Borkum: Anreise und erste Eindrücke

Sonnenuntergang auf Borkum
Sonnenuntergang auf Borkum

Die Reise in die Aktivwoche auf Borkum beginnt mit einer Zugverspätung von 35 Minuten. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn ich nicht um 14 Uhr in Emden Außenhafen die Fähre zur Insel bekommen müsste. Umsteigzeit: acht Minuten.

Tatsächlich sind 30 Minuten selten ein Problem, wie mir die Schaffnerin sagt, denn bis Münster könne man einige Minuten gutmachen, danach noch mehr – und in Emden Hauptbahnhof sei zusätzlich ein Halt von 20 Minuten eingeplant. Sollte es trotzdem eng werden, ruft das Zugpersonal auf dem Boot an. Und da die Fahrt nach Borkum nicht von den Gezeiten abhängig ist, wartet die Fähre auch einige Zeit. Sollte sie weg sein, bekommen die Fahrgäste ein Ticket für das später fahrende Schnellboot.

Ich beginne zu entspannen. Das ist in diesem Zug ausnahmsweise sehr gut möglich, denn die meisten Fahrgäste sind im Rentenalter: keiner telefoniert lautstark und unnötig mit dem Handy, keiner hört über Kopfhörer so laut Musik, dass man es drei Reihen weiter noch hört, keine saufenden Kegelklubs und keine Frauengruppen, die sich langsam aber sicher mit Sekt zulaufen lassen. Tatsächlich eine ruhige Zugfahrt.

Weiter geht’s mit der Fähre
Wer ein Onlineticket bis Borkum hat, muss sich beim Einsteigen auf die Fähre identifizieren – mit Kreditkarte, BahnCard oder Personalausweis, genau wie im Zug. An Bord sind einige wenige Menschen in meinem Alter. Die meisten sind auch hier deutlich ältere Jahrgänge. Auffallend ist die Zahl der Raucher, die im Viertelstundentakt an Deck gehen, um schnell eine Zigarette wegzuziehen. Ich dachte, man fährt im Wesentlichen wegen der guten Nordseeluft auf die Inseln. Durch die vielen Raucher an Bord fühle ich mich eher einer Nikotinvergiftung nah. Hinzu kommt, dass viele Raucher ihre Kippe in die Nordsee werfen. Solltet Ihr, liebe Borkumreisende, Euch in dieser Beschreibung wiederfinden, wäre es prima, wenn Ihr Euer Verhalten einmal überdenken würdet: unberührte Natur und gute Luft passt irgendwie nicht zum Rauchen und zu Umwelt mit Kippen verschmutzen.

Ein sehr kurzes Video dazu gibt es auf YouTube. Ich hab’s mit der Zeitrafferfunktion in iOS8 gemacht und mit iMovie auf dem Smartphone zusammengesetzt. Wer die App über diesen Button herunterlädt, unterstützt Op jück mit einem Centbetrag:

Nach etwas über zwei Stunden haben wir auf Borkum angelegt und steigen in den Inselzug um. Das Ticket ist in der Bahn-Schiffskarte bereits enthalten. Es wird voll im Zug, denn Ablagefächer gibt es nicht. Darum stehen Koffer im engen Gang und blockieren einige Sitzplätze. Nach etwa 20 Minuten erreicht man die Haltestelle im Ort, und in jede Richtung strömen Touristen mit Rollkoffern aus auf der Suche nach ihrer Unterkunft.

Erste Eindrücke
Weil die Sonne vom blauen Himmel scheint, will ich sofort zum Strand und ignoriere meinen Hunger. Überhaupt sind alle Restaurants so leer, dass ich mich nicht alleine hineinsetzen mag. An der Strandpromenade reihen sich weiße mondäne Unterkünfte aneinander, auf den Wegen, in den Strandbars und -körben scheinen sich alle Touristen der Insel versammelt zu haben. Ich laufe am Wasser entlang, durch den Ort, und als mein Magen mich um 18 Uhr daran erinnert, dass das Frühstück sehr lange her ist, staune ich nicht schlecht, als ich zum Italiener am Leuchtturm will: Alle Tische draußen sind besetzt, drinnen ist alles reserviert. Ich könne mich aber zu einem anderen Alleinreisenden setzen, sagt man mir. Nur ältere Herren auf der Terrasse, nee, denke ich, ich will ja keine Missverständnisse schaffen. Also ziehe ich weiter und stelle fest, dass es in den anderen Restaurants genau so aussieht. Dann bleibt mir nur der Hühnchendöner im Dönerhuus – immerhin auf einem echten Teller und an einem silbernen Bistrotischchen am Straßenrand, Blick zum Leuchtturm. Ich öffne mein Radler mit einem Plopp, zwei Männer rufen mir ein Prost zu. Willkommen auf Borkum!

Wie man ein Photosphere macht, steht auf Bild statt Text.

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