Mini-Kreuzfahrt von Stockholm nach Tallinn und zurück

Mini-Kreuzfahrten auf Fähren
Mini-Kreuzfahrten auf Fähren

Von Stockholm geht eine Fähre der Tallink Silja regelmäßig nach Tallinn, also nach Estland. Da wollte ich schon immer einmal hin, und die Anreise über Stockholm finde ich reizvoll, weil man so an einem verlängerten Wochenende gleich zwei Städte und Länder erleben kann. Theoretisch könnte man sogar noch Helsinki, also Finnland einbauen, dazu sollte man aber einen weiteren Tag anhängen. Als mir Tallink Silja anbietet, eine Bloggerreise auf ihrer Fähre nach Tallinn zu machen, überlege ich darum nicht lange und sage zu.

Der Flieger nach Stockholm geht morgens um kurz vor sieben. Das heißt also, um vier Uhr aufstehen und ab zum Flughafen. In Stockholm nehmen wir den Arlanda Express in die Stadt. Der kostet allerdings an diesem Freitag für zwei Personen um die 30 Euro, aber dafür ist man in 20 Minuten am Hauptbahnhof. Von dort fährt die T13 bis zur Haltestelle Gärdet. Der Hafen Vartahamnen ist bereits an der Haltestelle ausgeschildert, zu Fuß ist man ungefähr zehn Minuten unterwegs.

Im Fährgebäude geben wir am Selbst-Check-in unsere Reservierungsnummer und eine Kontrollnummer ein und bekommen unsere Tickets. Ab 15.30 Uhr darf man an Bord. Ich bin überrascht, wie groß die MS Romantika ist. Beim Einsteigen sieht sie aus wie ein richtiges Kreuzfahrtschiff. Unsere Kabine ist in einem Flur mit Laminat, die Wände sind frisch gestrichen. Die Kabine selbst dürfte allerdings gerne überholt werden: Die Klappbetten sind etwas zerschlissen, das Betttuch und die Jalousie haben Risse. Ganz anders die MS Victoria I, auf der wir aus Tallinn zurückkommen: Sie ist etwas jünger und wirkt alles in allem frischer, schöner und weniger verbraucht.

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Auf Deck 6 ist auf beiden Schiffen zollfreier Einkauf möglich: Die Preise für Schokolade und Lakritz sind fair. Wir wundern uns aber über die Alkoholmengen, die viele Passagiere kaufen: Der Mann vor uns in der Schlange an der Kasse kauft 20 Flaschen Rum, die im Angebot waren. Uns scheinen die Preise zunächst gar nicht so günstig zu sein. Allerdings bemerke ich später, dass der estnische Likör Vana an Bord rund acht Euro kostet, würde man ihn in Deutschland beispielsweise bei Amazon bestellen, ist der Preis doppelt so hoch. Auch der Weinpreis unterscheidet sich deutlich zu den Preisen in Stockholm: An Bord gibt es ein Glas guten Weins für knapp fünf Euro. Im Restaurant in Schweden kostet das günstigste Glas 7,50 Euro.

Um 17.30 Uhr legen wir in Stockholm ab: Auf Dem Sonnendeck versammelt sich eine feierwütige Masse junger Leute, einige sind schon angeheitert, andere werden zumindest das am Ende der Nacht sein. Zurück in Stockholm erzählt uns die Schwedin Madelene einige Tage später, dass das in der Nebensaison häufig so sei:“Die Fährtickets werden dann für sehr wenig Geld verschleudert, damit das Boot nicht leer fährt“, erzählt sie uns. Speziell Studenten könnten dann schon für rund 20 Euro nach Tallinn und zurück fahren. „Beliebt sind diese Ausflüge besonders bei den jungen Leuten vom Dorf“, weiß Madelene, die selbst auch schon einmal die Fährüberfahrt nach Tallinn gemacht hat.

Die MS Romantika ist ganz offensichtlich zumindest an diesem Freitagabend, an dem wir nach Tallinn fahren, ein Partyschiff, und es sind ganz bestimmt nicht nur die Jungen, die hier aufs Gaspedal treten. Auf den Fluren und in den Nebenzimmern kreischen und lachen Frauen und Männer – aber zum Glück ist es nachts ruhig. Auch das wird auf der MS Victoria I anders sein: Bei der Abfahrt in Tallinn stehen maximal 20 Leute auf dem Sonnendeck. Dafür sind unsere Kabinennachbarn laut. Zwischen 22 Uhr und ein Uhr macht es in unregelmäßigen Abständen bumm im Nebenraum, bumm, bumm, bumm – und ich wache jedes Mal auf. Ohropax kann das Geräusch leider nur dämpfen.

Auf der Hinfahrt denke ich um ein Uhr nachts kurzzeitig, dass wir kentern werden, weil mich dieses Geräusch weckte:

Wenn Ihr Euren Lautsprecher voll aufdreht, hört Ihr genau, was uns aus dem Schlaf riss.

Doch dann fällt mir ein, dass es nur der Zwischenstopp in Mariehamn ist. Auf der Rückfahrt kommen wir dort gegen fünf Uhr morgens an. Dieses Mal hören wir nichts, aber das Schiff vibriert stark. Richtig schlafen können wir danach nicht mehr, und das ist auch gut so. Denn die schwedische Küstenlandschaft, die bald an uns vorbeizieht, ist ausgesprochen fotogen.

Kurz vor Stockholm fahren wir in Nebelwände. Die Schiffe, die hier unterwegs sind, unterhalten sich per Nebelhorn. Eines der Schiffe fährt nur wenige Meter entfernt an uns vorbei. Wir hören es, sehen können wir im dichten Nebelgrau aber nur den Schornstein.

So klangen die Nebelhörner.

Essen an Bord

Essen auf den Tallink Silja Schiffen
Essen auf den Tallink Silja Schiffen

Auf der MS Romantika und der MS Victoria I gibt es ein Buffet-Restaurant und mehrere Möglichkeiten, à la carte zu essen. Wer nicht viel Geld ausgeben möchte, bekommt im Fast Food Restaurant belegte Baguette und Pizza für angemessene Preise. Wir wurden ins Buffet-Restaurant eingeladen, und die Auswahl und Qualität kann locker mit der auf einem echten Kreuzfahrtschiff mithalten. Besonders beliebt war auf beiden Fahrten der Fischmarkt: Dort gab es Lachs in Mengen, Garnelen bergeweise und Matjes mit verschiedenen Soßen. Hier knubbelten sich besonders viele Gäste. Ich entschied mich aufgrund der Menschenmassen bei der Fahrt nach Tallinn dazu, antizyklisch zu essen, wie meistens, wenn ich am Buffet bin. Darum begann ich mit Street Food: Pulled Pork in Nachos, Frühlingsröllchen, Quinoa-Kichererbsensalat. Dann aß ich Antipasti: Oliven, Hähnchenstücke gebraten und dazu Lachs und Matjes. Die warmen Speisen ließ ich aus, weil mir die Schlange am Buffet zu lang war. Dafür gab’s eine Nachtischvariation aus Käsekuchenstückchen, Pasteis de Nata, Beerensmoothie und mit Himbeercreme gefüllte Schokoladenförmchen sowie zum Abschluss noch etwas Käse. Auf der Rückfahrt gab es die gleichen Gerichte – aber die Atmosphäre im Buffet-Restaurant war sehr entspannt: Es waren kaum Gäste da. Dafür war es beim Frühstück voller als auf dem Hinweg – aber an beiden Tagen angenehm. Wir starteten dementsprechend entspannt in die Tage und unsere Touristenprogramme in Stockholm und Tallinn.

Tipps für die Stockholm-Tallinn-Fährreise

  • Auf dem Rückweg ärgere ich mich, dass ich nur mit Handgepäck unterwegs bin. Vana, der estnische Likör, kostet im Tax free Shop nur halb soviel, wie wenn ich ihn in Deutschland bei Amazon bestelle. Außerdem hat man an Bord mehrere Sorten zur Auswahl. Aber mit Handgepäck kann ich den Likör nicht im Flieger mitnehmen.
  • Von Kalev gibt s zwar Produkte im Tax Free Shop, aber kein Marzipan. Wer verpasst, es in der Stadt zu kaufen, kann es in Hafennähe auch am Sonntag besorgen: Zwischen Terminal D und dem Tallink Silja Spa & Conference Hotel ist eine Markthalle mit relativ großer Kalev-Auswahl.
  • In der Kabine lagen bei der Hin- und der Rückreise zwei Bons für einen vergünstigten Cocktail. Sie sehen etwas unscheinbar aus, helfen aber am Abend, einige Cent zu sparen. Zusätzlich gibt es einen Cocktail des Tages, der weniger kostet als üblich. Er wird an der Theke genannt.
  • Wer das etwas ruhigere Reisen bevorzugt, sollte Wochenenden meiden.


Tallink Silja hat übrigens für Jörg und mich die Kosten für die Fähre sowie für das Essen im Buffet-Restaurant und das Frühstück übernommen. Außerdem hat das Unternehmen die Übernachtung in Tallinn im firmeneigenen Hotel bezahlt, inklusive Frühstück.

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