Köln: Take away Menüs vom Restaurant Astrein

Hauptspeise im Weihnachtsmenü vom Restaurant Astrein
Hauptspeise im Weihnachtsmenü vom Restaurant Astrein

Gut organisiert sind sie im Restaurant Astrein: Während ein Kunde am rechten Fenster bedient wird, kann ich schon zum linken gehen. Bloß keine Menschenmengen vor dem Sternerestaurant auf dem Bürgersteig! Zumindest nicht im zweiten Corona-Lockdown des Jahres 2020. Drinnen, das sehe ich durchs Fenster, stehen überall Papiertaschen. Sie sind gefüllt mir den Zutaten fürs Fünf-Gang-Weihnachtsmenü. Es scheint hier – wie übrigens bei vielen anderen Anbietern auch – gut angenommen worden zu sein.

Tipp: Im Astrein gibt es auch eine Silvesterbox.

Zuhause habe ich dann ein bisschen Respekt vor den Gängen: Hummer und Reh bereite ich selten zu. Aber die Anleitungen sind sehr einfach zu befolgen, die vielen Beutelchen, Gläschen und Pakete ordentlich beschriftet – es kann nichts schief gehen. Und so gibt es bei uns am ersten Weihnachtsfeiertag Entenleberterrine, Kastaniensuppe, Hummer auf Feldsalat, Rehbock mit Spinatspätzle und ein Küchlein auf Zitrussalat. Auch ans Brot vorab und das Gebäck zum Kaffee hat das Team vom Astrein gedacht. Schön!

Tolles Weihnachtsmenü vom Restaurant Astrein – reicht aber für zwei Tage

Zugegeben: Für uns zu viel. Ausgerechnet bei der Hauptspeise müssen wir passen. Wir schaffen nur wenige Gabeln. Der Rest ist jetzt im Eisfach – samt Soße. Den gibt es dann in der kommenden Woche irgendwann. Und das Gebäck heute zum Kaffee. Nach dem Hauptgang machen wir Pause und trinken einen Verdauungstee – und genießen dann das Schokoladenküchlein.

Übrigens war das Weihnachtsmenü unser zweites Take away im Restaurant Astrein. Eric Werner, der Koch, hat es im August 2019 eröffnet. Im März 2020 gab’s dann pünktlich zum ersten Lockdown einen Michelin-Stern. Seither hat sich bei vielen Fine dining- und Sternerestaurants etwas Wesentliches geändert: Sie bieten ihre Gerichte zum Mitnehmen an, einige verkaufen ihre Delikatessen in eigenen Shops und veranstalten sogar Onlinekochkurse. Not macht Erfinderisch.

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Wie Take away auf Sterneniveau funktioniert

Ehrlich gesagt war ich ein wenig skeptisch, als ich das erste Mal ein Take away Menü im Astrein abgeholt habe. Denn das war gleichzeitig mein erstes Mal ein Abholmenü aus dem Sternerestaurant. Noch etwas skeptischer wurde ich, als ich die kleine Papiertüte sah, die mir durchs Fenster gereicht wurde. Sie war nämlich recht leicht. Ist da überhaupt was drin?

Sterneküche mit Bedienungsanleitung

Zuhause entrollte ich dann die Bedienungsanleitung für das Drei-Gang-Menü: „Öffnen Sie die Reispapierschachtel 1 und entnehmen Sie das Tütchen x und y … Schwenken Sie den Salat mit der Soße vorsichtig in einer Schüssel … Richten Sie ihn neben der Pastete an.“ Et voilà. Fertig ist unsere Vorspeise. Wir essen sie mit einer Mischung aus Weißwein und Cassis, eine in Frankreich beliebte Alternative zum Kir Royal, wie ich im Internet gelesen habe. Passt gut, der französische Aperitif, Musik von Beethoven und die Pastete vom Weidekalb mit den gerösteten Pistazien, dem Wildkräutersalat mit Rotweindressing und grünem Spargel.

Unsere Hauptspeise ist noch kalt, denn wenn man sein Täschchen abgeholt hat, hat man 24 Stunden Zeit, das Menü zu essen. Das ist ganz praktisch. Sonst hätte man eventuell ein auf den Punkt gegartes Essen, das zu Hause wieder kalt ist, oder dort zu lange im Backofen warmgehalten wird. Astrein macht es geschickt: Die Hauptspeise ist in drei Tüten verpackt, die in einem Topf mit heißem Wasser erwärmt werden. Danach haben wir Tafelspitz auf dem Teller, dazu ein Püree mit Kräutern und Spargel. Das Fleisch ist so zart, dass es auf der Zunge fast zerfällt. Der Spargel ist mir eine Spur zu knackig – vielleicht hätten wir ihn etwas länger erwärmen sollen. Das Püree ist würzig. Und weil von der Soße soviel übrig ist, haben wir sie eingefroren und werden sie demnächst zu einem Alltagsgericht servieren.

Menü aus dem Restaurant Astrein natürlich mit Dessert

Himbeertörtchen aus dem Restaurant Astrein
Himbeertörtchen aus dem Restaurant Astrein

Bleibt noch der Nachtisch, ein Himbeer-Cheesecake-Törtchen. Das hatten wir lustigerweise auch als Nachtisch im Ostermenü vom Restaurant Limbourg. Scheint derzeit als Take away angesagt zu sein. Interessanterweise schmeckten beide Kuchen komplett unterschiedlich, wobei es kein „besser“ oder „schlechter“ sondern nur „anders“ gibt. Im Törtchen vom Astrein war noch Rhabarber verarbeitet und es gab dazu Baiser mit tasmanischem Pfeffer. Wir waren uns nicht einig, ob das Baiser tatsächlich pfeffrig schmeckte. Oder eventuell nach Pfefferminz? Oder kam dieser Geschmack von unserem Dessert-Secco, der nach Pfefferminz schmeckte? Egal. Lecker war es so oder so. Übrigens lagen auch zwei Pralinen als Begleitung für den Kaffee nach dem Essen bei. Den Kaffee haben wir weggelassen. Die Praline war wunderbar.

Mein Fazit: Natürlich ist es viel schöner, wenn man im Restaurant sitzt und sich ein bisschen verwöhnen lassen kann. Ich mag es außerdem, wenn das Essen ein bisschen wie ein Kunstwerk angerichtet auf den Tisch kommt – das geht natürlich verloren, wenn ich das selbst mache. Aber ich bin äußerst positiv überrascht davon, wie gut Sterneküche zum Abholen funktioniert. Ich bin gespannt, ob Kunden diese Option auch nach Corona erhalten bleibt. Und freue mich davon abgesehen sehr darauf, hoffentlich bald im Astrein an einem Tisch zu sitzen und dort einen wunderbaren Abend zu verbringen.

Der Artikel vom April 2020 wurde im Dezember 2020 aktualisiert.

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