Essen im Sternerestaurant: Gut Lärchenhof bei Köln

Deko
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„Darf’s ein Gläschen Champagner sein? Oder gleich die ganze Flasche?“, fragt man die Gäste an unserem Nachbartisch: ein älteres Paar, sie sehr geschminkt und mit Gold behangen, mit einer jüngeren Frau und einem gleichaltrigen Mann. Ihr Gesicht sieht künstlich gestaltet aus, der Mann hat eine riesige, goldene Armbanduhr am Handgelenk und erzählt, wie er mit dem Rolls Royce durch die Gegend fuhr. Wir fragen uns nicht das erste Mal an diesem Abend, ob wir hier richtig sind: Schon bei der Ankunft auf Gut Lärchenhof in Pulheim hatten wir das Gefühl, dass man hier unter sich bleiben möchte: Ein großes Metalltor schirmt das Gebäude samt zugehörigem Golfplatz von der Welt ab. Gäste klingeln, dann öffnet sich das Tor wie von Zauberhand, und man parkt auf einem großen Parkplatz mit vielen Mercedes, Porsche und BMW.

Den Eingang ins Gebäude finden wir erst, nachdem wir einige Minuten über den Parkplatz geirrt sind, das Restaurant ist draußen nicht ausgeschildert, lediglich „Empfang“ steht auf einem Schild. Drinnen werden wir ins Restaurant geleitet, weißgedeckte Tische auf einem gelbgemusterten Teppichboden, durch die großen Fenster hat man einen herrlichen Blick in die Natur, die erfreulicherweise nur selten von Golfspielern gestört wird. Die Bedienung bringt uns die Speisekarte, rechts und links steht je ein Menü. Beide sprechen mich nicht an, denn ich bin eingestimmt auf das Spargelmenü, das im gemeinsamen Newsletter von Gut Lärchenhof und La Société in Köln verschickt wird. Das La Société, das wie Gut Lärchenhof einen Stern hat, ist eines meiner Lieblingsrestaurants. Und ich wollte immer einmal sehen, wie denn das Pulheimer Pendant ist. Leider, um das vorwegzunehmen, ziemlich enttäuschend, wie ich finde.

Man hat drei verschiedene Speisekarten

Denn als ich nun die Bedienung auf das Spargelmenü aus dem Newsletter anspreche, zieht sie die Augenbrauen hoch – ja, das gäbe es wohl, allerdings nur im Bistro. Ich antwortete, dass ich bei der Reservierung gesagt hatte, dass mir egal sei, ob ich im Restaurant oder Bistro sitze, dass ich aber auf jeden Fall das Spargelmenü essen wolle. Die Bedienung ging daraufhin etwas missmutig die Karte für das Spargelmenü holen und reichte es mir mit den schnippischen Worten, das sei jedoch ein sehr klassisches Menü.

Zwar füllt sich das Gut Lärchenhof im Laufe des Abends, zu meiner großen Erheiterung steht aber auf sehr vielen Tischen dieses klassische Spargelmenü. Wir hatten die Fünf-Gang-Variante mit Kalbsfilet, an vielen anderen Tischen werden nur vier oder sogar nur drei Gänge serviert, sehr oft mit Kalbsschnitzel, was vielleicht noch einen Hauch klassischer ist, als das Filet. Überraschend finde ich, dass unsere goldtragenden Tischnachbarn noch eine dritte Speisekarte gereicht bekommen, auf der eine deutlich größere Auswahl an Spargelgerichten zu stehen scheint. Was soll das?, fragen wir uns. Warum bekommen Gäste unterschiedliche Speisekarten angeboten? Und warum zuerst die mit den teuersten Menüs?

Essen gut, Service geht so

Auch beim Aperitif scheint es Unterschiede zu geben: Uns bietet man den Sekt mit Waldmeister, das Paar zu unserer anderen Seite bekommt Sekt mit Rhabarber angeboten. Dass wir keine ganze Flasche Wein trinken wollen, stößt ebenfalls auf Unwillen: Der Kellner entreißt mir sofort sein Buch mit 1000 Weinen, als er hört, dass wir nur gläserweise trinken wollen. Auf meine Antwort, bringt er uns einen Markus Schneider Wein, eine sehr gute Wahl, wie ich ihm bestätige.

Natürlich ist ein Spargelmenü mit Salat und Lachs, mit Süppchen, Fisch, Kalb und einem Spargelpanacotta für einen Sternekoch keine große Herausforderung. Und natürlich beschränkt sich die Kreativität, die man eigentlich von einer Sterneküche erwartet, dadurch von selbst. Trotzdem war das Essen gut und hatte mit 65 Euro auch durchaus ein angemessener Preis. In andere Restaurants hätte man für diesen Preis allerdings den Kaffee aus der Untertasse entfernt, bevor man diesen dem Gast serviert hätte.

Warum ich in Gut Lärchenhof nicht mehr essen würde

Obwohl das Essen gut war, würde ich trotzdem nicht mehr auf Gut Lärchenhof speisen, und ich denke, ich habe dafür gute Argumente:

  1. Gibt es in Köln genügend Sternerestaurants, so dass man sich die Fahrt nach Pulheim sparen kann.
  2. Sind die Kölner Sternerestaurants lockerer.
  3. Fühle ich mich in kaum einem Restaurant so wohl und willkommen wie im La Société – egal, was ich trage, egal, was ich bestelle, egal, wer ich bin. Leider kann ich das über Gut Lärchenhof nicht einmal mit bestem Willen sagen. Dort fühlte ich mich abgespeist. Übrigens fiel auch die Reaktion des Service-Personals auf 9,4 Prozent Trinkgeld etwas dürftig, um nicht zu sagen unhöflich aus: Ich erwarte sicherlich keinen Knicks, aber ein einfaches „Danke“ anstelle eines gönnerischen Lächelns wäre schon angebracht. In allen anderen Sternerestaurants, in denen ich bisher war, wurde man davon abgesehen zur Verabschiedung an die Tür gebracht und man reichte mir die Jacke. Doch im Gut Lärchenhof hören offensichtlich die guten Manieren des Personals nach Bezahlen der Rechnung auf.

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