Hamburg zu Fuß

Immer nah am Wasser
Immer nah am Wasser

Auf einen gelben Regenschirm vorm Rathaus soll man achten, wenn man an der täglichen Führung durch Zentrum teilnehmen möchte. Der Preis für den Stadtrundgang: Was es den Teilnehmern wert ist. Ein Angebot, das ich mir auf jeden Fall einmal näher anschauen möchte: Tatsächlich sind am Sonntagmorgen um 11 gleich mehrere gelbe Schirme vorm Hamburger Rathaus, denn die Walking Tour von Robin and the Tourguides wird auf deutsch, englisch und spanisch angeboten. In unserer Gruppe sind zu Beginn etwa 25 Leute, während der Führung schließen sich spontan weitere Besucher an. Zwei Stunden laufen wir gemeinsam vom Rathaus bis zum Michel, vorbei an einer Kirchenruine, durch die Speicherstadt bis zum Portugiesenviertel.

Die Zeit ist gut investiert: Wir erfahren viel über die Hansestadt, was wir bisher nicht wussten: Beispielsweise, dass die Alsterschwäne im Winter für viel Geld gut versorgt werden, dass die Hochbrücken in der Speicherstadt nicht nur schön aussehen, sondern tatsächlich Rettungswege für den Fall von Sturmfluten sind, und dass man das Kontorviertel besser unter der Woche besucht, weil man dann die schönen Innenhöfe und Treppenhäuser bestaunen kann. Außerdem bekomme ich auf dem Weg viele Anregungen für meinen nächsten Hamburgausflug. Und ganz sicher werde ich wieder eine Stadtführung mit Robin und seinen Leuten machen: Sankt Pauli bieten sie nämlich auch auf Spendenbasis an.

Allerdings sind Robin and the Tourguides nicht die einzigen, die vor dem Rathaus mit großen Schirmen auf sich aufmerksam machen: Es gibt auch Tourführer mit roten Schirmen, New Europe Tours heißen sie. Ihr Angebot ist ebenfalls mehrsprachig.

Durch den alten Elbtunnel

Nach unserem geführten Stadtspaziergang gehen wir auf eigene Faust weiter: Durch den alten Elbtunnel bis zum Aussichtspunkt am anderen Ufer. Und von dort bis zum Musicaltheater: Wir müssen unseren Vente privée Gutschein einlösen gegen die Eintrittskarte für das Musical Das Wunder von Bern. Wir haben Glück: Es fährt ein Musicalzubringer zurück, mit dem wir kostenlos übersetzen. Vom Anleger sind wir in wenigen Minuten in der Hafencity. Dort ist bei diesem Hamburgwochenende unser Hotel, in dem wir am Vorabend ein Rum-Schokoladen-Tasting hatten.

Das Wunder von Bern

Musikalisch mag das Musical Das Wunder von Bern vielleicht nicht überragend sein. Was ich aber total begeisternd fand, war, wie schnell sich die Bühne verwandelt hat: Vom bescheidenen Häuschen im Ruhrpott zum Fußballstadion zur Eckkneipe zum Hauptbahnhof zum Spielfeld. Die Visualisierung des Fußballspiels um die Weltmeisterschaft 1954 steht bei diesem Musical natürlich im Vordergrund und ist dank moderner Technik beeindruckend gelungen. Wann sieht man schon einmal Fußballspieler wie Marionetten an Wänden hoch laufen? Das Musical erzählt inhaltlich aber noch viel mehr: Es ist auch ein Abriss der Nachkriegsgeschichte in Deutschland und sollte alleine darum viel mehr Besucher haben, finde ich. Einziger Kritikpunkt: Das Wunder von Bern wäre in einem Musicaltheater im Ruhrgebiet sehr viel besser aufgehoben als in Hamburg. Die Bezüge zum Leben im äußeren Westen der Bundesrepublik dürften dort deutlich leichter erkannt und mehr honoriert werden.

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