Flughafen CGN: Blick hinter die Kulissen

Passagierbrücke
Passagierbrücke

Geht es Euch auch so? Wenn ich mit großem Gepäck verreise, bin ich am Ziel immer froh und auch ein bisschen verwundert, wenn mein Koffer mit mir angekommen ist. Tatsächlich ist es mir auch schon oft passiert, dass ich am Ziel war, mein Koffer aber noch irgendwo durch die Weltgeschichte düste. La Gomera damals beispielsweise: Mein Koffer hatte es nicht bis nach Teneriffa geschafft. Also setzte ich mit der Fähre über, hatte aber nur ein Buch und meine Kamera bei mir. Was man damals eben so im Handgepäck hatte. Und eine kleine Tasche, die mir die Fluggesellschaft übergeben hatte. Darin war eine kleine Tube Zahnpasta, eine Zahnbürste und eine Einmalunterhose. Es dauerte zwei Tage, bis mein Gepäck da war, zwei Tage in nicht mehr ganz sauberer Kleidung, zwei Tage, in denen ich die leicht angeekelten Blicke des Personals im Hotel auf mir zu spüren meinte.

Von diesem einen Mal abgesehen, hat mein Gepäck die Angewohnheit, nur beim Rückflug zu verschwinden. Das finde ich gar nicht so schlimm, schließlich wird es mir dann ziemlich bald nach Hause geliefert. Hervorragend. Einmal ist es passiert, nachdem ich vier Wochen quer durch Mexiko gereist war, einmal, als ich aus den USA zurückkam. Dabei sollte man doch denken, dass das gar nicht möglich ist. Zumindest nicht mehr, seit es Scanner an den Transportbändern und Codes auf den Gepäckstücken gibt. Ein Trugschluss, wie ich bei einer Führung auf dem Flughafen Köln Bonn mit der Kölner Journalisten-Vereinigung gelernt habe. Denn tatsächlich sind die Gründe dafür, dass ein Koffer nicht mitkommt, vielfältig. Einige Beispiele:

Warum Koffer verschwinden

  • Vielleicht ist unterwegs versehentlich der Code abgegangen. Dann muss im so genannten No Read – Not Sorted – Unknown Bereich händisch überprüft werden, wohin der Koffer soll. Fehlt dann auch noch ein Adressschild des Besitzers, kann das ein langwieriger Prozess sein.
  • Es gibt auch das Gegenteil: Auf dem Koffer ist versehentlich noch irgendwo ein weiterer Code von einem vorausgegangen Flug. Dann wissen die Maschinen ebenfalls nicht, welcher Code und welches Ziel das richtige ist.
  • Im Koffer wird beim Durchleuchten ein Gegenstand gefunden, der gefährlich sein könnte. Beispielsweise soll eine bestimmte Schokolade die gleiche molekulare Dichte wie Plastiksprengstoff haben. Das kann durchaus zu Missverständnissen führen, die eine Verzögerung mit sich bringen.
  • Wunderkerzen sind ebenfalls ein Inhalt, der dazu führen kann, dass ein Koffer aus dem verkehr gezogen wird. Da dieser aber nicht einfach geöffnet werden kann, muss der Besitzer am Zielflughafen schriftlich die Genehmigung dazu geben. Erst dann kann ihm der Koffer nachgeschickt werden.

Ganz banal kann es natürlich auch passieren, dass der Koffer beim Transport vom Wagen fällt oder bei einem Transitaufenthalt die Zeit nicht reicht, das Gepäckstück rechtzeitig zum zweiten Flieger zu transportieren. Auf der Gepäckförder- und -sortieranlage am Köln Bonner Flughafen können übrigens 6000 Gepäckstücke pro Stunde transportiert werden. Die Geschwindigkeit pro Koffer oder Tasche liegt bei bis zu 1,78 Meter pro Sekunde. Die GFSA, wie die Anlage abgekürzt wird, läuft in der Regel 20 Stunden am Tag.

Fakten rund um CGN

  • Seit 2002 gibt es am Flughafen Köln Bonn die Low Cost Airlines
  • Bis zu 40 Kilogramm schwere Koffer können mithilfe der so genannten Vakuum-Heber in der GFSA gehoben und umgelagert werden.
  • Zwischen 22 und 6 Uhr kostet eine Landung das Doppelte von dem Preis, der außerhalb dieser Zeiten gilt.
  • Rund 400 Luftfrachtmaschinen von UPS landen jeden Abend am Flughafen Köln Bonn.
  • Die Start- und Landebahn ist mit 3860 Metern die längste in NRW.
  • 11 Millionen Passagiere hatte der Flughafen 2016, 2017 sollen es mehr werden.
  • CGN ist in bei den Passagierflügen der sechstgrößte in Deutschland, bei Frachtflügen liegt er auf Platz 3.
  • Im Militärbereich stehen zwei Airbusse für die Kanzlerin und ihren Stellvertreter – bis sie irgendwann einmal in Berlin stehen können werden.

Du willst mehr über die Führung wissen? Lies den Text bei der Kölner Journalisten-Vereinigung. Auf dem Flughafen habe ich übrigens auch schon einiges über die Drogenspürhunde gelernt.

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