Entdeckungstour durch Frankfurt: Vom Wissenschaftsmuseum zum Rotlichtviertel

Hammermuseum
Beim Schuhmacher gibt es eine Hammerausstellung
Was macht man nur, wenn man in einer Stadt schon so oft war, dass man meint, sie zu kennen? In Paris habe ich vergangenes Jahr einfach das Buch 111 Orte, die man gesehen haben muss, bestellt. Und bin dann rund um den Nordbahnhof gelaufen. Das war toll, weil ich Stadt ganz anders kennengelernt habe, als bisher. Was in Paris geht, klappt sicherlich auch in Frankfurt, dachte ich mir. Und so zog ich los – mit viel zu wenig Zeit, und mit viel zu vielen Zielen. Ich begann in nächster Nähe meines Hotels und endete am Hauptbahnhof. Dazwischen liegen Kunst, Wissenschaft, Prostitution und ein Merguez-Sandwich.

Mein erstes Ziel war hinter der Drehtür eines Hochhauses. Dort, direkt an der Messe, gibt es nämlich Kunst: Zwar kenne ich den Künstler Eberhard Schotter nicht, aber die Geschichte des Bildes ist interessant. Das hing ursprünglich nämlich an einer Kantinenwand, heißt es in 111 Orte in Frankfurt, die man gesehen haben muss. Als das Gebäude samt Kantine abgerissen wurde, hat man das Bild abgelöst, restauriert – und eben in diesem Hochhaus aufgehängt.

Von Nägeln und Seifenblasen

Von hier ist es gar nicht weit bis zum Experiminta Science Center, einem Wissenschaftsmuseum. Da ich mich normalerweise immer beschwere, dass in diesen Museen zu viele Schulklassen unterwegs sind, müsste ich eigentlich dieses Mal dankbar sein: Ich war dort ganz alleine. Allerdings hat der Besuch trotzdem nicht super viel Spaß gemacht, denn diese Wissenschaftsausstellung ist ein bisschen in die Jahre gekommen. Mit dem Wolfsburger Wissenschaftsmuseum kann sie nicht einmal ansatzweise konkurrieren. Außerdem fehlte einmal eine Walze für einen Versuch, ein anderes Mal der Sand dafür – nun ja. Aber immerhin legte ich mich wie ein Fakir auf ein Brett mit Nägeln – ohne, dass es schmerzte. Ich sah mich als Bohnenstange im Zerrspiegel, und ich vergnügte mich mit Seifenblasen.

Das nächste Ziel, die Nummer 100 im Buch, sollte ein Platz um die Ecke sein. Hier muss etwas schief gelaufen sein, denn dieser Platz hieß nicht Theodor W. Adorno Platz, wie es im Buch auf der Karte gezeigt wird, sondern Tilly Edinger Platz. Der Adorno-Platz wäre fast vier Kilometer entfernt gewesen, sagte mir mein Smartphone. So ging ich kopfschüttelnd zurück zur Friedrich-Ebert-Anlage, über die Mainzer Landstraße, und dann links durch einen Durchbruch in einem Haus zum 25hours Hotel. Dort habe ich vor einigen Jahren einmal übernachtet, jetzt habe ich nur eine hausgemachte Limonade mit auf die Dachterrasse genommen und dort die Sonne genossen.

Quer durchs Rotlichtviertel

Allerdings war dafür nahezu mein letztes Bargeld draufgegangen. Doch als ich am nächsten Geldautomaten vorbeikam, war ich ausgerechnet in der Moselstraße. Vor dem Automaten stand ein Gruppe junger Menschen, einige mit irrem Blick, eine Frau mit zerzausten Haaren hatte ein kleines, aber sehr scharfes Messer in der Hand, und auf der anderen Straßenseite steckte ein dunkelhäutiger, junger Mann einem hellhäutigen ein Tütchen zu, bevor sich ihre Wege wieder trennten. Kurz hatte der Empfänger meinen Blick gestreift, mich aber vermutlich als sehr harmlos eingestuft, und mich so bis zur Kreuzung, die wir gleichzeitig erreichten, ignoriert. Geld hatte ich aber noch immer nicht gezogen.

An dieser Kreuzung saßen vor einem Etablissement zwei Frauen in der Sonne, tiefe Falten im Gesicht, dicke Tränensäcke, zu blond und zu schwarz für ihr Alter. Ich schätzte sie auf jenseits der 60, aber vielleicht waren sie auch einfach nur verlebt. Zwei Häuser weiter ist ein Gitarrenladen, von dem es in 111 Orte heißt, dass selbst Elvis Presley hier eingekauft habe. Über die in der Zwischenzeit ziemlich schmucke Kaiserstraße ging ich weiter bis zur Münchner Straße. Ich betrat einen Schuhmacherladen, und gleichzeitig ertönte eine Glocke. Ich fragte, ob ich das kleine Hammermuseum auf der Galerie anschauen dürfe, natürlich, gerne, sagte man mir. Als ich die Wendeltreppe hinaufstieg, folgte mir eine Kundin. Seit Jahren bringe sie hier ihre Schuhe zur Reparatur, aber oben sei sie nie gewesen, sagte sie.

Nach dem kurzen Rundgang ging ich zurück zur Kreuzung. Dort ist mir ein kleiner, bunter Imbiss aufgefallen: Falafel 1818. Obwohl er draußen damit wirbt, vegetarische und vegan Speisen zu haben, gibt es auch Merguez im Pitabrot – die Wurst versteckt unter viel Salat. Sehr lecker. Und ein schönes Ende meines Spaziergangs.

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