Eine Woche in Abu Dhabi

Blick aus dem Louvre
Blick aus dem Louvre

Zugegeben: Abu Dhabi ist nicht einer meiner Lieblingsorte. Die Stadt ist sehr weitläufig, aber es gibt kaum ÖPNV. Man ist also meistens auf Taxis angewiesen. Zu Fuß kann man natürlich auch gehen – aber das ist bei gefühlten Temperaturen von 50 Grad Celsius nicht die beste Idee. Davon abgesehen kommt das Überqueren einer Kreuzung eher einem Ausflug gleich: Die Ampeln sind für Fußgänger nicht optimal geschaltet. So wie überhaupt die gesamte Stadt nicht darauf ausgelegt ist, dass Menschen auch nur auf die Idee kommen könnten, zu Fuß zu gehen. Immerhin gibt es Leihfahrräder. Auf der Hauptinsel mag man damit ganz gut zurechtkommen. Auf Saadiyat Island, wo unser Hotel war, sind sie eher sinnlos: Bis ins Stadtzentrum ist es zu weit. Auf der Insel selbst gibt es außer vielleicht dem Louvre noch keine Ziele, die man mit den Rädern erreichen möchte.

Trotzdem kann man in Abu Dhabi in einer Woche viel Tolles erleben:

Was mir in Abu Dhabi gut gefallen hat

  1. Der Louvre. Das Gebäude an sich ist eine Wucht. Speziell im Atrium. Dort steht man direkt unter dem Dach steht, das Licht einfallen lässt, das auf dem Boden eine Struktur malt. Hinzu kommen das viele Wasser rundum und die kühlen, weißen Wände. Innen gibt es viele Kunststücke, die eng mit der westeuropäischen Kulturgeschichte verbunden sind. Ich habe bisher nie darüber nachgedacht: Aber nackte griechische und römische Statuen, die für uns so normal sind, können in anderen Kulturkreisen befremdlich wirken. Ich habe mich auch gefragt, was in Deutschland passieren würde, wenn dort jemand plötzlich ein Museum mit islamischer Kunst eröffnen wollte – gerade in der momentanen politischen Situation. Ganz davon abgesehen habe ich mich gefreut, die Statue von Ramses II zu sehen und das Selbstbildnis von Van Gogh. Allerdings sind mir bei meinem Rundgang die Räume fünf bis neun abhandengekommen: Ich habe sie einfach nicht gefunden, und war etwas überrascht, so plötzlich von traditioneller Kunst kommend zu ganz modernen Werken zu gelangen.
  2. Ethiad Tower. Aus dem 73. Stock hat man einen wirklich tollen Blick über die Stadt. Vor allem der Präsidentenpalast und das Hotel Emirates Palace sehen von oben klasse aus. Faszinierend finde ich auch den Blick auf die Inseln, die bisher nur Wüste sind, aber noch erschlossen werden. Hier sieht man sehr gut, wie Abu Dhabi früher ausgesehen haben muss. Mit dem Big Bus Ticket bekommt man übrigens eine Vergünstigung.
  3. Emirates Palace. Das Hotel ist eigentlich tatsächlich als Palast konzipiert gewesen. Aber ein Todesfall des federführenden Scheichs führte dazu, dass es anderweitig genutzt werden musste. Heute ist es Teil der Kempinski-Kette. Wir waren dort ohne Reservierung zum Traditional Afternoon Tea – der uns so satt gemacht hat, dass wir das Abendessen ausfallen ließen. Ihn gibt es ab etwa 90 Euro für zwei Personen. Besonders schön: Live-Musik während unseres Aufenthalts und eine wirklich entspannte Atmosphäre.
  4. Große Moschee. Die Shaik Zayed Grand Mosque liegt etwas außerhalb, aber die Anfahrt lohnt sich: In den weißen Marmorboden und die Säulen sind Blumenmotive aus Edelsteinen eingelassen. Der Teppich im Gebetsraum ist der größte der Welt, der Kristallleuchter aus deutscher Produktion. Frauen müssen eine Abaya überziehen und natürlich die Haare verhüllen. Die Abaya bekommt man kostenlos am Eingang geliehen. Von dort wurden wir mit kleinen Wägelchen zum Eingang gefahren.
  5. Yas Marina Circuit: Auf der Internetseite der Formel 1 Rennstrecke sind die geführten Touren gut versteckt. Ich habe sie nur gefunden, indem ich in der Suche nach „Tour“ gesucht habe. Tatsächlich finden sie aber zweimal täglich statt, kosten etwa 40 Euro pro Person und dauernd gut eindreiviertel Stunden. Wir waren auf den Tribünen und sind mit dem Besucherbus ein Stück über die Rennstrecke gefahren. Außerdem haben wir die Räume der Rennleitung gesehen. Mutige können auch als Bei- oder Selbstfahrer hier ihren Idolen nacheifern. Das ist je nach Auto zu sehr unterschiedlichen Preisen möglich.
  6. Tagesausflug nach Al Ain: Mit dem Big Bus einen ganzen Tag in eine andere Stadt fahren. Bei über 40 Grad irgendwie ermüdend, insbesondere, weil die Sehenswürdigkeiten vielversprechender klingen, als sie sind. Trotzdem spannend, weil man so eine weitere Facette der Vereinten Arabischen Emirate kennenlernt.

Was ich in Abu Dhabi kein zweites Mal machen würde

Im Lonely Planet von 2017 werden der VAE-Pavillon von der Expo 2010 und das Manarat Al Saadiayt als Sehenswürdigkeiten genannt. Ersterer ist im September 2018 ziemlich verfallen, im Kulturzentrum gibt es nicht besonders viel zu sehen. Die im Reiseführer erwähnte Multimediashow gibt es schon seit 2016 nicht mehr.

Das Heritage Village in Breakwater ist nicht im besten Zustand. Bei unserem Besuch gab es nur wenig Handwerker, die zeigten, was sie können. Wir wurden lediglich von einem Herrn angesprochen, der Tonwaren herstellt, und uns erklärt, wie die arabische Version der Duftbäumchen fürs Auto aussieht: Das sind kleine Tonkrüge an einer Schnur in den Farben der Vereinten Arabischen Emirate. Sie werden mit Duftöl gefüllt, das in den Ton einzieht, und dann den Geruch sehr lange hält. Nur ab und zu muss man einige Tropfen neu auftragen. Außerdem bat uns der Hersteller der berühmten Kaffeekannen mit dem weit ausladenden Einschenker, einen Blick in seinen Raum zu werfen.

Der Festung Qasr Al Hosn wird renoviert. Das bedeutet im September 2018: Er versteckt sich hinter einem hohen Bauzaun. Auch der Big Bus Halt dort entfällt. Und schließlich könnte ich auf die Yacht Cruise von Big Bus vor Marina Island verzichten. Zwar ist es auf dem Boot angenehm windig und schattig, aber um ehrlich zu sein: Man sieht nicht besonders viel. Als wir dort unterwegs waren, konnte man an Bord kein Wasser kaufen, was bei Temperaturen von um die 40 Grad wirklich unangenehm ist.

So bewegt Ihr Euch in Abu Dhabi

Es fahren Busse, allerdings eher selten, wenn man etwas außerhalb ist. Außerdem benötigt man dafür eine Buskarte. Bis zum Ende unserer Reise haben wir nicht herausgefunden, wo man sie kaufen kann. Sie hätten uns aber auch nicht viel gebracht: Von der nächstgelegenen Bushaltestelle zu unserem Hotel wäre einmal pro Stunde ein Bus gefahren – zu Zielen, die für uns nicht relevant waren. Zweite Möglichkeit: Es gibt Leifahrräder, die an einigen Stellen etwas verstaubt am Straßenrand stehen, aber grundsätzlich über die App Cyacle geliehen werden können. Dabei ist eine Gebühr für einen oder drei Tage normal, eine Abrechnung nach Stunden gibt es nicht.

An allen wichtigen Punkten der Stadt gibt es ausreichend Taxis. Ist man aber an einem etwas abseitigen Platz, hat man ziemlich verloren: Zwar gibt es eine Abu Dhabi Taxi App, um ein Taxi zu rufen – sie funktioniert aber nicht mit deutschen Handynummern. Grundsätzlich kostet eine Taxifahrt über etwa fünf Kilometer rund vier Euro. Trinkgeld ist nicht üblich, wird aber trotzdem von einigen Taxifahrern erwartet.

Gute Erfahrungen habe ich sowohl in Dubai als auch in Abu Dhabi mit dem Big Bus gemacht. Allerdings ist sein Angebot in Abu Dhabi im September 2018 nicht perfekt. Entgegen der Informationen im Internet fährt der Bus auf der roten Strecke nur einmal die Stunde, auf der grünen sogar nur alle zwei Stunden. Die Dhow-Fahrt gibt es nicht mehr, und die Suche nach den Haltestellen ist ein bisschen ein Glücksspiel, weil sie nicht besonders gekennzeichnet sind. Die App ist dabei hilfreich. Dafür gilt das Drei-Tages-Ticket fünf Tage, so dass man recht einfach wirklich alles sehen und sogar noch einen Tagesausflug nach Al Ain machen kann. Wir haben Big Bus mit kurzen Spaziergängen und längeren Taxifahrten kombiniert.

Auf Yas Island fahren außerdem kostenfreie Shuttlebusse, beispielsweise der Express-Bus auf der roten Linie. Vom Namen sollte man sich nicht täuschen lassen: Er ist von Yas Central, also dem Zugang zur Rennstrecke, bis zur Marina, wo die Yachtfahrt des Big Bus abgeht, gut 30 Minuten unterwegs.

Meine Tipps für Abu Dhabi

Wenn Ihr ein Hotel sucht, achtet auf die Lage. Falls Ihr viel in der Stadt machen wollt, solltet Ihr eines dort suchen. Mögt Ihr lieber am Strand liegen? Dann ist die Insel Saadiyat eine gute Alternative. Für uns war das Park Hyatt mit seinen großen Zimmern, den tollen Pools und dem Strandzugang sowie einem sehr abwechslungsreichen Frühstück einfach ein bisschen zu weit außerhalb. Wir sind darum ziemlich oft Taxi gefahren, um an die Einstiegspunkte für den Big Bus zu kommen.

Saadiyat
Saadiyat

Auf der Insel Saadiyat gibt es auch keine Infrastruktur. Heißt: Abends mal in ein Restaurant gehen, geht kaum. Man ist schon ziemlich gebunden an das, was die Hotels dort selbst anbieten. Allerdings ist das Essen zumindest in den Park Hyatt Restaurants sehr gut und vielfältig. Wir haben darum meistens am späten Nachmittag in der Stadt gegessen.

Tipp: Ihr findet kein Restaurant? In den Malls gibt es eine ganze Menge – und viele sind gut.

Falls Ihr ein Big Bus-Ticket online kauft: Steigt am besten an der Marina Mall ein. Dort ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass Ihr auf Personal trefft. Hier bekommt Ihr dann Euer richtiges Ticket und könnt Euch für die Fahrt nach Al Ain anmelden.

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