Bayreuth: Im Freimaurer-Museum

Freimaurerei geht auf Steinmetze zurück

Jeder hat schon von ihnen gehört. Aber kaum jemand kann etwas Konkretes über sie sagen: Freimaurer. Viele denken, es gebe sie nicht mehr, andere bringen Bücher und Filme wie Illuminati mit ihnen in Verbindung, in denen es um einen Kriminalfall im Vatikan geht. Wieder andere halten sie für einen Geheimbund, der heimlich die Strippen in der Politik und Wirtschaft zieht. Tatsächlich gibt es heute noch Freimaurer in Deutschland und in anderen Ländern. Rund fünf Millionen sollen es laut Wikipedia weltweit sein. Und auch wenn es sich um eine recht verschwiegene Gruppe von Menschen handelt, so haben doch einige Logen in der Zwischenzeit Internetseiten, einen Twitteraccount und Öffentlichkeitsarbeiter. Logen sind die Orte, in denen sich die Freimaurer treffen. In Bayreuth beispielsweise ist die Loge im gleichen Gebäude wie das Freimaurer-Museum.  Das wiederum leitet Thad Peterson, der gleichzeitig die Öffentlichkeitsarbeit dort übernommen hat. In der Bayreuther Loge ist außerdem eine der größten deutschsprachigen Freimaurerbibliotheken der Welt. 

Was sind denn diese Freimaurer?

Auf einigen Internetseiten kann man lesen, was Freimaurerlogen nicht sind: keine Sekte, kein Stammtisch, kein Debattierzirkel. Schwieriger scheint die Antwort auf die Frage zu sein, was sie denn konkret sind. Dazu findet man nämlich nur schwammige Informationen. Auch Peterson hält sich dabei bedeckt: „Freimaurer handeln nach dem Motto ‚Tue Gutes und schweige darüber’“. Ihr Ziel sei es, die Gesellschaft brüderlicher, menschlicher und toleranter zu machen. Wie genau das geht, darüber schweigen die Freimaurer jedoch. Spenden für Hilfsbedürftige gehörten dazu, erfahre ich. Doch das sei nur ein kleiner und vor allem unwichtiger Teil. Ich vermute, dass es genau dieser nebulöse Teil ist, der die Freimaurer so geheimnisumwoben erscheinen lässt. Und weil der Freimaurer immer nach Vollkommenheit strebt – wohlwissend, dass er diese nicht erreichen wird – wird den Logen ein Sektencharakter oder zumindest eine gewisse Religiosität unterstellt, vermute ich. Zugegeben: Auch ich kann nach meinem Gespräch mit Thad Peterson den Begriff der Freimaurer nicht näher definieren. Aber einige spannende Informationen habe ich trotzdem zusammengetragen:

Zahlen, Daten, Fakten rund um die Freimaurer

  • Die Freimaurerei kam 1737 aus England nach Deutschland – und die erste Loge existiert noch immer, und zwar in Hamburg.
  • Typische Zeichen der Freimaurer sind der Zirkel und der Winkel sowie die Zahl 3. Das Winkelmaß steht dafür, dass man aufrecht sein soll, der Zirkel steht für den Kreis, in dessen Mittelpunkt man selbst ist. Er zeigt einem aber auch seine Grenzen auf. Und dann gibt es noch die Wasserwaage. Ist sie in Balance, sind alle gleich. 
  • Die Zahl der deutschen Freimaurer soll leicht gestiegen sein – Peterson sagt, im letzten Jahrzehnt auf etwa 15.000 in Deutschland. Obwohl es also Nachwuchs gibt, gebe es auch einige überalterte Logen, in denen die meisten Mitglieder über 70 sind.
  • Freimaurer tragen einen Schurze. Das ergibt sich aus der Geschichte: Schließlich geht der Ursprung auf Steinmetze zurück, die eben eine Schürze bei der Arbeit tragen, um sich zu schützen.

Wer kann Freimaurer werden?

Die Ursprünge der Freimaurerei liegen bei den Steinmetzen. Doch heute kann dort zumindest theoretisch jeder Mitglied werden: Dementsprechend gibt es in der Bayreuther Loge Schreiner, Bauern, Rechtsanwälte, Oberärzte oder Germanisten. Noch etwas hat sich zu früher verändert: Die Logen waren einst den Männern vorbehalten. Peterson weiß jedoch: “Es gibt heute in Deutschland rund 20 gemischte Logen und 27, in denen nur Frauen Mitglied sind“. Eine davon ist in Köln. Sie heißt Sci Viam.

Und was gibt es jetzt im Freimaurer-Museum zu sehen?

Das Freimaurer-Museum an sich ist ein großer Raum, dessen Wände mit blauem Licht angestrahlt werden. 15.000 bis 20.000 Exponate besitzt das Museum, viele sind recht klein: Die so genannten Bijou – aus dem Französischen für Schmuckstück – sind die Abzeichen der Logen. Und davon gibt es so viele, dass mehrere sich drehende Vitrinen damit gefüllt sind. Auch Plakate findet man hier, Gemälde, aufwändig bestickte Schurze oder dreieckige Taschenuhren. Und, worauf Peterson besonders stolz ist: Zwei der weltweit drei noch vorhandenen Abzeichen des Illuminatiordens sind in Bayreuth. Im Museum gibt es außerdem drei Hörstationen, in denen die Besucher mehr darüber lernen, was es bedeutet, Freimaurer zu werden. Der Weg führt nämlich wie bei der Ausbildung vom Lehrling über den Gesellen zum Meister. So ist der Lehrling eben noch recht ungeschliffen. Er soll seine Kanten und Ecken erkennen und abschlagen, bevor er Geselle wird. Der Geselle ist schon deutlich reifer. Und der Meister, der sicherlich am meisten Erfahrung hat, muss sich auch schon mit seinem Tod auseinandersetzen. Schließlich gehört dieser zum Leben dazu.

5000 Besucher kommen übrigens jedes Jahr ins Freimaurer-Museum, etwa 70 Prozent seien keine Freimaurer, sagt mit Peterson. Auf meine verblüffte Frage, woher er das wisse, sagt er mir, dass sich Freimaurer oft gegenseitig erkennen, ohne darüber gesprochen zu haben. Das verblüfft mich fast noch mehr. Peterson erklärt es mir so: 

  • Freimaurer geben ihm oft die Hand – andere Besucher eher selten. 
  • Freimaurer besuchten die Ausstellung in der Regel gegen den Uhrzeigersinn. Das allerdings liegt ganz profan daran, dass rechts vom Eingang die Bijou-Vitrinen stehen, und jeder Freimaurer gerne sein Logen-Abzeichen finden möchte. 
  • Außerdem verweilten sie vor einigen Objekten länger als vor anderen. Das seien oft Ausstellungsstücke, die für sie eine besondere Bedeutung haben, für andere Besucher jedoch nicht.

Wie wird man Freimaurer?

Wer zu den Freimaurern gehören möchte, nimmt am besten über das Internet zu einer Loge Kontakt auf. Denn die Logen veranstalten regelmäßig öffentliche Veranstaltungen. Zu denen kann also auch kommen, wer kein Mitglied ist. Davon unabhängig treffen sich Freimaurer übrigens regelmäßig und oft – das kann einmal die Woche, zwei- oder dreimal im Monat sein. Ist der Kontakt einmal aufgenommen, so erklärt es mir Peterson, und so steht es auch im Internet, lernen sich beide Seiten kennen. Das kann lange dauern. Will man schließlich Mitglied werden, stellt man einen Antrag. Über ihn stimmen alle Logenmitglieder ab, und zwar mithilfe von schwarzen und weißen Kugeln. Sie werden anonym in ein Kästchen geworfen. Bei dieser so genannten Ballotage oder Kugelung muss ein einstimmiges Ergebnis erzielt werden. Sind unter den weißen Ja-Kugeln auch schwarze Nein-Kugeln, müssen deren Besitzer innerhalb von drei Tagen ihre schwerwiegenden Ablehnungsgründe vortragen. Wer sich bei der Abstimmung enthalten möchte, bleibt der Veranstaltung fern. Und falls ein Kandidat keine Chance hat, wird er im Voraus dezent gefragt, ob er sich sicher ist, dass er einen Aufnahmeantrag stellen möchte. Denn wer einmal abgelehnt wurde, wird auch zu einem späteren Zeitpunkt nicht aufgenommen werden. Wer dagegen mit dem Antrag noch wartet, kann eventuell später bessere Chancen haben.

Als Journalistin halte ich mich an den Pressekodex  des Presserats.  Die Kosten für die Unterbringung, einen Teil der Verpflegung und die Eintritte während der zwei Tage in Bayreuth 2019 sowie 2016 wurden vom Veranstalter, Bayreuth Marketing und Tourismus, getragen. Die Kosten für die Anreise, die Cocktails und einen Teil der Verpflegung habe ich selbst übernommen.

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