken mit scheinbar schwarzem Wasser und goldenen Blättern, die auf dünnen Stangen schwingen. Da beide Gärten in unmittelbarer Nähe liegen, kann man sie sehr gut an einem Tag besichtigen.

Übrigens waren wir auch wandern, nämlich rund um Cheddar Gorge. Und ein ausgedehnter Spaziergang brachte uns zum höchsten Wasserfall Englands, zu den Canonteign Falls.

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