Zwei halbe Tage in Leipzig

Es ist eng. Rechts und links stoße ich mit meinen Schultern in der dicken Winterjacke an die Wände des Treppenhauses. Aber bald habe ich es geschafft, die Sängergalerie und die Stifterkuppel habe ich schon hinter mir. Es können nur noch wenige Stufen bis zur Aussichtsplattform auf dem Völkerschlachtdenkmal in Leipzig sein. Als ich oben ankomme, ist das Wetter grau in grau und die wenigen hohen Häuser in der Stadt hängen mit ihren Spitzen in diesigen Schwaden. Macht nichts. Immerhin bin ich hier. Und das Denkmal an sich wirkt viel bombastischer, als ich es in Erinnerung habe. Tatsächlich war ich Anfang der 90er Jahre einmal da, zusammen mit Freunden, die nach der Wende in den Osten wollten, um dort die einmalige Wiederaufbauzeit zu erleben. Damals war das Völkerschlachtdenkmal mehr oder weniger ein schwarzer, hoher Steinhaufen. Heute ist es wieder hell, gereinigt, restauriert.

Völkerschlachtdenkmal
Völkerschlachtdenkmal
Insgesamt führen 500 Stufen nach oben, doch verschiedene Sehenswürdigkeiten teilen den Aufstieg in Etappen ein. So zeigt ein 15minütiges Video die Geschichte des Völkerschlachtdenkmals, von der Krypta aus sieht man noch oben, aus der Sängergalerie nach unten und die Ruhmeshalle mit den vier steinernen Riesen betritt man durch einen Aufstieg an der Außenseite des Denkmals. Man könnte Stunden hier zubringen, aber meine Zeit ist begrenzt, darum beeile ich mich etwas. Eigentlich wollte ich hier gar nicht hin, weil ich dachte, es sei zu weit außerhalb. Doch dann habe ich einen Bericht einer Kollegin über einen Tagesausflug nach Leipzig mit Abstecher zum Völkerschlachtdenkmal gelesen, und beschlossen, es ihr gleich zu tun. Es hat sich gelohnt, denn mit der Straßenbahn fährt man nur etwa eine Viertelstunde.

Die Leipzig CityCard

Überhaupt, die Straßenbahn in Leipzig! Mit ihr erreicht man jedes Ziel. Ich dachte erst, ich bräuchte keine Tageskarte für den ÖPNV, weil ich ganz gut zu Fuß bin. Schnell habe ich aber gelernt, dass Leipzig zwar weniger Bewohner als Köln hat, aber irgendwie großflächiger zu sein scheint. Darum war ich ganz froh darüber, dass mir das Leipzig Tourismus Management eine CityCard für drei Tage geschenkt hat. Damit konnte ich bequem nach meiner Ankunft am Freitag und vor meiner Abfahrt am Sonntag die Stadt erkunden. Außerdem bekam ich einen kleinen Rabatt beim Eintritt ins Völkerschlachtdenkmal und beim Besuch des Schillerhauses. Dort gibt es zwar nicht viel zu sehen, aber als Literaturwissenschaftlerin musste ich dort einfach Dichterluft schnuppern. Ich war überrascht, wie klein das Häuschen ist, in dem der große Autor seinerzeit lebte.

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Auf den Kneipenmeilen

Leipzig-Tipps
Leipzig-Tipps
Von Freunden und Bekannten hatte ich Tipps für meinen Leipzig-Besuch bekommen. Die Karl-Heine-Straße und die Karl-Liebknecht-Straße müsse ich entlang gehen, um dort in Cafés oder ein Restaurant einzukehren. Beide Straßen sind bunt und alternativ, echte Gegenpole zu der schmuck restaurierten Innenstadt. Auf der Karl-Heine-Straße habe ich im Casablanca frischen Minztee getrunken, auf der Karl-Liebknecht-Straße im Café Maitre ein Stück Sonntagskuchen gegessen.

>>Also was ich grundsätzlich empfehlen kann, sind die zwei Kneipenmeilen Karl-Liebknecht-Straße und Karl-Heine-Str. Die „Karli“ (Karl Liebknecht) war in den 90ern und frühen 2000ern die Kneipenmeile für alternative junge Leute, heute ist sie etwas touristischer :-). Im Café „Puschkin“ gibt es z.B. hervorragendes Brunch, und das Café „Maitre“ ist klein, schick und hat hervorragenden Kuchen. Die Karl-Heine ist immer noch so bißchen ne alternative Ecke, hier in der Nähe ist die ehemalige Baumwollspinnerei, wo z.B. Neo Rauch und Co. ihre Ateliers haben und viele Künstler sich gern tummeln. Auf der Karl-Heine kann ich Dir mein Lieblingslokal empfehlen (da muss man aber abends hin): Das „Noch besser leben“ ist spartanisch vintagemäßig eingerichtet und hat in der ersten Etage so ne Art Wohnstube, in der manchmal für null Eintritt Bands spielen. Es gibt ganz einfache Küche, Schmalzbrote, gutes Bier.
Ganz paar Meter weiter, in der Brockhausstraße , gibt es das Café „Kleine Leckerei“. Die haben auch fantastischen, selbstgebackenen Kuchen und ein sehr nettes Ambiente. Überhaupt gibt es in Plagwitz/Lindenau/Schleußig einige kleine, sehr individuell eingerichtete Cafés. Wenn Du eher im Zentrum unterwegs sein willst: Das Café „Riquet“ nahe dem Hbf ist eine Institution in Leipzig, schon allein von der Architektur her (über dem Eingang ein Elefantenkopf). Sonst empfehle ich „Auerbachs Keller“, der ja auch in Goethes „Faust“ eine Rolle spielt, zumindest mal anzuschauen. Und für den guten Blick über Leipzig lohnt sich die Fahrstuhlfahrt in das höchste Gebäude der Stadt, den „Weisheitszahn“ am Augustusplatz. Da war früher die Uni drin, heute Teile des MDR. Das Restaurant oben ist etwas hochpreisiger, aber wirklich gut.<< – Heiko K., Leipzig

Was man in Leipzig auf keinen Fall verpassen sollte

Leipzig Tourismus Management hatte mir einen ganzen Stapel Infomaterial zugeschickt. Mir war schnell klar, dass ich an einem Freitag- und Sonntagmittag nur einen Bruchteil schaffen würde. Was mir gut gefallen hat:

  • Für Leipzig-Einsteiger gibt es einen Spaziergang zu den wichtigsten Punkten in der Innenstadt: Vom Augustusplatz mit Gewandhaus und Oper zur berühmten Nikolaikirche, in die man auf jeden Fall hineingehen sollte. Sie wirkt sehr filigran mit ihren weißen Kirchenbänken und der Deckendekoration, die wie riesige Blumen wirkt. Dann weiter zu Auerbachs Keller und dort Fausts Fuß berühren, um etwas Glück abzubekommen. An der entzückenden weißen Handelsbörse vorbei, die wie ein Stück Torte auf dem Naschmarkt liegt, über den Markt und weiter zur Thomaskirche mir ihren prachtvoll-farbigen Fenstern.
  • Am Augustusplatz auf jeden Fall auf die Dachterrasse des Hochhauses fahren und das Leipzig-Panorama bestaunen.
  • Wer mehr Zeit in der Innenstadt verbringen will, sollte sich die Passagen näher ansehen. Auch dazu gibt es einen angeleiteten Spaziergang vom Leipzig Tourismus Management: Von den Höfen am Brühl zum Barthel Hof, der Markgalerie, dem Strohsack, Specks Hof und der Mädler-Passage, durch die Messehofpassage bis zum Petersbogen. Unterwegs kommt man noch an anderen Höfen und Passagen vorbei, die auch einen Blick wert sind, denn jede Passage sieht anders aus. Manche sind sehr modern, andere ganz alt.
  • Bei gutem Wetter durch die Waldstraße und die angrenzenden Straßen ins Rosental gehen. Im Waldviertel sind sehr viele und sehr schöne Gründerzeithäuser, in einigen sind kleine Läden. Das Viertel ist jedoch nicht sehr lebhaft, sondern eher eine Wohngegend. Im Rosental kann man im Grünen durchschnaufen. Freunde ruhiger, grüner Oasen sollten außerdem auf den alten Johannisfriedhof gehen. Ihn erreicht man durch die Innenhöfe des Grassimuseums. Der Friedhof ist eher ein Park mit Bäumen und alten Grabsteinen. Rechts hinten stehen besonders aufwändige Erinnerungsstücke an die Verstorbenen.
  • Auf der anderen Seite vom Waldplatz, in der Aachener Straße, ist der erste Schrebergarten Deutschlands mit einem kleinen Museum. Das hätte ich gerne gesehen, weil es ziemlich einzigartig sein dürfte. Leider hat es nur Dienstag bis Donnerstag geöffnet – und im Sommer auch sonntags.
  • Direkt am Waldplatz sitzt die AOK Leipzig in einem tollen Gebäude aus roten Steinen. Die Kantine, Casino genannt, ist öffentlich. Sie ist zwar nicht schön eingerichtet, aber das Essen war gut – und günstig. (demnächst mehr)

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