Städtetrip Nizza oder lieber Cannes?

Es sind zwei echte französische Perlen, die da an der Cote d’Azur liegen: Nizza und Cannes sind nur etwa 30 Kilometer von einander entfernt. Beide haben eine Promenade am Meer, in Cannes heißt sie Corniche. Doch der Name spielt keine Rolle: Denn in beiden Städten blickt man auf das berühmte azurblaue Wasser, das der Küste ihren Namen gab. 

Wo die Reichen und Schönen Urlaub machen: Cote d‘Azur

Cannes ist bekannt durch die Filmindustrie und die vielen Festivals – Nizza mindestens durch den Film „Über den Dächern von Nizza“ mit Carry Grant. Beide Städte haben, wie die gesamte Cote d’Azur, den Ruf des Exklusiven: Birgitte Bardot, die Stones, Angelina Jolie – seit Jahrzehnten zieht es immer wieder Stars in diese Region. Und wo sie Urlaub machen oder für einige Zeit leben, da ist es teuer, ist die landläufige Meinung.

ÖPNV in Cannes und Nizza ist günstig

Dabei wird gerne übersehen, dass sowohl in Nizza als auch in Cannes Menschen leben, die sich keine der Yachten im Hafen leisten, und die nicht in den Boutiquen der Nobelmarken einkaufen können. Nutzt man deren Infrastruktur, wird die Cote d’Azur plötzlich für jedermann erschwinglich: Mit den Bussen fährt man beispielsweise für 1,50 Euro von Nizza nach Monte Carlo oder Grasse. Sensationell, wenn man bedenkt, dass in Köln die Kurzstrecke teurer ist. Auch der Zug ist nicht teuer. Rund 7 Euro kostet die Fahrt von Cannes nach Nizza. Da die Bahnhöfe in beiden Städten zentral liegen, kann man sie anschließend zu Fuß erkunden.

Urlaub in Cannes oder Nizza muss nicht teuer sein

Wer von Köln oder anderen deutschen Flughäfen in den Süden reist, wird in Nizza ankommen. Von dort fahren ebenfalls öffentliche Expressbusse in beide Städte. Dieses Ticket ist im Vergleich zum eigentlichen ÖPNV etwas teurer. Dafür ist es deutlich günstiger, als wenn man ein Taxi nehmen würde. Die Tickets gibt es direkt außerhalb des Flughafengebäudes, man muss nur den Buszeichen auf den Schildern folgen. Übernachten muss ebenfalls nicht teuer sein: „Außerhalb der Festivals und Konferenzen gibt es in Cannes schöne Hotelzimmer für unter 70 Euro“, rät die Pressestelle von Cannes. Und Christine Cazon, Buchautorin aus Deutschland, die schon viele Jahre in Frankreich lebt, rät dazu, mittags die Plat du jour zu essen. Dieses Mittagsgericht gibt es in vielen Ländern. Und es hat den Vorteil, immer gut und günstig zu sein. Davon abgesehen isst man an der Cote d’Azur gerne leicht und auf die Hand: Kichererbsenfladen, Socca genannt, beispielsweise oder belegte Brötchen mit Gemüse und Thunfisch kosten auch nicht mehr als in Deutschland.

Nizza oder Cannes? 

Allerdings muss man irgendwann die Entscheidung treffen, ob man lieber in Nizza oder Cannes unterkommt:

Das spricht für Nizza

  • Näher am Flughafen
  • Mit dem Bus in etwa einer Stunde in Monte Carlo
  • Altstadt mit sehr vielen Restaurants
  • Museen mit der großen Kunst von Chagall und Matisse
  • Sehr gute Einkaufsmöglichkeiten auch der großen, bekannten Marken
  • Strände in der Stadt

Das spricht für Cannes

  • Insgesamt etwas ruhiger außerhalb der Festivalzeit
  • Sehr schöne Altstadt mit vielen Restaurants
  • Restaurants direkt am Strand
  • Kurze Anreise nach Grasse
  • Zwei Inselchen vor der Küste, auf denen man wunderbar abschalten kann
  • Strände in der Stadt
  • Sehr schöner täglicher Markt – außer montags

Mit Einheimischen Nizza und Cannes entdecken

Sowohl in Nizza als auch in Cannes gibt es eine Möglichkeit, die Stadt mit einem so genannten Greeter zu entdecken. Das sind Leute wie du und ich, die ihre jeweilige Stadt so sehr lieben, dass sie sie Gästen zeigen möchten. Eigentlich eine gute Idee, die aus meiner Sicht aber einige Haken hat:

  • Sprache. Wir haben bei der Suche nach Greetern angegeben, dass wir Englisch und Deutsch sprechen. Nachdem ich zu Erkennen gab, dass ich Französisch verstehe, sprachen aber beide Greeter bevorzugt Französisch. Folge: Ich musste übersetzen. Das hat mich besonders in Nizza gestresst. Dort habe mir teilweise recht politische und gesellschaftskritische Ausführungen auf Französisch angehört, musste sie übersetzen, Fragen rückübersetzen – und war nach drei Stunden geistig platt, ohne für mich selbst viel mitgenommen zu haben. Mein Tipp: Geht mit einem Greeter durch die Stadt, wenn Ihr Französisch sprecht. Oder versucht vorher ein Telefongespräch zu führen, um zu sehen, ob Ihr Euch unterhalten könnt.
  • Zeit: Es gibt für Cannes ein Charter & Responsibilities Dokument, in Nizza heißt es The Nice Greeters Charta. Dort ist festgelegt, wie das Verhältnis zwischen Greeter und Besucher geregelt ist. Demnach geht ein Treffen in Cannes in der Regel zwei bis drei Stunden, in Nizza mindestens zwei Stunden. Um ehrlich zu sein: Ich finde zwei Stunden ziemlich lang. Gerade, wenn ich nur ein Wochenende in der Stadt wäre, würde ich mir das zweimal überlegen. Unser Treffen in Nizza dauerte drei Stunden, und unser Greeter wäre weiter mit uns durch die Stadt gerannt, wenn wir das Treffen nicht beendet hätten. Ich schätze soviel Engagement. Trotzdem mein Tipp: Sprecht vorher ab, wie viel Zeit Ihr investieren wollt.
  • Sehenswürdigkeiten: Wer sich mit einem Greeter treffen möchte, füllt ein entsprechendes Formular auf der Homepage aus. Dabei gibt man seine Interessen an. Wir interessierten uns für die Altstadt. Und dort natürlich für die Geheimtipps, die ein Greeter hat, nicht für die Dinge, die man auch alleine erkunden kann, oder die in jedem Reiseführer stehen. Wenn der Greeter uns also in die Kirche führt, ins Museum und auf den Schlosshügel, dann finde ich das nicht ganz optimal. Mir hat außerdem der Grund dafür gefehlt, warum unser Greeter uns genau diese Orte zeigte: Ich habe also nachgefragt. Darauf kamen aber leider wenige Antworten. Insofern war die Tour nicht so persönlich, wie ich sie mir gewünscht hätte. Um eine Stadt zu entdecken, nehme ich mir außerdem lieber pro Punkt ausreichend Zeit. Es geht mir also weniger darum, möglichst viel zu sehen, als darum, die einzelnen Punkte mit Muse zu sehen. In unserem Fall war es eher ein möglichst schnelles Abhaken möglichst vieler Teile. Mein Tipp: Klärt bevor Ihr losgeht, was Euch wichtig ist.
  • Geld: Leider ist ausgerechnet Geld ein ganz schwieriges Thema beim Treffen mit einem Greeter. Eigentlich ist es nämlich so, dass der Greeter keine Bezahlung dafür bekommt, dass er einem die Stadt zeigt. Ich hatte mich sowohl in Cannes als auch in Nizza bei der Tourismusbehörde informiert, ob ich das richtig verstanden habe. Ja, bestätigte man mir. Geld könne sogar als Beleidigung empfunden werde. Gehe man aber gemeinsam in ein Café, sei es üblich, wenn auch nicht notwendig, dass man als Gast bezahle. Dummerweise hatte ich bei beiden Greetern am Ende des Treffens das Gefühl, dass sie von mir Geld erwarteten. Ich hatte immerhin als kleines Dankeschön aus Köln Weingummi in Domform mitgebracht. Die Dame in Cannes hat sich darüber aber überhaupt nicht gefreut. Die Dame in Nizza hat sich sehr darüber gefreut. Allerdings legte sie uns im Gegenzug zwei Reiseführer als Geschenk auf den Tisch. Preis: 15 Euro. Das hat mich zumindest ein bisschen belastet. Ich wage außerdem anzumerken, dass Reiseführer auf Französisch, für ein Paar, das angibt, nicht besonders viel Französisch zu sprechen, möglicherweise ein nicht ganz passendes Geschenk sind. Anderer Punkt: Wenn die Gäste zehn Euro Eintritt für ein Museum zahlen müssen, in dem sie mit dem Greeter dann zehn Minuten verbringen, ist die Tour möglicherweise nicht ganz durchdacht. Unser Greeter arbeitete übrigens ehrenamtlich in unterschiedlichen Organisationen. Wir boten darum am Ende der Tour eine Spende für eine dieser Organisationen an. Das lehnte sie jedoch ab. Und so hinterließ das Treffen mit einem Greeter bei uns leider einen negativen Nachgeschmack. Mein Tipp: Stellt Euch darauf ein, ein Gastgeschenk für etwa zehn Euro mitzubringen und haltet eventuell nochmals eine kleine Spende bereit für die Organisation der Greeter. Diese Spende ist nämlich in den Regeln für ein Miteinander ausdrücklich möglich.

Wie wäre es mit einem Städtetrip nach Nizza und Cannes und noch etwas mehr?

Wir waren eine Woche an der Cote d’Azur. Zu Beginn hatte ich Angst, dass es uns langweilig werden könnte. Am Ende der Woche war ich der festen Überzeugung, dass wir noch zwei Tage länger dort gebraucht hätten. Da die Entfernungen zwischen den Städten so gering sind, würde ich vorschlagen, dass man doch einfach bei einem verlängerten Städtetrip beide Orte miteinander kombiniert: Dann steigt man entweder in Cannes oder in Nizza ab und macht Abstecher in die jeweils andere Stadt.

Hat man etwas länger Zeit, würde ich zu diesem Reiseplan raten:

  • Zwei Nächte in Nizza: Eineinhalb Tage schaut man sich in der Stadt um, einen halben Tag fährt man ins Fischerdorf Villefranche-sur-Mer, und am dritten Tag fährt man nach Monte Carlo.
  • Auf dem Rückweg von dort holt man das Gepäck ab und fährt weiter nach Cannes. Dort bleibt man zwei weitere Nächte, schaut sich in Ruhe die Altstadt an und fährt auf eine der vorgelagerten Inseln.
  • Am Nachmittag des zweiten Tages fährt man mit dem Bus nach Grasse. Dort übernachtet man ebenfalls zweimal, und hat so ausreichend Zeit für die Altstadt und das Parfümmuseum sowie die Gärten des Internationalen Parfümmuseums und einen Parfümworkshop.
  • Danach fährt man wieder nach Nizza und fliegt nach Hause – oder hat noch eine Nacht dort und fliegt am nächsten Morgen.

Mit sechs bis sieben Nächten hat man so in jedem Ort ausreichend Zeit ihn zu entdecken und seine Eigenarten kennenzulernen. Und jetzt: bon voyage!

2 Gedanken zu „Städtetrip Nizza oder lieber Cannes?

  • 1. September 2019 um 16:43
    Permalink

    Liebe Bettina,
    schade, dass Ihr mit den Greetern nicht so gute Erfahrungen gemacht habt. Für eine Reportage war ich vor ein paar Jahren mit einem der Greeter in Nizza unterwegs (es war Hugues). Das war einer der besten Stadtrundgänge, die ich je erlebt hatte. https://soscheescho.de/nizza-die-schoene-und-das-meer/
    Geld wollte er keines haben. Das war auch ok so. Die Führung war auf Französisch. Ich weiß nicht, wie es mit anderen Sprachen dort ist. Das Prinzip der Greeter ist, dass sie ihre Führungen ehrenamtlich machen (sehr zum Ärger der professionellen Stadtführer/innen). Das kenne ich auch aus anderen Städten so. Danke auch für Deine Tipps zum günstig reisen in Nizza und Cannes. Hotelzimmer unter 70 Euro habe ich dort allerdings noch nicht gefunden.

    Antwort
    • 1. September 2019 um 16:50
      Permalink

      Hallo Robert,

      danke für deinen Kommentar.

      Das mag vielleicht auch mit dem Reisedatum zusammenhängen. Wenn ich jetzt für Nizza im November suche, finde ich trendige Hostels für wenig Geld. Und schicke Hotels für um die 70 Euro.

      Antwort

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