Sterneküche im Pottkind in der Südstadt in Köln

Ich erinnere mich noch genau an das erste Mal, als ich vom Restaurant Pottkind gehört habe. „Die machen im Prinzip Sterneküche. Aber sie sind eben viel günstiger als die Restaurants, die mit einem Stern ausgezeichnet wurden“. Nun ja – den Stern hat das Restaurant nur kurze Zeit später bekommen. Die Preise sind jetzt auf dem Niveau der anderen Sternerestaurants.

Was das Restaurant Pottkind aber von vielen anderen Fine dining Restaurants unterscheidet: Es gibt nur eine Carte Blanche, also ein Überraschungsmenü und keine Speisekarte. Das haben zwar viele andere Sternerestaurants auch. Aber oft gibt es dort noch zusätzlich Speisen à la carte. Das ist im Pottkind anders: Dort haben Gäste nur die Wahl, ob sie lieber vegetarisch oder mit Fleisch und Fisch essen möchten. Eine weitere Wahlmöglichkeit gibt es beim Wein: Mit oder ohne Weinbegleitung? Entsprechend gibt es auch nur zwei Preise: Den für Menü mit Weinbegleitung. Und den für das Menü ohne Wein.

Weinbegleitung im Pottkind: ja bitte!

Eigentlich wollte ich gar nicht so viele Weine trinken. Wir haben uns aber trotzdem für die Begleitung entschieden – und das war eine sehr gute Wahl. Denn die Weine, die es zum Essen gab, waren alle spannend. Und: Es waren alles Weine, die ich mir nicht bestellt hätte. Das würde ich also auf jeden Fall wieder so machen. 

Schwerer tue ich mich zugegebenermaßen mit dem Essen. Das war auf gar keinen Fall schlecht, im Gegenteil. Allerdings konnte ich mir überhaupt nicht merken, was auf dem Teller lag. Das erklärten die Servicekräfte zwar ausführlich, aber kaum hatte ich es gehört, war es auch schon wieder weg. Hier ein Schäumchen, da ein Sößchen, irgendwas mit gefülltem Mangold. Der hat erstaunlicherweise einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Und dann war da noch was mit Pilzen. Und vorneweg Knäckebrot zum Teilen. „Teilen“ finde ich ehrlich gesagt in Corona-Zeiten schwierig. Umso mehr, wenn ich nicht nur mit meinem Mann unterwegs bin, sondern auch mit Leuten an einem Tisch sitze, die ich gar nicht so gut kenne.

Was habe ich nur gegessen?

Vielleicht lag es auch an der Menge Wein, dass ich mich absolut nicht daran erinnern kann, was ich gegessen habe. Eigentlich finde ich das schade. Denn so habe ich das Gefühl, das Restaurant habe keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Vielleicht wäre es in Zeiten der großen Vergänglichkeit eine gute Idee, den Gästen im Nachgang eine Menüübersicht zukommen zu lassen. Quasi als Erinnerung. Eventuell auch nur auf Wunsch und per Mail, um kein Papier zu verschwenden.

Das Publikum im Pottkind

Was mir im Restaurant Pottkind noch aufgefallen ist: Die Gäste sind etwas jünger und sportlicher angezogen als in vielen anderen Sternerestaurants. In Köln wird zwar grundsätzlich um Sterneniveau nicht so viel Brimborium gemacht wie anderswo. Aber im Maibeck beispielsweise oder im Maximilian Lorenz waren zumindest bei meinen Besuchen deutlich ältere Gäste, die mehr Wert auf ihre Kleidung legten. Das mag zumindest im Restaurant Maximilian Lorenz damit zusammenhängen, dass das günstigste Menü dort gut 45 Euro mehr kostet als die Carte Blanche im Pottkind. Im Maibeck zahlt man für vier Gänge allerdings 30 Euro weniger als für die fünf Gänge im Pottkind. Aber das Restaurant Pottkind ist eben hip und neu und in der Südstadt. Entsprechendes Publikum zieht es an. Und: Es ist voll! Ohne Reservierung hätten wir keinen Platz bekommen.

Sehr guter Service

Ausgesprochen positiv habe ich übrigens den Service in Erinnerung behalten, sehr nett, sehr hilfsbereit. Und das, obwohl wir unsere Essenszeit telefonisch um fast eine Stunde nach hinten schieben mussten, weil der Dritte im Bund im Zug festsaß. Und er dann trotzdem noch gut 20 Minuten später kam. In anderen Restaurants gelten wesentlich härtere Regeln. Ich hatte eine ähnliche Situation einmal im Neobiota – und konnte von Seiten des Restaurants kaum ein Entgegenkommen erwarten. Trotzdem bin ich bei diesem Restaurant eine große Freundin des Sternefrühstücks.

Mein Fazit: Das Pottkind ist zweifelsohne ein gutes Restaurant. Es reiht sich ein in die in der Zwischenzeit sehr lange Liste der Sterne- und Fine dining Restaurants in Köln. Meine nächsten Besuche in guten Restaurants werden mich allerdings zu anderen Adressen führen. Denn es gibt aktuell noch eine Menge mehr in der Stadt neu zu entdecken.

Magst du, was du hier liest? Dann abonniere gerne den kostenlosen Newsletter. Falls du meine Arbeit noch mehr fördern möchtest, kannst du auch gegen eine geringe monatliche Gebühr Mitglied der Op Jück Community werden. Je nach Paket kannst du so mehrfach jährlich auf ein kleines Geschenk hoffen oder dich über eine individuelle Postkarte freuen. Mehr erfährst du hier.

Wer schreibt hier? Bettina Blass

Bettina Blaß ist Bloggerin, Buchautorin und Verbraucherjournalistin. Sie gibt Seminare und Workshops rund das Internet wie beispielsweise "Personal Branding" oder "Online publizieren". 2021 hat sie das Buch "Zu Fuß durch Köln" herausgebracht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld.

*

Ich stimme zu

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.