Sterneküche in Köln: Neobiota

Essen im Neobiota

Habt Ihr schon einmal Kerbelknolle gegessen? Genau – so habe ich auch geschaut, als mir die Bedienung bei meinem zweiten Besuch im Neobiota in Köln das Gericht erklärte. Das Sternerestaurant sitzt auf der Ecke Kleine Brinkgasse/Große Brinkgasse mitten in der Stadt. Es ist relativ klein, hat viel Glas auf den beiden Gebäudeseiten zur Straße, und ist innen eher kühl eingerichtet. Mir haben die Tische sehr gut gefallen, die Platte ist eine Kombination aus Holz und Beton. Das einzig wirklich auffallende Element im Restaurant ist der Stern, also die Auszeichnung für sehr gutes Essen, der rechts oben über der Arbeitstheke hängt.

Neobiota: kühler Chic

Grundsätzlich finde ich es ja gut, dass Sternerestaurants heute nicht mehr viel Chichi haben müssen, dass sie lockerer geworden sind, und man nicht steif wie ein Besenstiel auf dem Stuhl sitzen muss. Ich gebe aber zu, dass mir persönlich das Neobiota ein Hauch zu kühl ist. Möglicherweise hängt es auch damit zusammen, dass man ziemlich eng sitzt. Im Prinzip hat man gar keine andere Wahl, als mit den Nachbarn ins Gespräch zu kommen. Wir haben uns bei unserem ersten Besuch mit unseren am Ende des Abends darüber unterhalten, wo in Köln und Düsseldorf man gute Sterneküche bekommt. Beim zweiten Besuch war es deutlich leerer.

Was mir im Neobiota nicht gefällt, ist das angestrengte Duzen. Eigentlich ist es doch auch schön, dass wir ein Sie haben. Manche Restaurants nutzen darum ja das „Euchen“. Sie duzen also quasi als Gruppe, sprechen sie den Gast aber individuell an, siezen sie ihn. Das ist zwar kompliziert und kann einem ganz schön ins Schwitzen bringen, aber das Du als Pflichtanrede der hippen Szene finde ich auch etwas anstrengend.

Übersichtliches Menü im Neobiota

Sehr praktisch finde ich dagegen das Menü im Neobiota. Eigentlich legt man schon bei der Reservierung fest, wie viele Gänge man essen möchte. Das lässt sich zwar vor Ort noch ändern, aber im Prinzip weiß man so, was auf einen zukommt. Und die Köche wissen es mehr oder weniger auch, denn letztlich gibt es nur ein Menü, das man eben erweitern kann, wenn man möchte. Auch der Preis für die Weinbegleitung wird transparent genannt. Das war in Berlin im Einsunternull anders

Reservierung mit Strafandrohung

Wer über das Internet reserviert, muss seine Kreditkartennummer hinterlegen. Und wenn man nicht kommt, wird eben trotzdem ein Betrag X fällig. Ich finde das zwar den Restaurants gegenüber fair, weil ich immer wieder von No Shows höre. Andererseits denke ich, dass so alle Gäste unter Generalverdacht genommen werden, einen reservierten Tisch nicht abzusagen. Und das wiederum mag ich nicht so gerne. Davon abgesehen gibt es eben auch bei Gästen unvorhergesehene und schwierige Situationen. Bei meinem zweiten Besuch war ich mit zwei Freunden dort. Der eine arbeitet in Düsseldorf und muss dementsprechend früh dort losfahren, um pünktlich zum Abendessen in Köln zu sein. Just an diesem Abend hatte er aber leider unvorhergesehen eine wichtige Konferenz am späten Nachmittag aufs Auge gedrückt bekommen. Auf meine Nachfrage im Restaurant, wie wir damit umgehen wollen, gab es nur eine Lösung: Entweder er kommt – oder er kommt nicht. Im zweiten Fall hätten wir den vollen Menüpreis bezahlen müssen. Was mir noch angeboten wurde: Wir könnten später mit dem Essen beginnen, so dass derjenige, der aus Düsseldorf kommen sollte, mehr Puffer hat. Mein Vorschlag, eventuell nur die Hauptspeise zu nehmen und zu bezahlen oder später einzusteigen und anteilig zu bezahlen, wurde abgelehnt. Fair fand ich das nicht – schließlich war es kein böser Wille von uns. Ich habe übrigens zu diesem Thema schon einmal einen ausführlichen Artikel geschrieben, in dem auch ein Rechtsanwalt zu Wort kommt.

Interessante Getränkebegleitung

Sehr gut gefallen hat mir allerdings die Sache mit der Getränkebegleitung. Die Weinbegleitung war mir nämlich zu viel. Nach vier Gängen und vier Weinen habe ich einfach einen im Tee. Im Neobiota gibt es auch eine alkoholfreie Getränkebegleitung – und man kann beide auch mischen. So hatte ich zwei Weine und zwei Getränke ohne Alkohol. Ohne dass ich noch genau wüsste, was das war, war es ausgesprochen köstlich. Und ich würde das jederzeit wieder wählen.

Es hat geschmeckt

Das Menü selbst las sich etwas spartanisch und sehr gesund: „Radieschen mit Hagebutte und Rose“, „Neue Kartoffel mit saurer Sahne und Gartenkresse“ oder „Rosskastanie, Esskastanie, Schmand und Bucheckernsprossen“. Geschmeckt hat mir letztlich alles. Interessant finde ich die Empfehlung des Personals, das Essen immer gut mit dem Besteck zu vermischen, um alle Geschmäcker gleichzeitig im Mund zu haben. Gelernt habe ich im Neobiota, dass man das Radieschengrün essen kann – und dass es auch noch schmeckt. Ich habe mir vorgenommen, es zuhause das nächste Mal auch unter den Salat zu mischen. Etwas gewundert hatte mich der Nachtisch: Es gab Kastanien. Die hätte ich eher im Herbst verortet. So im Frühjahr und Sommer stehe ich ja auf die volle Fruchtigkeit von Erdbeeren, Himbeeren und Heidelbeeren und auf Pfirsich. Ganz zum Schluss gab es noch eine Kardamomschnecke – Kardamom, weil die Chefin Zimt nicht gut verträgt. Und Pralinen. Eine mit Kölsch. Endlich eine Möglichkeit, Bier auf leckere Art und Weise zu genießen. Ist sonst ja nicht so meins.

Dieser Artikel ist ursprünglich aus dem Juli 2019. Er wurde im März 2020 aktualisiert.

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