Porto. Stadt des Portwein

Blick vom Kloster ins Tal
Blick vom Kloster ins Tal

Dass Porto und Portwein irgendwie zusammen gehören, das lässt schon der Name erahnen. Früher, so erfahren wir bei einer Führung durch W&J Grahams Keller, stand auf jedem Holzfass mit Wein, das den Hafen verließ, der Name Porto, und so bekam der Süßwein, dessen Trauben an den steilen und felsigen Hängen des Douro wachsen, seinen Namen. Dabei spielte es schon damals keine Rolle, dass die Fässer mit Portwein genau genommen gar nicht in Porto lagern, sondern in Vila Nova de Gaia, der Stadt gegenüber, die durch die Ponte Luis I mit der zweitgrößten Stadt Portugals verbunden ist. Die Gründe dafür recht einleuchtend: Portos Flussseite war bereits mit Häusern zugebaut, als die Portweinherstelleung hier professionalisiert wurde. Und außerdem ist in Gaia die Temperatur kühler, was für die Lagerung des süßen Weins besser ist.

Trotzdem begegnet einem Portwein auch überall in Porto: zum Kuchen gibt’s statt Kaffee den Süßwein, in den kleinen Läden in der Stadt kauft man Portweinmarmelade oder -schokolade, und je nachdem kann man sogar noch wählen, von welcher Firma der enthaltene Wein stammen soll. Natürlich bieten auch hier viele Restaurants eine Verkostung an. Doch wer in den vollen Portweingenuss kommen will, der fährt nach Gaia und geht dort die Uferpromenade entlang: Sandemann, Burmester, Ramos Pinto oder etwas weiter den Berg hoch eben W&J Graham: überall gibt es eine Führung, ein Wein-Tasting und einen Shop. Einziger Unterschied: bei Grahams sollte man vorher reservieren. Und da diese Weinkeller nicht an der Durchgangsstraße liegen, bin ich ziemlich überrascht, dass dort sonntagmorgens um 11 Uhr trotzdem gut 20 Leute aus England, Frankreich und Deutschland zu einer Tour zusammen kommen. Der Preis hängt von den Weinen ab, die man im Anschluss verkosten will, die günstigste Tour kostet 15 Euro im Februar 2018. Mit der PortoCard bekommen Besucher 10 Prozent Rabatt.

Was es zu sehen gibt in der Portwein-Kellerei

Dafür kann man sich zunächst Dokumente aus der Entstehungszeit des Unternehmens in einem Tisch mit Glasplatte ansehen – inklusive dem Dankesschreiben aus dem englischen Königshaus zu einer limitierten Sonderabfüllung zum diamantenen Jubiläum der Queen. Dann zeigt ein etwa zehnminütiger Film die Geschichte der Firma, und auch, worauf es bei der Produktion ankommt. Und schließlich geht man durch den Keller mit großen Holzfässern, wo Wein gelagert und gemischt wird bis zu den Räumen, in denen die besonders guten Jahrgänge in Flaschen lagern. Schließlich gibt es die Verkostung: Wir testen klassische Portweine und die exklusiveren Twanys. Während die günstigeren deutlich süßer sind, schmeckt der 10-jährige Twany ganz klar nach Eiche. Bei den Ruby Portweinen ist der von 2012 weicher und süßer als der 6 Grapes. Dieser passt übrigens gut zu Schokolade, erfahren wir von der jungen Dame, die mit uns die Führung macht. Und man kann ihn bis zu drei Monate offen aufbewahren. Den 2012er dagegen trinkt man besser zu Käse wie Blue Stilton, und man genießt ihn eher kühl

Ungeklärte Frage: Wie kam’s zum Portwein?

The Twany wiederum ist weicher als der 20-jährige Twany. Durch die Mischung an Portweinen kommt er auf ein durchschnittliches Alter von sieben Jahren. Der 20-jährige schmeckt deutlich süßer als der herbere 10-jährige. Grundsätzlich gilt jedoch, dass ältere Portweine weniger fruchtig schmecken und eher haselnussig oder schokoladig werden. Je nachdem, welchen Portwein man hat, sollte man ihn übrigens kühl lagern. Für einige Flaschen gilt außerdem, dass Sie innerhalb von drei Tagen geleert werden sollten, weil sie sich sonst in Essig verwandeln. Sinnvollerweise erkundigt man sich also schon beim Kauf, wie man seinen Portwein am besten lagert.

Bleibt noch die Frage, wie es überhaupt zum Portwein kam: Mönche, so heißt es bei der Führung, hätten süßen Wein gekeltert, der nicht haltbar war. So mischten sie Alkohol unter, um ihn zu konservieren. Und fertig war der Portwein. Eine andere Variante der Geschichte hörte ich einst in Hamburg bei einem Rum-Tasting: Weil früher auf See kein sauberes Wasser zur Verfügung stand, hat man den Matrosen, die aus Portugal und Spanien die Welt umsegelten, in den Fässern Wein mitgegeben. Da dieser nun sehr lange in den Fässern lagerte, und es im Süden mollig warm war, entstand mehr oder weniger per Zufall der Portwein beziehungsweise der Madeira-Wein. Wahrscheinlich steckt in beiden Geschichten ein Körnchen Wahrheit – wie so oft.

In der Umgebung

Zurück am Flussufer gibt es jede Menge Möglichkeiten, sich zu stärken. Speziell die Markthalle ist ein netter Ort: Davor stehen am Sonntagmorgen kleine Gruppen, nicht mit einem Glas, sondern gleich mit ganzen Flaschen voller Portwein. Dazu gibt es frittierte Kablejau- und Hackfleischbällchen. Portugal, wie es sein muss. Genau gegenüber fährt die Seilbahn, die einen tollen Blick auf die Städte und die Brücke ermöglicht, aber auch unverhältnismäßig teuer ist. Mit der PortoCard gibt es einen kleinen Rabatt. Am Ziel angelangt, lohnt es sich, die wenigen Meter bis zum Kloster nach oben zu gehen. Auch von dort ist der Blick gut. Im Gebäude gibt es eine Ausstellung zu den Weltkulturerbestätten in Portugal. Und direkt am Ausstieg der Seilbahn ein Café, von dem aus man den Blick ins Tal genießen kann.

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