Warum die Autostadt in Wolfsburg nicht nur für Auto-Fans einen Besuch wert ist

Im Autoturm
Im Autoturm

48 Meter hoch sind die beiden Glastürme, die die Autostadt in Wolfsburg überragen. Jeder Turm fasst 400 Autos, gut 500 werden von dort aus täglich ihren neuen Besitzern übergeben. Denn die Autostadt gehört zu Volkswagen, und wer einen VW oder einen Seat neu kauft, kann ihn dort selbst abholen. Allerdings sind nur ein Drittel der Besucher der Autostadt Fahrzeugabholer, die überwiegende Mehrheit der jährlich zwei Millionen Besucher kommt aus anderen Gründen: Sie will die Erlebniswelt Auto, den Themenpark Mobilität erleben.

Um daran seinen Spaß zu haben, muss man kein Auto-Fan sein. Denn die Autostadt ist voll mit Geschichte und Geschichten, mit Kultur und Design. Angefangen beim Eingang, Piazza genannt: Sie wird dominiert von einer stilisierten Weltkugel aus Aluminium, die einen Durchmesser von zwölf Metern hat und 4,5 Tonnen wiegt. Der Künstler, Ingo Günther, http://ingogunther.com hat die Datumsgrenze markiert, den Äquator und die Geodaten für Wolfsburg. Die Kugel spiegelt sich im transparenten Boden, unter dem 80 Globen stehen. Jeder Globus ist eine Datenvisualisierung, beispielsweise zeigt einer anhand dicker schwarzer Striche, was es bedeutet, wenn alle Staus weltweit im Jahr 2012 115 Mal um die Erde reichen.

Übrigens öffnet am 27. November die Zauberhafte Wunderwelt mit einer Eisbahn und einer musikalischen Reise nach New York, Moskau, London, Paris, Macau, Rio und L.A.

Links vom Eingangsgebäude ist das ZeitHaus, das weltweit meistbesuchte Automuseum, so heißt es – unter anderem mit einem Bugatti T57 der schon in den 1930er Jahren 200 Stundenkilometer gefahren ist. Insgesamt gibt es hier 60 Fahrzeugmarken aus unterschiedlichen Zeiten zu sehen. Derzeit läuft außerdem die Ausstellung Beziehungskisten, in der Gemeinsamkeiten zwischen Autos gezeigt werden – so stehen beispielsweise der erste und der letzte Käfer nebeneinander.

In den Markenpavillons von Porsche und Bugatti

Über das 28 Hektar große Gelände sind außerdem Markenpavillons verteilt: Lamborghini, Skoda, Audi, Seat, Volkswagen, Volkswagen Nutzfahrzeuge, Porsche und das Premium Clubhouse mit einem Bugatti. Für die Mitarbeiter der Autostadt ist der Lamborghini-Pavillon eine Art Uhr: In regelmäßigen Abständen gibt es dort eine Show, bei der ein Lamborghini auf einer drehbaren Fläche von außen nach innen gedreht wird. Sieht man ihn also wie angeschweißt von außen an der Pavillonwand, so weiß zumindest der Eingeweihte die Uhrzeit.

Wir sehen uns den Porsche Pavillon näher an: Eine überdimensionale graue Zunge streckt sich Richtung Lagune. Sie sieht aus, als ob sie aus Beton wäre, doch das Material wäre viel zu schwer. Tatsächlich ist es hohles Metall, und unter seinem Dach ist die Akustik so gut, dass Gäste gerne mal ein Liedchen anstimmen oder im Sommer dort Konzerte gegeben werden. Im Inneren fließt ein Strom von silberfarbenen Mini-Porsches an der Wand nach unten. Dort stehen auch drei echte Porsche, in die sich die Besucher setzen dürfen – allerdings erst, nachdem sie ihre Jacken ausgezogen haben. Die Mitarbeiter hier erklären die Autos sehr genau, stellen den Sitz für den potenziellen Fahrer ein, zeigen auf Wunsch auch den Kofferraum. Viele Besucheraugen beginnen hier zu leuchten.

Genau wie im Premium Clubhouse, wo ein verspiegelter Bugatti in einem verspiegelten Raum steht, angestrahlt von vielen kleinen Lämpchen. Der Motor wird separat zur Schau gestellt: „Mein Auto würde unter dem Gewicht dieses Motors zusammenbrechen“, sagt ein Besucher, der mit ehrfurchtsvollem Blick in die Vitrine schaut. Von hier sind es nur wenige Meter zum Hotel Ritz Carlton, das in die Autostadt integriert. Hier können Auto-Abholer zum Vorzugspreis übernachten. Wir essen dort auf Einladung der Autostadt einen Burger zu Mittag. Vom Hotel führt eine Straße zu den beiden Glastürmen. Die einzelnen Abschnitte sind sehr unterschiedlich: vom normalen Straßenbelag über Kopfsteinpflaster und Holzbohlen wird hier die Geschichte des Straßenbelags dokumentiert.

Im linken der beiden Glastürme können Besucher in einem angedeuteten Auto bis in den 20. Stock fahren. Das Besondere dabei: Sie werden genau so transportiert, wie die Autos um sie herum. Von oben hat man auf beiden Seiten einen tollen Blick: Auf einer Seite sieht man einen Teil des Werkes, dessen vier Schornsteine in der Weihnachtszeit als Adventskerzen fungieren. Es ist übrigens die größte Fabrik Europas und die zweitgrößte der Welt, 60.000 Mitarbeiter arbeiten hier. Auf der anderen Seite sieht man ins Innere des Turms mit seinen vielen Fächern und den vielen Autos, die bald von hier ihre reise zu ihrem neuen Zuhause antreten werden.

Infos zur Autostadt

  • Die Autostadt erreicht man bequem vom Bahnhof in wenigen Minuten zu Fuß.
  • In der Autostadt verhungert niemand: Es gibt zehn Restaurants mit saisonalen Angeboten aus regionalen Produkten. Eis, Nudeln und Brot werden hier selbst hergestellt.
  • Außer an Heilig Abend und Silvester hat die Autostadt täglich geöffnet.
  • Vier bis sechs Stunden muss man einplanen um einen Überblick zu bekommen. Wir haben in den 3,5 Stunden vor Ort längst nicht alles gesehen und planen darum bereits einen zweiten Besuch.
  • Der Eintritt an der Kasse kostet für einen Tag pro Erwachsenen 15 Euro. Übers Internet geht’s auch günstiger. Außerdem gibt es spezielle Angebote für den späten Abend oder Kombi-Angebote, wenn man beispielsweise auch ins Wissenschaftsmuseum Phaeno möchte. Die Turmfahrt oder ein Sicherheitstraining kosten zusätzlich.
  • Im Frühjahr gibt es die Movimentos Festwochen, ein Tanz- und Kulturfestival.

Wir waren als Blogger Gäste der Autostadt.

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