Für Literatur-Freunde: Jean Paul Stube in Bayreuth

Blick in die Gästebücher
Blick in die Gästebücher

Der Name Jean Paul sagt dir nichts? Gar nichts? Dann geht es dir so, wie es mir bis zu meinem Wochenende in Bayreuth ging. Dort wohnte der fränkische Autor nämlich von 1804 an bis zu seinem Tod 21 Jahre später, ein Zeitgenosse Goethes also. Wobei das mit dem Wohnen nicht so einfach war: Jean Paul hatte nämlich einige Besonderheiten. Bis er in der ehemaligen Gaststätte Rollwenzelei einen Raum zum Arbeiten bekam, war ihm bereits mehrfach der Wohnraum gekündigt worden, erzählt uns die Dame, in deren Haus das kleine Privatmuseum untergebracht ist. Jean Paul züchtete beispielsweise Fliegen. Und Frösche. Die Fliegen, die als Futter für die Frösche gedacht waren, hatten einmal am Tag Ausflug. Und die Frösche dienten seinen Wettervorhersagen, waren jedoch nicht sehr zuverlässig. Über beide Tiere freut sich nicht jeder Vermieter.

Jean Paul legte übrigens größten Wert darauf, dass „Paul“ deutsch, und nicht französisch ausgesprochen wurde. Außerdem mochte er das Bayreuther Bier, vielleicht auch ein wenig zu sehr, und bei jedem Wetter saß er unter der 300 Jahre alten Eiche im Hof der Rollwenzelei und genoss die Natur. Heute ist in dem Haus übrigens längst keine Gaststätte mehr, und wer das Privatmuseum besuchen möchte, kündigt sich besser vorher an. Parken ist nicht ganz einfach, aber vor dem Tor zum Hof hat mindestens ein Auto Platz. Dort muss man auch hinein, um in die Jean Paul Stube zu kommen, der Weg führt über eine Außentreppe nach oben, und vorbei an einer Büste, die dem Leser von Jean Pauls Werken gewidmet ist. Sie seien heute eher unverständlich, erfahren wir bei einem Stadtrundgang durch die Altstadt, der dort an einem Jean Paul Denkmal vorbeiführt. Sehr romantisch habe er geschrieben, sehr verästelt, so dass sich die Damen von Gesellschaft gerne in seinen Romanen verloren hätten.

Historischer Staub und interessante Gästebucheinträge

Es muss ein ordentliches Stück Arbeit gewesen sein, die Jean Paul Stube zu renovieren. Das geht zumindest aus der Dokumentation hervor, in die wir in der ehemaligen Rollwenzelei einen Blick werfen. Bei der Renovierung des Ofens, so erfahren wir, habe man kleine Fläschchen mit Selbstgebranntem gefunden, die kann man jetzt noch hinter einer dicken Glasscheibe am Fundort sehen. Zusammen mit einem kleinen Häufchen Dreck, den die Hausbesitzerin wegsaugen wollte. Durfte sie aber nicht, schließlich handele es sich dabei um historischen Staub. Und so kann man auch ihn hinter der Glasscheibe bestaunen.

Unter Glas liegen übrigens auch die historischen Gästebücher – mit Grund: Häufig seien einzelne Seiten herausgerissen und mitgenommen worden. Nach dem Krieg habe man ihr sogar eine Seite anonym aus den USA zugeschickt, sagt die Hausbesitzerin. Die wichtigsten Seiten aus den Gästebüchern hat man allerdings kopiert und ausgelegt. Und so können heutige Besucher unter anderem einen Eintrag des Kritikers Alfred Kerr entziffern sowie die Unterschrift Alfred Hitlers.

Jean Paul ist übrigens in der Stadtmitte neben dem Richard Wagner Museum ein weiteres Museum gewidmet.

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