Frankfurt Osthafen: noch unbekannt, aber sehenswert

Seit Jahren fahre ich einmal im Jahr nach Frankfurt, immer zur gleichen Jahreszeit. Seit Jahren bringt mich mein Kunde im Motel One East Side unter. Und seit Jahren gehe ich von dort zu Fuß am Main entlang zu meinem Einsatzort. Jahre, in denen ich den Bau der neuen Europäischen Zentralbank (EZB) am Mainufer verfolgen konnte, in denen ich gesehen habe, wie Bordelle schlossen und verschwanden, in denen gigantische Baustellen einer normalen Straßenführung und Bebauung wichen.

Als ich in diesem Jahr da war, hat mich der neue Osthafen besonders beeindruckt. In den Weg, der ans Mainufer führt, sind Erinnerungen eingraviert, Erinnerungen von Zeitzeugen, die in den 1930er Jahren gesehen haben, wie Frankfurts Juden zur Großmarkthalle getrieben und von dort in Konzentrationslager mit der Bahn transportiert wurden. Es wird mir ganz beklommen zumute unter dem blauen Himmel und der zaghaften Wintersonne, als ich realisiere, an welchem Ort ich hier bin. Und ich finde es gut, dass nicht einfach der Mantel des Schweigens über die Nachbarschaft der EZB gedeckt wird, sondern man daran erinnert, was hier früher passiert ist.

Links von der Gedenkstätte sind in großen, metallenen Käfigen Fußballtore aufgestellt. Als ich abends von der Arbeit zurückkomme, sind sie mit jungen Menschen bevölkert, die Fußball spielen. Die Stadt ist für alle, steht an einer Wand, und hier wird das auch wahr. Einige Meter weiter am Flussufer ragen künstliche Halme in den Himmel. Sie erinnern an den Klimawandel und die damit verbundenen Probleme, während sie sich sanft im Wind wiegen. Hier stehen auch noch alte Hafenkrähne und ein Güterzugwagen und Schienen laufen durch das Kopfsteinpflaster auf ein Restaurant zu. Seine großen Glasfenster erlauben den Blick auf das Wasser und den Osthafenpark. Die Inneneinrichtung besteht aus viel verwaschenem Holz, das einen maritimen Eindruck erweckt. Günstig ist es hier nicht, das war bei dieser Lage und dem Ausblick auch nicht zu erwarten, dafür ist die Küche fix – und vor allem ist jeder Tisch für den Freitagabend reserviert. Ich habe Glück, dass ich so früh bin. So werde ich längst weg sein, wenn diejenigen kommen, die den Tisch auf 20 Uhr reserviert haben.

Weil ich so früh bin, habe ich ein zweites Mal Glück. Als ich das Restaurant Oosten verlasse, geht gerade die Sonne unter. Außen am Haus führt eine Treppe zu einer öffentlichen Aussichtsterrasse. Von dort hat man einen tollen Blick auf die Frankfurter Skyline und die Sonne, die sich im Untergehen im Main spiegelt.

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