Grasse: Wo Artenvielfalt mehr als nur ein Wunsch ist


In den Gärten von Grasse

Ganz hinten, unter den Ästen der Olivenbäume, kann man die ockerfarbenen Häuser von Grasse noch erahnen. Doch während in der Stadt ein ziemliches Gewimmel von Menschen, Autos, Bussen und Lastwagen herrscht, sind die Gärten des internationalen Parfümmuseums, les jardin du musée international perfumerie, ein ausgesprochen paradiesischer Ort: Hier wimmelt es zwar auch, aber es sind Ameisen, die ihre Nester bauen, Bienen, Wespen und viele andere Insekten. Für sie lässt Chefgärtner Christophe Mege sogar einen Teil der Wiese stehen: Dort findet alles, was kreucht und fleucht, Nahrung und Heimat. Im Wasserbecken des Gartens zeigt sich gar der neugierige Kopf einer Schlange an der Oberfläche – und das passiert gar nicht so selten, wie Christophe versichert. Er arbeitet seit 2009 in diesem kleinen Paradies, keine zehn Kilometer von der Weltstadt des Parfüms, Grasse, entfernt, nah genug an Cannes und Nizza, um von der Küste einen Tagesausflug dorthin zu machen.

Artenvielfalt zum Anfassen

Die Gärten wurde 2007 gegründet. Ihr Ziel ist es, die Parfümpflanzen aus der ganzen Welt den Besuchern zugänglich zu machen, so dass sie mit einem Duft auch ein Gewächs verbinden können. Auch darum dürfen sie die Pflanzen anfassen, Blätter und Blüten reiben, und den Geruch genießen. Die beste Zeit, den Garten zu besuchen, ist im Mai, denn dann blühen auch die Rosen, für die Grasse so bekannt ist. Wenn man die üppige Natur dort im Sommer bewundert, mag man vergessen, dass es im Winter in den Bergen auch recht kühl werden kann: „Wir haben hier bis minus zehn Grad“, sagt Christophe. Da das für einige exotische Pflanzen zu kalt ist, gibt es auch ein Gewächshaus. 

  • In den Gärten (Foto: J. Düspohl)
  • Zitrusfrüchte in Grasse (Foto: J. Düspohl)
  • Die Stadt im Hintergrund (Foto: J. Düspohl)
  • Frühling in Grasse (Foto: J. Düspohl)
  • Artenvielfalt in Grasse (Foto: J. Düspohl)
  • Hier lässt es sich aushalten

Artenvielfalt hilft dem Gärtner

Der Garten arbeitet streng ökologisch: Schadstoffe sind tabu, und man düngt mit dem eigenen Kompost, der aus gemähtem Gras, vertrockneten Pflanzen und sogar kleinen Ästen gemacht wird. „Manche sagen, man sollte das gemähte Gras nicht zu Kompost machen, weil man dann viele Samen überall verstreut. Wir machen das trotzdem“, sagt Christophe. „Die Natur sucht sich ihren Weg.“ Bienen, Schlangen, Frösche und Vögel freut das – und die Besucher auch. Außerdem ist die Artenvielfalt bei den Tieren und Pflanzen das Geheimnis, um den Garten gesund zu halten, ist sich Christophe sicher. „Je mehr Insekten, Frösche, Vögel und Schlangen wir haben, umso schöner wird unser Garten sein“, sagt er. „Hat man alle diese Tiere im Garten, entsteht ein natürliches Gleichgewicht, das dabei hilft, Schädlinge wie beispielsweise Blattläuse fern zu halten.“ Darum versucht er auch, möglichst viele unterschiedliche Pflanzen in den Garten zu bekommen, wildwachsende und zugekaufte, sicherlich 800 Pflanzenarten gebe es hier, sagt Christophe. Allein sechs bis zehn unterschiedliche Minzsorten kann der Besucher hier befühlen und riechen – von über 40, die es weltweit gibt. „Wo viele verschiedene Pflanzen sind, fühlen sich auch viele Tierarten zuhause“, sagt Christophe. „Ganz abgesehen davon, dass Biodiversität auch dem Gärtner hilft: Er hat weniger zu tun, wenn die Natur einen Teil der Arbeit übernimmt.“

Zwar wächst nicht immer alles so, wie es ein Gartenarchitekt und ein Parfümeur einst zusammen geplant haben: Fenchel, Borretsch, Callendula und kalifornischer Mohn beispielsweise vermehren sich dort, wo es ihnen am besten gefällt. Und Christophe und seine drei Kollegen lassen sie gewähren. Denn letztlich zählt das Ergebnis.

Was ich im Garten gelernt habe

  • Viele Pflanzen, die in der Küche wichtig sind, kommen auch in Parfümen vor: Sellerie, Pfeffer oder Koriander beispielsweise.
  • Fruchtige Noten im Parfüm stammen nicht von Obst, sondern werden synthetisch hergestellt. Im Garten gibt es trotzdem auch Obstbäume, um den Geruch vor Ort präsent zu haben.
  • Mandeln haben eine grüne samtige Hülle, wenn sie am Baum hängen. Bisher kannte ich sie nur in der Plastiktüte aus dem Supermarkt.
  • Grasse ist besonders bekannt für die Mai-Rose, die Centifolia Rose. Sie blüht nur einen Monat und ist sehr teuer. Wie auch beim Jasmin war der Anbau in Grasse stark zurückgegangen, weil er zu aufwändig und teuer war. Doch seit neuestem gibt es wieder einige jüngere Blumenzüchter, die sich speziell auf die Mai-Rose, aber auch den Jasmin konzentrieren.
  • Auch die Wurzeln der Iris werden für Parfüm benutzt. Ein Kilo kostet ab 30.000 Euro.

Dieser Artikel entstand im Rahmen der Blogparade „Mir ist Artenvielfalt wichtig, weil …“ von Bioland #bloggenfuerartenvielfalt #natuerlichgehtsumsganze #wirackernfuerartenvielfalt

Tourisme Pays de Grasse hat uns zu einer Führung eingeladen.

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