Zu Besuch im Auswandererhaus in Bremerhaven

An der Kaje. (c) Deutsches Auswandererhaus
An der Kaje. (c) Deutsches Auswandererhaus

Hertha Nathorff ist 44, als sie ein Boot nach England besteigt. Der jüdischen Ärztin war von den Nationalsozialisten die Approbation entzogen worden. Sie wird später in die USA übersiedeln und stirbt 1993 in New York. Hertha Nathorff ist eine von 33 Biografien, denen Besucher im Deutschen Auswandererhaus in Bremerhaven bei ihrer Reise folgen können. Sie betreten mit ihnen das Schiff und fahren dritter Klasse gen Amerika. So scheint es zumindest auf den schrägen Schiffsplanken, während das Wasser gegen das Bullauge schlägt. Drei Monate dauerte eine Fahrt von Bremerhaven nach New York auf einem Segelschiff, später zwei Wochen, dann nur noch einige Tage. Im Deutschen Auswandererhaus kann man sie in ein- bis eineinhalb Stunden nacherleben.

Besucher, die die scheckkartengroßen Eintritts-Plastikkarten an vorbestimmten Stellen auflegen, tauchen tiefer in die Geschichte ein: Sie hören Auswandererlieder und Geschichten über die Reise, erfahren mehr über den Einwanderungsprozess in Ellis Island und über den New Yorker Bahnhof, der für viele Auswanderer die erste Anlaufstelle im neuen Land war. Bis hierhin hatte man eine Fahrt in engen Kabinen hinter sich, oft langweilig – und immer mit anderen Menschen um sich herum. Privatsphäre gab es kaum. Und der Einwandererprozess in Ellis Island hat viele in Angst und Schrecken versetzt: Ärzte begutachteten die Immigranten und schickten zurück, wer krank aussah.

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Vom Auswanderer zum Einwanderer

Besucher, die die Schleusen auf Ellis Island passiert haben, wechseln die Perspektive und werden vom Aus- zum Einwanderer nach Deutschland. Jeanne Greber beispielsweise wanderte 1919 aus Frankreich nach Saarlouis ein. Ihre Geschichte verfolge ich im Anbau des Deutschen Auswanderungshauses. Dort ist ein Frisör, ein Antiquitäten- und ein Fotoladen aus den 1970er Jahren aufgebaut. Die Besucher finden in allen Schaufenstern Gegenstände der Einwanderer, und auch hier gibt es Hörstationen mit ihren Geschichten. Denn Deutschland war nicht nur schon immer ein Auswanderungs-, sondern auch ein Einwanderungsland. Das betont auch Ilka Seer, stellvertretende Direkorin und zuständig für die Pressearbeit:

Fazit: das Museum ist 2007 als bestes Museum Europas ausgezeichnet worden. Völlig zu Recht. Im Deutschen Auswandererhaus wird Geschichte zum Anfassen vermittelt, und gleichzeitig der Bogen in die Gegenwart geschlagen: Migration ist ein Thema, das Deutschland derzeit stärker bewegt als vieles andere. Und das wird vermutlich noch einige Jahre so bleiben.

Ich habe keinen Eintritt ins Auswandererhaus bezahlt, sondern hatte mit dem Presseausweis freien Eintritt.

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