Besuch der Neustadt in Dresden

Erich Kästners Statue
Erich Kästners Statue

Die Flughafenstraße wird zur Karl-Marx-Straße, zur Königsbrücker Landstraße, zur Königsbrücker Straße und führt über die Elbe direkt zum Pirnaerplatz. Von dort ist es zu Fuß nicht weit in die barocke Dresdner Altstadt. Wer vor der Brücke aussteigt, am Albertplatz, ist in der Neustadt. Sie ist ganz anders, aber trotzdem auch sehenswert. Möglicherweise sehen Besucher die Statue eines jungen Mannes auf einer mannshohen Mauer sitzen. Dieser junge Mann hat eine enge Verbindung zur Königsbrücker Straße, die zwar nicht schön, dafür aber lang ist. Es ist Erich Kästner, der in Dresden geboren wurde, und dessen Eltern gleich drei verschiedene Wohnungen in der Königsbrücker Straße im Laufe der Zeit bezogen. Unter anderem lebten sie im Haus mit der Nummer 46. Dort ist im Erdgeschoss heute ein Reisebüro mit einer leuchtenden Reklame über dem Fenster.

Die Mauer, auf der Kästners Statue sitzt, umrandet das Grundstück eines Hauses in der Antonstraße. Dort wohnte Erich Kästners reicher Onkel, dessen Tochter Pünktchen genannt wurde. Pünktchen aus der Antonstraße also. Heute ist im Haus des Onkels das Erich-Kästner-Museum. Es ist sehr textlastig, aber wen wundert das bei einem Museum, das einem Schriftsteller gewidmet ist? Das Bild, das der Besucher von Kästner bekommt, schafft er sich selbst. Um Textstücke, Fotos oder die Bewertung seiner Uni-Abschlussarbeit zu sehen, muss der Besucher nämlich Schubladen öffnen. Je nachdem, für welche Schubladen er sich entscheidet, wird sein Fazit so oder so ausfallen. Mir ist im Museum zuviel Text, zu wenig Multimedia, obwohl es auch ausgewählte Filme in der Museumsmitte gibt. Andere Besucher loben das Konzept im Literaturcafé ein Stockwerk höher in den höchsten Tönen.

Das Erich Kästner Museum ist jedoch nicht die einzige Sehenswürdigkeit diesseits der Elbe in der Neustadt. Im Gegenteil: der Blick durch die Königsstraße Richtung Fluss beispielsweise lohnt sich: Eine Allee mit ordentlichen Bäumen, rechts und links Bürgerhäuser, Kopfsteinpflaster, und am Ende der Straße ein opulenter Brunnen mit einem großzügigen Gebäude dahinter. Auch vom Albertplatz aus lohnt sich der Blick in die Hauptstraße. An ihrem Anfang ist ein Brunnen mit Fontänen, die ihre Höhe ändern und, am Ende der Goldene Reiter. Heyheyhey. Besonders bezaubernd bei gutem Wetter ist der Weg am Elbufer. Von dort hat man den Canaletto-Blick, der in jedem Reiseführer erwähnt wird, auf die Altstadt. Wo der Künstler sein Bild malte, steht heute ein roter Metallrahmen.

Wer also mehr als nur einige Stunden Zeit hat, sollte ruhig einmal durch die Neustadt bummeln. Allerdings vielleicht besser unter der Woche, denn am Sonntag scheint das Viertel recht ausgestorben zu sein. Vom Albertplatz kommt man übrigens in kurzer Zeit mit der Linie 7 zum Hauptbahnhof oder die Königsbrücker Straße entlang bis zur Haltestelle Infinion Nord fahren. Von dort sind es nur noch wenige Stationen mit der Buslinie 77 durch die Königsbrücker Landstraße, die Karl-Marx-Straße und die Flughafenstraße bis zu Dresden International, dem hiesigen Flughafen.

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