Willkommen in der Rhön: Bier, Spirituosen und ein Klosterbesuch

In der Klosterkirche
In der Klosterkirche

„In der Rhön isses schön“, pflegte der Vater einer Freundin aus Hessen zu sagen. Daran muss ich denken, als ich im Bus von Fulda nach Bischofsheim gefahren werde, eine Strecke von ungefähr 40 Kilometern. Hier ist das Kloster Kreuzberg. Jedes Jahr kommen zwischen 20 und 25 Wallfahrten hierher, beispielsweise Gläubige aus Würzburg, die rund 180 Kilometer dafür zu Fuß an vier Tagen zurücklegen. Das Kloster auf dem Kreuzberg ist aber auch ein touristisches Ziel. Tatsächlich traue ich kaum meinen Augen als wir dort ankommen: Der erste Hof mit Bänken und Tischen vor dem Kloster ist voll mit Menschen. Innen steht eine lange Schlange an der Essensausgabe, und im hinteren Hof sind auch fast alle Plätze belegt. Das muss man mögen.

Sehr viele Besucher in der Rhön
Sehr viele Besucher in der Rhön

Delikatessen aus der Rhön

Zu meiner Erleichterung haben wir einen Tisch im Restaurant auf dem Berg reserviert. Dort ist mehr Platz, und man bekommt das bodenständige Essen an den Tisch gebracht. Das Restaurant heißt Elisäus, benannt nach dem letzten Franziskaner-Bruder, der hier Bier gebraut hat. Zwar wird auch heute noch auf dem Kreuzberg gebraut, aber nicht mehr von Mönchen. 950.000 Liter werden hier im Jahr hergestellt, das entspreche etwa einem Siebtel des Bedarfs des Oktoberfestes in München, erklärt uns Bruder Martin, der uns in die Besonderheiten des Klosters einweist. Er ist mit 78 Jahren der älteste Bruder, und gleichzeitig einer von nur noch vieren. Ihre Zahl ist in Deutschland seit 1960 von etwa 1500 auf 275 gesunken. Aber zurück zum Klosterbier: Ein Drittel des Bieres wird direkt vor Ort verkauft, zwei Drittel gehen in die Gastronomie und Läden in der Region.

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Eine der ältesten Brennereien der Welt sitzt in der Rhön

Andere alkoholische Getränke gibt es in der Destillerie in Schlitz, etwa 25 Kilometer nördlich von Fulda: Seit 1585 wird dort gebrannt und destilliert. Whisky, Gin und Likör gehören zum Portfolio einer der ältesten Destillerien der Welt. Man möchte den Manufakturcharakter behalten, erklärt Marina Schmidt, die im Vertrieb arbeitet. Darum werden auch nur kleine Chargen hergestellt. Der Gin beispielsweise wird mit einer medizinischen Maschine hergestellt, die nur eine kleine Brandblase hat. Durch diese so genannte Vakuum-Destillation ist der Siedepunkt niedriger als sonst üblich. Das hat den Vorteil, dass die Aromen der enthaltenen Botanicals schonender und gleichzeitig intensiver übertragen werden können. Nach neun Stunden kommt man auf etwa 150 Flaschen des Burgen Gins, der stark nach Fenchel und Kardamom, aber auch nach Zitrus und natürlich Wacholder schmeckt. Ihn serviert man übrigens nicht mit einem der neuen Tonics, sondern klassisch mit Schweppes, und in der Kombination entfaltet sich für mich ein Lakritzgeschmack.

Auch die Milde Zwetschge probieren wir bei unserer Verkostung. Ich bin kein Freund von Bränden, doch dieser ist so mild, dass er selbst mir schmeckt. Und damit liege ich voll im Trend, erfahre ich, denn die scharfen Getränke verkaufen sich nicht mehr so gut wie früher. Im Gegenteil ist die Milde Zwetschge für die Schlitzer solch ein Erfolg, dass sie darüber nachdenken, auch andere Brände künftiger in milderer Form anzubieten. Wer selbst einen Zwetschgenbaum hat, wird vielleicht enttäuscht sein, falls er selbst schon einmal darüber nachgedacht haben sollte, zu brennen: Zwar bleibt bei der Zwetschge der höchste Alkoholgehalt übrig, sagt Marina Schmidt, allerdings bekommt man aus 100 Kilogramm trotzdem nur fünf Liter reinen Alkohol – und dann muss das Produkt auch noch zwei Jahre gelagert werden. Bei der Vogelbeere sieht es allerdings deutlich schlimmer aus: Dort erzielen 100 Kilogramm nur 0,8 Liter reinen Alkohol. Auch Whisky stellt man in Schlitz her, und zwar sogar prämierten: Von den sechs verschiedenen Sorten wurden zwei mit dem Whisky Award ausgezeichnet. Die Schlitzer Destillerie kann man übrigens auch besichtigen.

Fuldaer Mönchsdinner und Bonifatiustropfen: Klosterbezug ist in der Rhön immer gut

Neben Bier und Schnaps gibt es auch kulinarische Highlights in der Region. Dazu gehören beispielsweise der Zwiebelkuchen und der Schwartenmagen. Außerdem läuft in und um Fulda alle besonders gut, was einen Bezug zu Klöstern hat. So gibt es beispielsweise den Bonifatiustropfen, einen sehr milden Schnaps, der aus Kräutern aus dem Klostergarten gemacht wird. Auch im Maritim Hotel in Fulda hat man klösterliche Angebote auf der Karte: Im Wappensaal gibt es mehrfach im Jahr das sogenannte Mönchsdinner Dazu gehören zum Beispiel Käsebrocken, gevierteltes Federvieh und natürlich Klosterbier.

Im Maritim übernachten überwiegend Konferenzgäste. Seit es in Fulda allerdings regelmäßig Musicalaufführungen vor dem Dom gibt, kommen auch vermehrt private Gäste, die dann direkt ein Arrangement buchen. Neben vielen Deutschen bleiben auch besonders gerne Schweizer, Österreicher und Skandinavier, die auf der Durchreise sind, für eine Nacht in der Barockstadt. Fulda liegt zwar zentral in Deutschland, aber es gibt einen leichten Überhang an Gästen aus den umliegenden Bundesländern NRW und Bayern. Und es kommen viele Hauptstädter hierher.

Das Maritim hat übrigens 112 Zimmer und ist über das Jahr gesehen zu gut 75 Prozent ausgelastet. Das absolute Highlight des Hotels ist der Apollosaal in der Orangerie mit seinem Deckengemälde, das wirkt, als ob die Decke gewölbt wäre – was sie aber nicht ist. In der Orangerie überwinterten früher die Orangen- und Zitronenbäume der Fürstbischöfe, die im Stadtschloss genau gegenüber lebten. Auf dem Dachboden der Orangerie kann man sich davon überzeugen, dass das Haus alt ist: Hier sieht man noch die Holzbalken, viele mit Holznägeln gezimmert. Allerdings ist dieser Teil des Hotels nicht öffentlich zugänglich. Das 1983 gebaute Hotel musste sich optisch übrigens an der Orangerie orientieren: Es durfte nicht höher als der alte Bau sein, und ist darum in die Tiefe gebaut. Die Fassade hat die gleiche Farbe wie die Orangerie. Im Maritim in Fulda arbeiten 146 Mitarbeiter aus 16 Nationen.

Als Journalistin halte ich mich an den Pressekodex des Presserats. Das Maritim Hotel hat die Übernachtung und die Verpflegung für mich von Freitagabend bis Sonntagmorgen übernommen. Es hat außerdem die Kosten für den Ausflug zum Kloster getragen. Ich habe die Anfahrt sowie die Eintritte in die Museen selbst bezahlt, und Freitagmittag und Sonntagmittag auf eigene Kosten gegessen.

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