Nicht nur für Auto-Fans: die Autostadt in Wolfsburg

Im Autoturm in der Autostadt in Wolfsburg
Im Autoturm in der Autostadt in Wolfsburg

48 Meter hoch sind die beiden Glastürme, die die Autostadt in Wolfsburg überragen. Jeder Turm fasst 400 Autos, gut 500 werden von dort aus täglich ihren neuen Besitzern übergeben. Denn die Autostadt gehört zu Volkswagen, und wer einen VW oder einen Seat neu kauft, kann ihn dort selbst abholen. Allerdings sind nur ein Drittel der Besucher der Autostadt Fahrzeugabholer, die überwiegende Mehrheit der jährlich zwei Millionen Besucher kommt aus anderen Gründen: Sie will die Erlebniswelt Auto, den Themenpark Mobilität erleben.

Autostadt in Wolfsburg: voll mit Geschichte und Geschichten

Um daran seinen Spaß zu haben, muss man kein Auto-Fan sein. Denn die Autostadt in Wolfsburg ist voll mit Geschichte und Geschichten, mit Kultur und Design. Angefangen beim Eingang, Piazza genannt: Sie wird dominiert von einer stilisierten Weltkugel aus Aluminium, die einen Durchmesser von zwölf Metern hat und 4,5 Tonnen wiegt. Der Künstler, Ingo Günther, hat die Datumsgrenze markiert, den Äquator und die Geodaten für Wolfsburg. Die Kugel spiegelt sich im transparenten Boden, unter dem 80 Globen stehen. Jeder Globus ist eine Datenvisualisierung, beispielsweise zeigt einer anhand dicker schwarzer Striche, was es bedeutet, wenn alle Staus weltweit im Jahr 2012 115 Mal um die Erde reichen.

Links vom Eingangsgebäude ist das ZeitHaus, das weltweit meistbesuchte Automuseum, wie man bei der Autostadt sagt – unter anderem mit einem Bugatti T57 der schon in den 1930er Jahren 200 Stundenkilometer gefahren ist. Insgesamt gibt es hier 60 Fahrzeugmarken aus unterschiedlichen Zeiten zu sehen. Derzeit läuft außerdem die Ausstellung Beziehungskisten, in der Gemeinsamkeiten zwischen Autos gezeigt werden – so stehen beispielsweise der erste und der letzte Käfer nebeneinander.

In den Markenpavillons von Porsche und Bugatti

Auf dem 28 Hektar großen Gelände stehen außerdem Markenpavillons: Lamborghini, Skoda, Audi, Seat, Volkswagen, Volkswagen Nutzfahrzeuge, Porsche und das Premium Clubhouse mit einem Bugatti. Für die Mitarbeiter der Autostadt ist der Lamborghini-Pavillon eine Art Uhr: In regelmäßigen Abständen gibt es dort eine Show, bei der man einen Lamborghini auf einer drehbaren Fläche von außen nach innen dreht. Sieht man ihn also wie angeschweißt von außen an der Pavillonwand, so weiß zumindest der Eingeweihte die Uhrzeit.

Wir sehen uns den Porsche Pavillon näher an: Eine überdimensionale graue Zunge streckt sich Richtung Lagune. Sie sieht aus, als ob sie aus Beton wäre, doch das Material wäre viel zu schwer. Tatsächlich ist es hohles Metall, und unter seinem Dach ist die Akustik so gut, dass Gäste gerne mal ein Liedchen anstimmen oder es im Sommer dort Konzerte gibt. Im Inneren fließt ein Strom von silberfarbenen Mini-Porsches an der Wand nach unten. Dort stehen auch drei echte Porsche, in die sich die Besucher setzen dürfen – allerdings erst, nachdem sie ihre Jacken ausgezogen haben. Die Mitarbeiter hier erklären die Autos sehr genau, stellen den Sitz für den potenziellen Fahrer ein, zeigen auf Wunsch auch den Kofferraum. Viele Besucheraugen beginnen hier zu leuchten.

Aktivitäten in der Autostadt in Wolfsburg

Genau wie im Premium Clubhouse, wo ein verspiegelter Bugatti in einem verspiegelten Raum steht, angestrahlt von vielen kleinen Lämpchen. Der Motor wird separat zur Schau gestellt: „Mein Auto würde unter dem Gewicht dieses Motors zusammenbrechen“, sagt ein Besucher, der mit ehrfurchtsvollem Blick in die Vitrine schaut. Von hier sind es nur wenige Meter zum Hotel Ritz Carlton, das in die Autostadt integriert. Hier können Auto-Abholer zum Vorzugspreis übernachten. Wir essen dort auf Einladung der Autostadt einen Burger zu Mittag. Vom Hotel führt eine Straße zu den beiden Glastürmen. Die einzelnen Abschnitte sind sehr unterschiedlich: vom normalen Straßenbelag über Kopfsteinpflaster und Holzbohlen wird hier die Geschichte des Straßenbelags dokumentiert.

Im linken der beiden Glastürme können Besucher in einem angedeuteten Auto bis in den 20. Stock fahren. Das Besondere dabei: Sie werden genau so transportiert, wie die Autos um sie herum. Von oben hat man auf beiden Seiten einen tollen Blick: Auf einer Seite sieht man einen Teil des Werkes, dessen vier Schornsteine in der Weihnachtszeit als Adventskerzen fungieren. Es ist übrigens die größte Fabrik Europas und die zweitgrößte der Welt, 60.000 Mitarbeiter arbeiten hier. Auf der anderen Seite sieht man ins Innere des Turms mit seinen vielen Fächern und den vielen Autos, die bald von hier ihre reise zu ihrem neuen Zuhause antreten werden.

Infos zur Autostadt in Wolfsburg

  • Die Autostadt erreicht man bequem vom Bahnhof in wenigen Minuten zu Fuß.
  • In der Autostadt verhungert niemand: Es gibt zehn Restaurants mit saisonalen Angeboten aus regionalen Produkten. Eis, Nudeln und Brot werden hier selbst hergestellt.
  • Außer an Heilig Abend und Silvester hat die Autostadt täglich geöffnet.
  • Vier bis sechs Stunden muss man einplanen um einen Überblick zu bekommen. Wir haben in den 3,5 Stunden vor Ort längst nicht alles gesehen und planen darum bereits einen zweiten Besuch.
  • Der Eintritt an der Kasse kostet für einen Tag pro Erwachsenen 15 Euro. Übers Internet geht’s auch günstiger. Außerdem gibt es spezielle Angebote für den späten Abend oder Kombi-Angebote, wenn man beispielsweise auch ins Wissenschaftsmuseum Phaeno möchte. Die Turmfahrt oder ein Sicherheitstraining kosten zusätzlich.
  • Im Frühjahr gibt es die Movimentos Festwochen, ein Tanz- und Kulturfestival.

Lachs Burger im Ritz Carlton in der Autostadt

Lachs-Burger im Ritz Carlton in Wolfsburg
Lachs-Burger im Ritz Carlton in Wolfsburg

Der Burger ist gesellschaftsfähig geworden: Selbst im Terra, einem von vier Restaurants im Hotel Ritz Carlton in Wolfsburg, steht er auf der Speisekarte. In dem fünf Sterne-Hotel, das in die Autostadt integriert ist, gibt es neben dem Terra noch das Frühstücksrestaurant, ein Deli für den kleinen Hunger am Mittag und das Aqua, das schon viele Hauben, Pfannen und Diamanten in den verschiedenen Feinschmeckerführern bekommen hat.

Das Terra war lange ein Grill-Restaurant, hat sich jedoch thematisch an die Autostadt angepasst und verfolgt seit einiger Zeit ein neues Konzept: So kocht man jetzt dort auch verstärkt vegetarisch und vegan. Regionale Produkte und die Ursprünglichkeit des Geschmacks spielen eine große Rolle.

Da ich nicht viel Zeit habe an diesem Samstagmittag, und ich außerdem abends nochmals Essen gehe, entscheide ich mich – für den Burger. Natürlich. Zur Wahl stehen die herkömmliche Rinderhackfleischvariante, ein Zucchini-Burger und ein Lachs-Burger. Den möchte ich gerne probieren. Wie mir scheint zur Enttäuschung des Kellners, denn auf der Karte stehen noch richtig tolle Leckereien: Rote-Beete-Püree zum Rind, Kabeljau mit Steckrüben-Graupen-Eintopf oder Schwarzwurzel-Suppe. Ach! Wie gerne würde ich von allem etwas probieren. Weil das nicht geht, und weil’s schnell gehen muss, wird’s halt der Burger.

Besteck oder doch mit den Händen essen?

Falsch war die Entscheidung auf keinen Fall, denn lecker ist er! Das Schweizer Bürli Brötchen ist selbst gebacken, so wie alles Brot in der Autostadt. Auch Nudeln und Eis macht man hier selbst, und da ich alle drei Lebensmittel liebe, würde ich mir die Fabrikation gerne einmal ansehen. Vielleicht bei einem nächsten Besuch. Auf dem Bürli liegt außer meiner knusprig gebratenen Lachs-Frikadelle Bergkäse, super-knackiger Salat, sehr frische Tomaten und Gurke, und gewürzt ist das Ganze mit Senf-Mayonnaise und BBQ-Soße.

Zunächst versuche ich, den Burger mit Messer und Gabel zu essen, ich bin ja schließlich nicht in einem Fastfood-Restaurant. Doch eine Bedienung, die vorbeikommt und meinen Kampf sieht, lacht nur und meint:“Auch hier können Sie einen Burger mit den Händen essen“. Das geht in der Tat deutlich einfacher!

Vom Ritz Carlton aus Blick auf die Fabrik

Besonders spannend am Terra finde ich übrigens die Kombination aus schickem Restaurant mit lustigem Feuerchen hinter Glas in der Mitte des Raums und dem Blick aus den großen Fenstern: Während man an anderen Orten versucht, Industrie möglichst zu verdecken, haben die Gäste hier den freien Blick auf die vier hohen Schornsteine der Volkswagen-Produktion. Ich mag das, weil mich Industriekultur reizt, doch hinter der Kulisse für unseren Burger steckt noch mehr. „Dort schlägt unser Herz“, sagt eine Bedienung, die im Vorbeigehen unseren Blick nach draußen gesehen hat. Sie nickt Richtung Fabrik: „Unser Herz und das von ganz Wolfsburg.“

Während wir essen, fragen wir uns, wieso das Ritz Carlton ausgerechnet in Wolfsburg ein Hotel eröffnet hat. Schließlich gibt es in der ganzen Bundesrepublik nur zwei – das andere steht in Berlin. Diese Frage klärt sich nicht wirklich. Doch Marcus Scharon, Director of Food & Beverage erzählt uns:“Als die Autostadt gebaut wurde, haben sich viele Hotelketten darum beworben, hier eine Dependance eröffnen zu dürfen, das Ritz Carlton ist es geworden“, sagt er. Für viele Gäste sei es das erste Mal, dass sie in einem fünf Sterne Hotel übernachten, weiß er. „Viele kommen wieder, manche als Tagesgast fürs Spa oder zum Brunch oder einer anderen unserer Veranstaltungen.“ Scharon verrät uns auch, dass das Ritz Carlton 170 Zimmer und zwei Suiten hat. Und wer in die Autostadt kommt, um seinen neuen Volkswagen abzuholen, der bekommt im Ritz Carlton natürlich Sonderkonditionen.

Wir waren von der Autostadt zum Mittagessen eingeladen und haben keinen Eintritt bezahlt.

Nicht nur für Auto-Fans: die Autostadt in Wolfsburg

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