Kölner Gin bei After Work Partys im Dorint am Heumarkt

Harry’s New York Bar im Dorint am Heumarkt

„Wir haben doch viel mehr zu bieten, als Dom, Effzeh und Karneval“, sagt Ehsan Kasem, der im Dorint am Heumarkt Harry‘s New York Bar leitet. Darum hat man dort als Gast auch die volle Auswahl an Kölner Gin: Daisy Gin, DormaGin, Gin de Cologne oder Ginsanity – in und um Köln herum wird mit großer Freude destilliert. Insgesamt hat Harry‘s New York Bar 46 Gins zur Auswahl – und das aus der ganzen Welt. „Wir haben darum auch keine Karte mehr“, erklärt Ehsan. Stattdessen bekommen die Barbesucher ein Tablet in die Hand gedrückt, dort können sie sich viele Drinks zumindest schon einmal ansehen, bevor sie sie bestellen. Allerdings sollte sich niemand darauf verlassen, dass beim nächsten Besuch in der Hotelbar noch dieselben Longdrinks und Cocktails erhältlich sind, denn die Karte wechselt ungefähr jedes halbe Jahr. In Zukunft will man übrigens weg vom Mainstream, und an der angeblich längsten Theke der Stadt nur noch eigene Kreationen verkaufen. Dass man das richtig gut kann, hat Ehsan mit seinem Team erst vor kurzem bewiesen: Zum 60. Geburtstag der Dorint Hotels haben die Kölner Barkeeper mit ihrem Signature Drink den ersten Platz unter allen Dorint Häusern gemacht.

Ich habe bei einer Presseveranstaltung mit Tariq Dafi, einem Kollegen von Ehsan, einen Gin Gin Mule gemixt: 5 cl Gin mischen wir mit je 3 cl Zuckersirup und Limettensaft. Dann wird unser Shaker zu 3/4 mit Eiswürfeln gefüllt. Und dann kommt der schwierige Teil: Wir drücken einen anderen Becher in den ersten, so dass wir ein geschlossenes Gefäß haben. Das soll ich an beiden Enden festhalten und dann immer nach vorne schütteln, mal mehr nach oben, mal mehr nach unten. Klingt leichter als es ist, und Tarek verzweifelt ein wenig mit mir, habe ich das Gefühl. Wenn er den Shaker nutzt, sieht es spielerisch leicht aus. Schließlich, wenn der Metallbecher so kalt ist, dass man ihn kaum noch halten kann, wird die Flüssigkeit durch ein Sieb über die Eiswürfel im Glas gegossen. Dann schlage ich ein kleines Sträußchen Minze gegen meinen Unterarm, so dass der Geruch freigesetzt wird. Damit dekoriere ich meinen Gin Gin Mule.

Und was ist jetzt mit den Gins aus Köln und der Region?

Zusätzlich zum Mini-Cocktail-Kurs präsentierten zehn Hersteller aus der Region bei einer Mini-Gin-Messe ihre Spirituosen und anderen Getränke im Dorint am Heumarkt. Ich habe mich mit der Hälfte von ihnen ausführlicher unterhalten, und das sind ihre Geschichten:

Kölner Gin mit Gänseblümchen

Daisy Gin wird mit sieben Bio-Botanicals hergestellt und 17 Stunden lang gebrannt. Die vier wichtigsten Botanicals sind Muskatnussblüte, Orangenblüte, Gojibeeren und – Gänseblümchen. 14 Monate haben die Macher ihren Gin entwickelt. Nachhaltigkeit ist für sie ein ganz wichtiges Thema. Darum haben sie sich auch eine Brennerei ausgesucht, die mit einer Biogasanlage betrieben wird, in der eben die Bioabfälle verwertet werden, um Energie herzustellen. „Man vergisst leicht, dass 40 Liter Heizöl nötig sind, um 100 Liter Schnaps herzustellen“, sagt Arno Kunert. „Wir verbrauchen kein Heizöl. Und aus unseren alten Flaschen machen wir Gläser, die wir den Bars überlassen, die uns im Angebot haben.“

Tatsächlich ist es eher dem Zufall geschuldet, dass Daisy Gin heute in Bars ausgeschenkt wird. Denn Arno und sein Kollege Peter wollten eigentlich nichts anderes machen, als einen Gin für sich selbst herzustellen: „200 Flaschen, dachten wir. Damit hätten wir bis an unser Lebensende guten Gin.“ Doch dann schlug Daisy Gin bei den Freunden und Nachbarn so gut ein, dass nach kurzer Zeit nicht mehr viel übrig blieb. 2018 hat man dann etwa 3000 Flaschen hergestellt, vielleicht werden es 2020 sogar 10.000 Flaschen. Daisy Gin hat 44%. Man kann ihn pur trinken – dann bitte nicht zu kalt. Oder pur, aber mit Orangenzeste, um die Botanicals zu unterstützen. Dritte Möglichkeit: Mit Tonic aufgießen. Arno empfiehlt das Fever Tree Indian Tonic, Schweppes Dry oder Aqua Monaco. Entwickelt wurde der Daisy Gin übrigens in Köln-Niehl, gebrannt wird er in der Bio-Brennerei Ehringhausen.

Diamant Vogue Energiedrinks aus Niederkassel: Wenn ich eines nicht mag, dann sind das Energy Drinks. Damit kann man mich echt nicht vom Stuhl reißen. Bei der Veranstaltung im Dorint sehe ich aber Dosen in schwarz, rosa und grün, auf denen ein Name steht, den ich mit einem internationalen Modemagazin assoziiere. Das liegt auch daran, das sich die beiden Schriftzüge sehr, sehr ähnlich sehen. „Sie sind aber nicht identisch“, sagt Andreas Hopp, Geschäftsführer von Beverage City. Schließlich fehlten an seinem Markennamen die Serifen, also die kleinen Häkchen an jedem einzelnen Buchstaben. Und außerdem werde dem Modemagazinnamen ein Wort voraus gesetzt: Diamant Vogue heißt seine Marke nämlich. Inhalt: Energy Drinks, also richtig mit Koffein und Taurin – aber zumindest in rosa und grün nicht mit dem Geschmack flüssiger Gummibärchen. Vielmehr schmeckt eine Dose nach Minze und Limetten, eine nach Waldbeere. Und beide lassen sich eisgekühlt prima nicht nur mit Kölner Gin trinken – man darf nur nicht zuviel untermischen. Andreas und seine Frau haben noch eine Menge mehr vor: So soll es bald eine Sorte Colore geben mit Wassermelone, um jüngere Kunden anzusprechen. Auch Ice Coffee in verschiedenen Geschmacksrichtungen ist geplant, Wodka und Prosecco. Die Dosen, in denen die Diamont Vogue Energy Drinks verkauft werden, sind laut Angaben des Herstellers aus Aluminium, das zu 99,9% recyclebar ist.

Gin aus dem Herzen von Köln

Malte Böttges und Dennis Busch kennen sich schon ewig. Zu ihnen gehören zwei weitere gute Freunde, Marc Schmidt und Stefan Peters. Und weil sie in der Lindenstraße 4 in Köln sitzen, heißt ihr Gin eben Linden No. 4. Im Gin sind Kamille, Rose und Johannisbeere als Botanicals enthalten.  Er hat den Women‘s Wine and Spirit Award aus London gewonnen, und ein Grund dafür könnte sein, dass er so deutlich nach Blumen schmeckt. Die Macher servieren ihn am liebsten mit Thomas Henry Tonic, ohne Zitrone, ohne Limetten, Gurke oder Rosmarin. Ihr neuestes Produkt ist übrigens ein Schlehen Gin, ein Sloe Gin, Rubine Red. Bei dieser Spirituose wird nach dem ersten Frost dem Gin noch Schlehe zugesetzt. Rubine Red hat 30 Prozent, schmeckt kaum nach Alkohol. Dementsprechend ist er ausgesprochen süffig.

Kölner Gin mit irre-weiblicher Note

„Michael brachte vom Flughafen immer Gin mit“, erzählt Dagmar Frangenberg. „Und pur schmeckte der nie, man musste ihn immer mit Tonic trinken.“ So kamen sie auf die Idee, einen Gin zu entwickeln, der schmeckt, also auch pur, nicht nur gemischt. Dagmar und ihr Mann machen ihre Gins selbst und zwar in Braunsfeld. Dort soll in der Widdersdorfer Straße im November auch ein eigener Laden eröffnen, in dem das Paar Tastings anbieten wird. Allerdings werden sie nicht jeden Tag geöffnet haben. Ginsanity ist mir übrigens das erste Mal begegnet, als ich einen Gin-Pralinen Kurs mit Timo gemacht habe.

Jeden ersten Mittwoch im Monat findet in Harry’s New York Bar eine After Work Party statt. An jedem Termin wird der Macher eines Gins aus Köln oder der Region vor Ort sein. Am 6. November ist das DormaGin, am 4. Dezember wird es Daisy Gin sein, im Januar folgt Linden Gin. Gin de Cologne ist im März da.

Weihnachtsgin mit Granatapfel und Zimt

Weil das Gin-Business zu männerlastig ist, war von Anfang an klar, dass eine Frau aufs Flaschenetikett gehört, und zwar eine, der man eben alles zutraut. Darum sieht sie auch etwas wahnsinnig aus und hält ein brennendes Feuerzeug in der Hand. „Je unbekannter der Gin, desto wichtiger die Flasche“, sagt Dagmar. Heute ist Ginsanity längst ein Name – auch außerhalb Kölns. Was aber vielleicht nicht alle wissen: Es ist bei Michael und Dagmar nicht bei der einen Sorte geblieben. Noch ziemlich neu ist der Wintergin, der mit heißem Apfelsaft getrunken wird, und der nach Zimt und Granatapfel schmeckt. Kurios, wie so oft: Im Süden des Landes reiße man ihr diesen Gin aus den Händen, sagt Dagmar. In Köln interessiert sich kaum jemand dafür, was ein Unternehmen aus der eigenen Stadt an Innovationen auf den Markt bringt. Neben dem Wintergin gibt es übrigens auch einen mit Himbeere, einen mit Schlehe und einen mit Holunder. Übrigens: In Ginsanity sind je Flasche im Prinzip 20 handgeschnittene Limetten enthalten – das Fruchtfleisch, wohlgemerkt, nicht die Schale. Außerdem Pfeffer, Chili, Ingwer und ungemahlene Koriandersamen. Sind sie gemahlen, so Dagmar, werden ätherische Öle freigesetzt, und der Gin wird trüb. Erfahrung macht eben klug – auch bei der Ginherstellung.

Fast aus Köln: DormaGin

Anne und Christian Schillings, Daniel und Nadine Reuter waren im Urlaub, und zwar auf einer Kreuzfahrt. Dort gab es einen Gin-Workshop – und nun ja, warum sollte man das nicht einmal ausprobieren? Das Ergebnis: Drei Gins, die nicht wirklich schmeckten. Und einer, der so gut war, dass der Barkeeper empfahl, dranzubleiben. Das Geheimnis dieses Gins war ein Hauch Earl Grey. Und das weiterentwickelte Projekt ist heute DormaGin. Auch Bergamotte ist drin im DormaGin, und Ingwer macht ihn scharf. Christian empfiehlt ihn pur auf Eis zu trinken, gerne mit Zitronenzeste oder Rosmarinzweig. Wichtig seien große Eiswürfel, um den DormaGin nicht zu schnell zu verwässern. Gebrannt wird der Gin übrigens in der Braustelle in Köln-Ehrenfeld. Und: Er hat in der Zwischenzeit Zuwachs bekommen: Auch einen Schlehen-Gin mit 26,3% stellen die Macher her. Und einen Eierlikör mit Gin. Sein Name: SiebenhundertDRYzehn, und zwar mit Eiern von glücklichen Hühnern. Dass DormaGin 41,5% hat, ist übrigens kein Zufall. Sondern eine Hommage an die Stadt, deren Postleitzahl mit 415 beginnt.

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