Berlin: Warum die Karl-Marx-Allee einen Spaziergang wert ist

Berlin, Karl-Marx-Allee
Berlin, Karl-Marx-Allee

Es mag 20 Jahre her sein, dass ich während eines Praktikums mit einem Taxifahrer auf der Berliner Karl-Marx-Allee, irgendwo zwischen Alexanderplatz und Friedrichshain, ins Gespräch kam. „Hier wurden früher rauschende Feste gefeiert“, erinnerte er sich, hier, das ist auf den Dachterrassen der Häuser, die die breite Straße säumen. Zucherbäckerstil nannte man diese Architektur im Volksmund aufgrund der Ornamente, die die Häuser zu einer Mischung aus sozialistischem Realismus und klassizistischem Erbe machten.

Oben auf den Terrassen, so erzählte mir der Taxifahrer, dort habe es zu DDR-Zeiten russischen Kaviar aus großen Dosen gegeben, und der Krimsekt sei in Strömen geflossen. Zwar seien die Gebäude für Arbeitnehmer gebaut worden, aber trotzdem musste man sich mit der Partei gut gestellt haben, um hier eine Wohnung zu bekommen. Heute sind diese Zeiten lange vorbei, doch wegen der Architektur sind diese Häuser sehenswert. Wer über die Karl-Marx-Allee schlendert, lässt Geschichte wieder auferstehen. Vor vielen Häusern stehen übrigens Info-Tafeln mit Erklärungen dazu, was dort früher war – und wie es dort früher war.

Cafébesuch gehört auf der Karl-Marx-Allee dazu

Zufällig hörte ich außerdem im Deutschlandradio eine Podcastfolge zu genau dieser gut zwei Kilometer langen Straße. Dort erfuhr ich, dass es ein Café Sibylle gibt, in dem unter fünf Lagen die ursprüngliche Wandbemalung in schmutzigem Grün mit großen Blättern und Blüten freigelegt wurde. Im Hinterzimmer gibt es außerdem eine Ausstellung zur Geschichte der Straße. Dort liegt in einer Vitrine die Nase und ein Stück Bart von einer Stalin-Statue – und man erfährt auch, wie’s dazu kam. Außerdem erfährt man hier, dass die Miete für die Wohnungen in der Karl-Marx-Alle früher bei 95 DDR-Pfennig pro Quadratmeter lagen.

Nett ist außerdem das Café Kaffee und Tee einige Meter weiter, am Frankfurter Tor.

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