Städtetrip nach Metz

Was fällt dir zu Metz ein? Nichts? Dann solltest du auf jeden Fall weiterlesen. Denn die kleine Stadt im Nordosten Frankreichs, ganz nah an Deutschland, Luxemburg und Belgien, ist eigentlich eine kleine Perle. Die Altstadt bleibt schon alleine durch die Farbe ihrer Gebäude im Gedächtnis: Der Sandstein hat eine gelbliche Färbung, und so wirkt hier alles ziemlich warm. Manche Haustüren sind übrigens richtige Portale, weil man die Fassaden an vielen Gebäuden im alten Stil wiederherrichten ließ.

Außerdem ist Metz eine alte Stadt, in der man eine ganze Menge europäische Geschichte erleben kann. Metz – die Franzosen sprechen es übrigens „Mess“ aus – war nämlich mal deutsch, mal französisch, dann wieder deutsch und wieder französisch. Logisch, die Zugehörigkeit zu einem anderen Land läuft selten friedlich ab. Trotzdem sind die Deutschen heute in Metz wieder willkommen – beispielsweise einmal im Jahr zur Semaine franco-allemand, der deutsch-französischen Woche. Gleichzeitig müssen sich Besucher aber damit auseinandersetzen, dass man nicht nur gute Erinnerungen an sie hat.

Deutsche Spuren in Metz

Ein Bauwerk in Metz ist den Nachbarn aus Deutschland gewidmet: Die Porte des Allemands, das Tor der Deutschen. „Das hat aber weder mit der Annexion zu tun noch mit dem zweiten Weltkrieg“, sagt die Dame, die uns durch die Stadt führt und sowohl auf französisch als auch auf deutsch erklärt, was die Besucher sehen. Vielmehr hatte der Deutsche Orden, der sich schon früh in Metz niedergelassen hatte, ein Krankenhaus schräg gegenüber des Stadttors gebaut. Und weil außerdem die Straße, die durch das Tor führte, Metz mit Mainz verband, war das eben die Rue des Allemands und die Porte des Allemands. Das Stadttor ist besonders gut erhalten – weil die Deutschen während des zweiten Weltkriegs es sich nicht nehmen ließen, das ihnen gewidmete Tor häufig zu renovieren. Die zweisprachigen Führungen werden von Inspire Metz angeboten.

Porte des Allemands

Auch die protestantisch-lutherische Kirche in der Rue Mazelle geht auf die Deutschen zurück: Als sie im und nach dem deutsch-französischen Krieg in die Stadt zogen, hatten sie keine entsprechenden Glaubenshäuser. Darum bauten sie diese Kirche. Sie wird heute noch genutzt, obwohl die Deutschen, die sie damals bauten, und auch ihre Nachfahren nach dem Ende des ersten Weltkriegs des Landes verwiesen worden waren.

Große Kunst im Centre Pompidou – Metz

Die Hauptsehenswürdigkeit der Stadt ist zweifellos das Centre Pompidou – Metz, ein Ableger aus Paris. Das Gebäude an sich mit seinem geschwungenen Dach ist schon Kunst. „Insgesamt wurden 18 Kilometer Holz verbaut“, erklärt mir Anne Fleury aus der Kommunikationsabteilung. Und: Die Fahnenstange auf dem Dach ist 77 Meter hoch – als Erinnerung an die Eröffnung des Centre Pompidou in Paris im Jahr 1977.

Wer mit dem Aufzug ganz nach oben fährt, hat von dort einen guten Blick über die Struktur des Gebäudes. Es gibt vier Kuben, in jedem ist eine Ausstellung. „Wir haben vier bis sechs Ausstellungen pro Jahr“, sagt Anne, „2019 werden es sogar sieben sein“. Im Centre Pompidou – Metz gibt es keine Dauerausstellung, nur Wechselausstellungen. In der Regel werden dort Werke von zeitgenössischen Künstlern gezeigt. Weil die nicht immer leicht zu verstehen sind, gibt es in jeder Ausstellung Kunstmediatoren, die man an ihren roten Taschen erkennt: „Sie kann man einfach um Hilfe bei der Interpretation bitten“, erklärt Anne. Außerdem gibt es so genannte Flash-Führungen, bei denen man in nur 15 Minuten das Wichtigste zu einer Ausstellung vermittelt bekommt. Das Centre Pompidou – Metz bietet sogar Führungen für Kleinkinder mit Eltern an, um schon die ganz Jungen an Kunst heranzuführen. Hier sind Kinder zwischen 18 Monaten und drei Jahren willkommen. 

Gewusst? Das Centre Pompidou hat in Metz einen Ableger, weil man dort Kunst für viele Europäer bieten kann: Unter den Besuchern sind auch Luxemburger, Belgier und vor allem viele Deutsche. Mehr als 70 Prozent der Besucher kommen aber aus der Nähe. Das Durchschnittsalter liegt bei 47 Jahren. Zwei Stunden sollte man auf jeden Fall für einen Besuch einplanen. Die meisten Ausstellungen sind außerdem multimedial: Neben der Kunst zum Sehen gibt es häufig auch passende Töne, Videos und Texte.

Und wenn man schon in dieser Ecke der Stadt ist: Das Einkaufszentrum gegenüber hat einen Preis gewonnen, und der neu entstehende Stadtteil zeigt spannende, moderne Architektur.

Musée de la Cour d’Or

Etwas labyrinthisch ist das Museum La Cour d’Or, also der Goldene Hof. Zwar bekommt man am Eingang einen Plan und eine genaue Erklärung wie man die Orientierung behält – ich habe mich beim Treppauf-Treppab trotzdem verlaufen. Das Museum zeigt 2000 Jahre Stadtgeschichte mit römischen Thermen, bemalten Holzdecken aus dem Mittelalter, Schreinerarbeiten, Gemälden und noch viel mehr. Ich hätte von außen niemals erwartet, dass es so groß ist. Man kann sich dort gut eineinhalb Stunden verlieren.

Tipp: Im City Pass ist der Eintritt ins Centre Pompidou – Metz und in das Museum La Cour d’Or enthalten. Außerdem bekommt man damit in einigen Restaurants und Läden einen Preisnachlass.

Kirchen in Metz

Kirchen interessieren natürlich nicht jeden Touristen. In Metz gibt es aber drei Kirchen, die man sich alleine aufgrund der Fenster ansehen sollte. Das sind

  • Saint-Étienne. Die Kathedrale von Metz feiert ab Dezember ihr 800-jähriges Bestehen. Auf mich wirkt sie innen höher als der Kölner Dom, was sie aber nicht ist. Estelle, die mich durch Metz führt, sagt, dass diese optische Täuschung mit den sehr großen Fenstern zusammenhänge. Einige der Fenster sind übrigens von Marc Chagall gestaltet. Sie sind großflächig bunt, und sehen nicht wie die üblichen Kirchenfenster aus. In der Kathedrale gibt es eine Krypta und einen Tresor. Der Eintritt dafür liegt bei vier Euro. In der Krypta stehen Modelle anderer französischer Kathedralen. Im Tresor sieht man ausgerechnet das wichtigste Ausstellungsstück nicht: Der Mantel, der angeblich Karl dem Großen gehört haben soll, darf nicht dem Licht ausgesetzt werden. Darum wird er nur an einem Tag im Jahr gezeigt. Ansonsten wird dort gezeigt, was man üblicherweise in Kirchenschätzen sieht: Bischofsstäbe beispielsweise und Monstranzen. Fotografieren durfte ich dort leider nicht.
  • Saint-Maximin. Eine Kirche irgendwo zwischen Romanik und Gotik mit Rokoko am Hauptportal. Von außen sieht sie irgendwie unscheinbar und verbaut aus. Ihren Schatz enthüllt sie erst, wenn man drinnen ist: Jean Cocteau hat die türkis-grünlichen Fenster gemacht. Viele Motive erinnern an afrikanische Gemälde und haben wenig mit katholischen Inhalten zu tun. Hypnotisierend, finde ich.
  • Saint-Eucaire. Eine Kirche aus dem fünften Jahrhundert mit sehr farbenfrohen Fenstern.

Laufen in Metz

Metz ist eine ausgesprochen grüne Stadt mit vielen Parkflächen und dem Flussufer. Man kann dort also ziemlich gut laufen. Ich war recht langsam unterwegs, weil ich so viele schöne Flecken gesehen habe, die ich fotografieren wollte. Die Laufstrecke könnt Ihr bei Komoot herunterladen.

Bootfahren in Metz

In Metz gibt es Solar- und Elektroboote. Sie haben gleich drei Vorteile:

Mit dem Boot rund um Metz
  • Sie stinken nicht.
  • Man hört sie nicht. Dadurch wird die Fahrt entlang der grünen Ufer zu einer Art Meditation.
  • Und weil man sie eben nicht hört, fühlen sich auch die Tiere nicht gestört. So kann man Reiher und viele andere Vögel ganz nah sehen.

Inspire Metz hat mich zu einer Bootsfahrt mit Bateaux GD Vacances Metz eingeladen. Der Anbieter hat Gruppenboote oder kleine Bötchen für bis zu sechs Personen. Letzteres ist natürlich eine durchaus familiäre Angelegenheit und schöner als in einer großen Gruppe. Letztendlich muss jeder selbst wissen, ob einem die Fahrt den höheren Preis wert ist: Im Privatboot zahlt man 80 Euro. Das große Ausflugsboot kostet im Mai 2019 8 Euro pro Person.

Als Journalistin halte ich mich an den Pressekodex des Presserats. Ich war von Inspire Metz zu diesem Städtetrip eingeladen. Die Agentur hat die Kosten für die Unterkunft und Verpflegung übernommen sowie für den City Pass und die Bootsfahrt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: