Hongkongs Inseln: Lamma Island

Lamma island
Lamma island

Wenn es um Hongkongs Inseln geht, ist in den Reiseführern und Apps viel die Rede von Ruhe und Natur. Zumindest auf Lamma Island haben wir diese auch gefunden. Allerdings erst, nachdem wir einige Kilometer vom Ort Yung Shue Wan entfernt sind. Dort legt die Fähre aus Hongkong nach knapp einer halben Stunde nämlich an – und das erste, was man sieht, sind drei gigantische Schornsteine gegenüber vom Hafen, halb versteckt hinter Bäumen und Büschen. Auch die Hauptstraße des Ortes hat schon bessere Zeiten gesehen: Die Häuser sehen abgewohnt aus. Einige bräuchten einen neuen Putz oder Anstrich. Davon abgesehen könnte die Straße auch auf Ibiza oder Teneriffa sein: Café an Restaurant an Ökosupermarkt an Wäscherei an Käseladen.

Lamma Island ist autofrei, doch es gibt einen Krankenwagen im Miniaturformat, der durch die Gassen passt. Und weil am Pier gebaut wird, düsen Minitraktoren mit Beton in der Ladewanne durch die Hauptstraße hin und her. Ab und zu klingelt ein Fahrradfahrer, der vorbei will. Ein älterer Mann aus dem Westen mit einem Bart bis zur Brust und grauen Haaren, die in gleicher Länge über seinen Rücken fallen, liest Zeitung. Überhaupt sieht man hier viele westliche Gesichter.

Bei 32 Grad führt uns ein zementierter Weg bergauf und bergab bis zum Fischerdorf Sok Kwu Wan. Manchmal liegt er im Schatten der vom Wind geformten Bäume, Gräser und Büsche sind übermannshoch. Der Schatten tut gut, gleichzeitig werfe ich ständig einen besorgten Blick nach oben: Auf nur wenigen Metern hatte ich drei Spinnen in ihren Netzen gesehen. Die Tiere waren mit Beinen deutlich größer als ein Handteller. Keine schöne Vorstellung, dass solch eine Spinne aus dem kühlenden Blätterdach auf mich herabfallen könnte. Auch die Wespen haben hier andere Dimensionen als in Deutschland: Ich sehe mehrere, die etwa sechs Zentimeter groß sind und wie Kleinst-Hubschrauber ihre Landeplätze in Baumstämmen anfliegen.

Auf dem Wanderweg sollte man nicht zurück blicken. Sonst sieht man die Fabrik, die zu den drei Schornsteinen gehört, in voller Größe. Kein idyllischer Anblick, eher bizarr, wie sie nur ein kurzes Stück entfernt vom Strand mit weißem Sand am Ufer liegt. Wer nach vorne blickt, sieht dagegen violette Blüten, schwarze Schmetterlinge, blauen Himmel und steile, grün-bewachsene Berge. Durch diese Landschaft führt der Weg eine gute Stunde. Dann wird man wieder von der Realität eingeholt: Im Fischerdorf liegt ein Restaurant neben dem anderen. Alle verkaufen Gerichte mit frischem Fisch, vor jedem steht ein Mitarbeiter und preist seine als die besten an. Wer durch diese Fressgasse hindurch ist, kann im windigen Schatten verschnaufen und die schweißnassen Hosen und das Shirt am klebrigen Körper trockenen lassen, bis eine Fähre zurück ins Zentrum Hongkongs fährt. Eine echte Wohltat!

Ein Kommentar auch kommentieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld.

*

Ich stimme zu