Essen an der Cote d’Azur

„Essen wie Gott in Frankreich“ – so abgedroschen das klingen mag: Es ist so ziemlich das erste, was mir einfällt, wenn ich an die Leckereien denke, die man im Nachbarland so bekommt. Wer zum Beispiel ins Elsass fährt, fühlt sich dort im noch so einfachsten Restaurant wie auf einem Gourmettrip. An der Cote d’Azur ist das Essen ganz anders als an der Grenze zu Deutschland – aber nicht minder lecker.

La Cuisine Nissarde an der Cote d’Azur

In Nizza zum Beispiel wäre es völlig unmöglich zu verhungern, weil es dort soviele Cafés, Bistros und Restaurants gibt. Wer Hunger hat, findet dort viele Italiener, einige Asiaten oder Latino-Restaurants. Ich bevorzuge im Urlaub regionale Küche und finde darum das Label Cuisine Nissarde gut, ein Qualitätssiegel für authentische, traditionelle Küche. Viele der Restaurants mit dieser Auszeichnung sind in der Nähe der Altstadt. Unser Hotel lag davon ein Stück entfernt, aber immerhin drei Restaurants kamen für einen Besuch in Frage. So richtig Glück hatten wir jedoch erstmal nicht: Das erste Restaurant war sehr klein und am Samstagabend voll, als wir unser Glück versuchten. Das zweite hatte am Wochenende erst gar nicht auf. Im dritten, dem La Chaise Bleue Gourmande, bekamen wir für 33 Euro pro Person ein Menü mit Traditionsessen: Als Gruß aus der Küche gab es ein pochiertes Ei in Safransoße mit Brot. Dann hatten wir eine Vorspeise, die Pissaladière. Das ist ein dickerer Fladen mit Sardellen und Oliven, würzig, aber schon ziemlich sättigend. Hauptspeise war eine Polenta mit geschmortem Rindfleisch, und zum Nachtisch gab es eine Zitronencrème mit Baisser. 

An der Cote d’Azur isst man süße Mangoldtorte – WTF?

Das Label Cuisine Nissarde wird übrigens jährlich von einer Jury aus zehn Mitgliedern vergeben. Sie zeichnen nur die Restaurants aus, die mindestens fünf traditionelle Gerichte auf der Karte haben. Gut muss das Essen natürlich auch sein. Ahhhh – wie gerne würde ich diese Jury einmal bei ihren Streifzügen durch die Gastroszene in Nizza begleiten. Das ist bestimmt super-spannend. Für die Auszeichnung kommen übrigens gehobene Restaurants wie La Chaise Bleue genau so in Betracht, wie ganz kleine Lokale, die nur wenige Tische haben und eher einem Imbiss gleichen. Beispielsweise im A Buteghinn’a gibt es einen Teller mit einer Art Nizza-Tapas: Kichererbsensalat, Pistou-Suppe mit viel frischem Basilikum, Mangoldtarte und -Pastete und Ratatouille, die mit Zitronenthymian gewürzt einen ganz ungewöhnlichen Geschmack hat. Außerdem bieten die drei Freundinnen, die gemeinsam das Restaurant führen, einen Nachtisch an, der mich zunächst skeptisch macht: Mangoldkuchen. Er ist süß, mit Rosinen, Apfelstücken und Pinienkernen – und unfassbarerweise tatsächlich sehr lecker. Zu diesem Tapas-Teller hatte uns die Tourismusbehörde von Nizza eingeladen.

Mit der Plat du jour an der Cote d’Azur sparen

Plat du jour an der Cote d’Azur

Mittags gibt es an der Promenade des Anglais und in der Altstadt von Nizza viele Restaurants, die ein Tagesgericht oder ein kleines Menü für 12 bis 25 Euro anbieten. Das heißt dann „Plat du jour“ oder „Formule dejeuner“. Wir hatten beispielsweise einmal Lachs vom Grill mit einer großen Schüssel Fritten und grünem Salat. Dieses Angebot gibt es übrigens auch in Cannes und anderen Städten.

Leckere Kleinigkeiten in Nizza

  • Im Café Frei gibt es Kaffeevarianten, und zwar mehr, als ich bisher jemals an einem Ort gesehen habe. „Äthiopien“ beispielsweise ist mit Ingwer und Karamell und einer dicken Sahnehaube, es gibt auch bayrischen oder skandinavischen Kaffee, Kaffee mit Karamell und Minzgeschmack oder Eiskaffee. 
  • Natürlich gehört auch der Salade Nicoise zu den Dingen, die man in Nizza gegessen haben muss, und die es in vielen Restaurants gibt. 
  • Galette, die würzigen Crêpes, kommen zwar nicht von der Cote d’Azur, aber lecker sind sie allemal, und man bekommt sie beispielsweise im Le Trimaran serviert. 
  • Außerdem gibt es an vielen Stellen in der Altstadt Kichererbsenfladen, die recht knusprig serviert werden, Socca genannt. 
  • Und das Pan Beignet, ein rundes Brötchen mit Gemüse und Thunfisch, gibt es auch in vielen Restaurants. 
  • Im Tribeca bekommt man eine Gourmetplatte mit Wurst, Käse und Foie Gras, die man sich gut teilen kann. Außerdem ist die Auswahl an Weinen groß. 
  • Am Chagall Museum ist ein Bistro mit Tischen draußen: Achtung, das Sandwich ist riesig – eine Stange Baguette mit Wurst und Käse macht den ganzen Tag sagt.

Der teuerste Café an der Cote d’Azur: Monte Carlo

Kaffee mit Blick aufs Casino

Gegen die Preise im Emirates Palace in Abu Dhabi oder im Burj Al Arab ist der Kaffee im Café de Paris in Monte Carlo natürlich günstig. Trotzdem lässt man sich dort das Heißgetränk ganz gut bezahlen. Um einen Platz auf der Terrasse mit Blick aufs Casino zu bekommen, muss man durch eine Sicherheitskontrolle. Dafür sitzt man dann unter Reichen und Schönen, und solchen, die denken dazuzugehören, und trinkt seinen Kaffee mit Blick auf Ferrari, Porsche und Lamborghini.

Restaurants in Cannes – am Strand der Cote d’Azur

In Cannes war ich nur einen Tag – darum habe ich dort auch nur einmal gegessen. Was aber wirklich entzückend ist, sind die Restaurants direkt am Meer. Da kann man ganzjährig sitzen und hat den Blick aufs azurblaue Wasser. In der Übergangszeit kann es in den Vorbauten allerdings ganz schön warm werden. Wir waren von der Tourismusbehörde ins Riviera Beach eingeladen. Dort gab es grünen Spargel, Fisch auf einer Trüffelpolenta und eine Dessertvariation. Der Aperitif wird mit Kirschbier aus der Region gemacht. 

Gelernt: Ravioli und Pasta sind typisch für die Cote d’Azur

Grasse liegt weiter im Landesinneren und nicht an der Küste. Dort essen wir in einem Restaurant, das trotz der umliegenden Berge Mare Nostrum heißt. Das bedeutet wörtlich “unser Meer”, steht aber für “Mittelmeer”. Zuerst bin ich etwas vom Angebot enttäuscht, denn es gibt Ravioli. Die habe ich bisher im Wesentlichen in Italien verortet. Aber dann klärt man mich auf: Die italienische Küche ist auch an der französischen Côte d‘Azur heimisch. Denn die Grenze zwischen Frankreich und Italien war nicht immer da, wo sie heute ist. Darum kann man beispielsweise auch in der Altstadt von Nizza frische Pasta kaufen – und die Nicoiser stehen Schlange dafür. Außerdem reihen sich in einigen Straßen Pizza- und Pastarestaurants aneinander. Und auch sie sind immer voll.

Köstlichkeiten der Cote d’Azur

Das Mare Nostrum hat seinen Namen übrigens von den Gerichten, die es anbietet: Sie kommen aus dem Mittelmeerraum. Und, wie sich das für ein gutes französisches Restaurant gehört, bietet es selbstgemachte Foie Gras an. Natürlich kann man jetzt sagen, dass man die Stopfleber nicht isst, weil einem die Tiere leid tun, die eben dafür gestopft werden. Aber Foie Gras ist ein französisches Kulturgut. Sie nicht zu essen, wäre eine Affront gegenüber den Gastgebern, die sich so sehr dafür begeistern. Und – leider – ist sie auch tatsächlich ausgesprochen schmackhaft. Immerhin beim Dessert gibt es keine Ambivalenz: Es kommt vom befreundeten Konfiseur Jerome Ravel aus der Nähe von Grasse – und es hat so viele Kalorien, dass man sie schon auf der Hüfte spürt, während man den Teller nur ansieht. In Grasse muss man außerdem ganz unbedingt eine Fougasette essen, das ist ein leichter Teigfladen, der ganz zart nach Orangenblüten schmeckt. Uns Kölner erinnert das natürlich sofort an 4711. Ich fand es köstlich. Die Tourismusbehörde der Stadt hatte uns in Grasse zum Essen eingeladen.

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