Stadtwandern in der Altstadt-Nord: Im Schatten des Doms

Spaziergang durch die Altstadt-Nord in Köln
Spaziergang durch die Altstadt-Nord in Köln

Der Dom, die Hohenzollernbrücke, die großen Museen: das ist, was sich die meisten Touristen ansehen, wenn sie in Köln sind. Die Altstadt-Nord eben. Dort, wo auch jeder Kölner schon X Mal war. Das Interessante an diesem Stadtviertel, das zum Stadtbezirk Innenstadt gehört: Es gibt da ganz viele Kleinigkeiten zu entdecken, an denen Touristen achtlos vorbeigehen, und die Kölner regelmäßig übersehen. 

Meine Stadtwanderung ist an einem Sonntagmittag im Corona-Lockdown im Januar 2021. Das ist wichtig, denn üblicherweise würde man die Altstadt-Nord niemals so leer sehen. Hinzu kommt: Es schneit! Das ist äußerst selten in Köln. Weil der Schnee aber in Regen übergeht, könnte das Wetter kaum unpassender für einen ausgedehnten Spaziergang sein. Ich mache ihn trotzdem.

Meine Tour beginnt am Dom. Den lasse ich heute aber aus. Vielmehr gehe ich rechts von ihm über den Roncalliplatz und komme so an den Heinzelmännchenbrunnen. Er erzählt die Geschichte von den nächtlichen Helferlein der Menschen. Sie allerdings verschwanden, nachdem die Menschen allzu neugierig wissen wollten, wer sie denn da nachts unterstützte. Und seither müssen wir alle unsere Arbeit wieder selbst machen. Von dort gehen wir wenige Meter Richtung Rhein und biegen dann rechts in die Straße Unter Goldschmied ein. Nach wenigen Metern sehen wir links einen Teil des alten, römischen Abwassersystems. Dieses System, das so alt ist, scheint mir doch recht perfekt für seine Zeit zu sein. Faszinierend.

Die Tour zum Herunterladen findest du auch auf Komoot.

Erinnerung an wichtige Kölner in der Altstadt-Nord

Links steht dann eine Erinnerung an Josef Kardinal Frings. Er sagte im bitterkalten Nachkriegswinter, dass es erlaubt sei, sich das zu nehmen, was nötig sei, um zu überleben. Von dieser Absage leitet sich das kölsche Verb „fringsen“ ab. Wieder rechts kommen wir durch die Salomonsgasse auf das Jupp-Schmitz-Plätzchen. Hier sehen wir gleich zwei Sachen: Ein sich bewegendes Kunstwerk von Georg Rickey und eine kleine Skulptur, die eben Jupp Schmitz am Klavier zeigt. Er war Sänger und Unterhaltungskünstler. Von ihm sind unter anderem die Lieder „Es ist noch Suppe da“ und „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“. Schmitz gehört also zum Karneval wie dieser zu Köln.

Zweimal rechts sind wir in der Hohe Straße. Ihr folgen wir zurück zum Dom. Rechts, am Haus 124-128, ist eine Lichtplastik von Otto Piene angebracht, die äußerst futuristisch aussieht. Am Dom kommen wir dann an den Taubenbrunnen an der Kreuzblume. Er ist der erste neugebaute Brunnen nach dem zweiten Weltkrieg und gleichzeitig der erste abstrakte Brunnen. Interessanterweise soll er wirklich Tauben als Trinkgelegenheit dienen – dabei will man diese eigentlich in der Innenstadt loswerden, weil sie heute eine Plage sind. Von hier lohnt sich noch der Abstecher in die Tiefgarage unter dem Dom. Der Zugang ist schräg rechts, hinter dem Eingang zur U-Bahn, die etwas versteckte Tür. Kaum ist man drinnen, sieht man hinter Gittern römische Ausgrabungen einiger ehemaligen Wohnhäuser. 

Manchmal ist Kunst erst auf den zweiten Blick erkennbar

Zurück auf der Straße gehen wir wieder rechts am Dom vorbei, dieses Mal aber links auf dem Roncalliplatz nach dem Museum die Treppen hinunter. So erreichen wir eine grob gepflasterte Straße. Das ist die ehemalige römische Hafenstraße, die hierhin verlegt worden war. An ihrem Ende gehen wir rechts wieder die Treppe nach oben und so zwischen den Museen hindurch zur Rückseite des Doms. Dort halten wir uns rechts Richtung Rhein und kommen so zum Ma’alot: Damit ist die Gesamtheit des Platzes mit Mosaik im Boden, Bäumen und Skulptur gemeint. Speziell die Skulptur wird häufig als Mahnmal für die Judendeportationen im Nationalsozialismus interpretiert. Der Künstler hat sich allerdings diesbezüglich nicht so eindeutig geäußert. 

Wir nehmen die Treppen hinunter an den Rhein und kommen so an eine Steinlandschaft, die an die viel befahrene Straße erinnern soll, die hier einst verlief. Das Kunstwerk ist zum Benutzen konzipiert und im Sommer ein beliebter Wasserspielplatz. Am Rhein entlang kommen wir zum Kalten Eck: Die in die Pflastersteine geschlagenen Namen erinnern an HIV-Tote. Von dort sehen wir außerdem ein Wahrzeichen Kölns, den Pegel. Ein Schwimmkörper in seinem Inneren überträgt in Echtzeit den Wasserstand des Rheins.

Jetzt gehen wir vom Rhein weg Richtung Heumarkt, biegen aber gleich rechts in den Buttermarkt ein. An der Kreuzung mit der Salzgasse ist rechts an einem Haus die Figur des Siegfried. Warum er dort steht, weiß man wohl nicht. Aber sein kurzes Haar erinnert daran, dass auch deutsche Helden in den 1930er Jahren ordentlich frisiert sein sollten. Aus dieser Zeit soll die Statue sein. Durch die Salzgasse kommen wir an den Heumarkt. Auf seiner gegenüberliegenden Seite steht in einem Hauseingang eine Steinfigur von Willi Ostermann, einem weiteren wichtigen Sänger von Karnevalsliedern. Wir gehen zurück und durch das Seidemacherinnengässchen, dann links in den Steinweg, rechts in die Bolzengasse, wieder links, wieder rechts, die Gürzenichstraße entlang bis zum Bierbrunnen in der Schildergasse. Er erinnert daran, dass hier früher das Zunfthaus der Bierbrauer in der Nähe war. 

Der Bierbrunnen in der Schildergasse
Der Bierbrunnen in der Schildergasse

Römische Reste und moderne Kunst in der Altstadt-Nord

Wir gehen rechts und biegen wieder links in die Hohe Straße ein. Durch die Brückenstraße links kommen wir in die Ludwigstraße. Sie führt uns nach rechts zur Minoritenstraße. Dort vor der Kirche steht eine etwas unförmige Steinfigur. Sie erinnert an Johann Adam Schall von Bell. Er ging 1618 als Missionar nach China, wurde 1644 Direktor des astronomischen Amtes in Peking und erhielt Ehrungen wie nie vor oder nach ihm je ein Ausländer. Interessant ist außerdem das Kirchenportal am Haupteingang, das Adolf Kolping und einem schottischen Gelehrten gewidmet ist. Kolping steht auch rechts als Statue auf einem Denkmal. Links vom Haupteingang ist eine Säule, Kunst, die den Namen „Figur“ trägt und von dem Künstler Michael Croissant ist.

Wir gehen nicht auf die Tunisstraße, sondern parallel dazu auf der Drususgasse und weiter durch die Mariengartengasse. An ihrem Ende führen links Stufen nach unten. Und hier würden wir fast am nächsten Punkt vorbeigehen: Völlig unscheinbar ist das halbe Turmfundament, das zum Lysolphtum gehört. Er ist Teil der ehemaligen römischen Stadtmauer. Jetzt überqueren wir die Tunisstraße und folgen der Burgmauer bis wir gegenüber des ehemaligen Stadtmuseums stehen. Natürlich werfen wir einen Blick auf das goldene Auto mit den Flügeln von HA Schult. Oft übersehen wird jedoch, dass der Ausgang der U-Bahn hier ebenfalls ein Denkmal ist: Die Wörter über unseren Köpfen erinnern an die Widerstandskämpfer während des Nationalsozialismus.

Vergangene Zeiten werden wach

Nur wenige Meter entfernt, an der Neven-Dumont-Straße ist das Notariatsportal. Es gehörte Anfang des vergangenen Jahrhunderts zu einem Haus, in dem eben ein Notariat war. Rechts gehen wir durch die Breite Straße, wieder rechts durch Auf dem Berlich, und dann links in die Helenenstraße. Gegenüber des Pullmannhotels ist der Erich-Klibansky-Platz. Klibansky war Schulleiter einer jüdischen Schule. Er wurde von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet. Der Brunnen auf dem kleinen Platz erinnert an die jüdischen Kinder, die von dort ebenfalls deportiert und später getötet wurden.

Wir gehen weiter auf die Magnusstraße, dort rechts, dann links durch die Steinfelder Gasse bis zum Gereonsdriesch. Der Steinkopf dort soll den nach einer Legende abgeschlagenen Kopf des Heiligen Gereon zeigen. Er ließ sich für seinen Glauben töten. Jetzt gehen wir durch den Gereonshof, dann links auf den Hildeboldplatz und über den Friesenwall bis zur Palmstraße. Dort halten wir uns rechts und biegen links auf den Hohenzollernring ein. Nach wenigen Metern sehen wir ein Beton-Auto. Das Kunstwerk heißt passenderweise „Ruhender Verkehr“. Unter der Stahlbetonschicht ist ein Opel Kapitän, das Auto des Künstlers Wolf Vostell.

Ruhender Verkehr
Ruhender Verkehr

Was mir in Köln-Altstadt/Nord aufgefallen ist

  • Wer mit offenen Augen durch den Stadtteil geht, sieht so viel mehr als nur die großen Attraktionen.
  • In Corona-Lockdown-Zeiten ist es dort fast beängstigend leer – aber genau darum auch sehr interessant. 

Zahlen, Daten und Fakten zu Köln-Altstadt/Nord

Köln-Altstadt/Nord liegt rund um den Dom. Das Stadtviertel hat ungefähr die Form einer viertel Torte. Es wird begrenzt durch die Ringe vom Ebertplatz bis zum Rudolfplatz sowie durch die Cäcilienstraße und den Rhein.In der Altstadt-Nord in Köln gibt es laut Stadtteilinformationen der Stadt Köln von 2019  nur 2,9 Prozent Erholungsflächenanteil. Das deckt sich mit den Eindrücken einiger Touristen, die darum behaupten, Köln sei keine grüne Stadt.  In der Altstadt-Nord leben 18.243 Menschen. Zum Vergleich: In der Neustadt-Süd, die auch zum Stadtbezirk Innenstadt gehört, sind es 38.380. Auf den Quadratkilometer sind das in der Altstadt-Nord 7.428, während es im ebenfalls zur Innenstadt gehörenden Deutz nur 3.013 Menschen pro Quadratkilometer sind.

Die Zahl der Einwohner in der Altstadt-Nord ist in von 2005 bis 2015 leicht gesunken, dann aber wieder etwas gestiegen: 2005 wohnten dort noch 18.733 Menschen. Damit liegt die Altstadt-Nord im Innenstadt-Trend: In den Vierteln des Stadtbezirks sind die Einwohner*innenzahlen überwiegend ganz leicht gesunken. Im Bezirk Innenstadt leben nur in Deutz weniger Menschen über 65 Jahren als in der Altstadt-Nord. Die größte Altersgruppe in der Altstadt-Nord sind die 35- bis 59-Jährigen. In diesem Stadtviertel leben 125 Nationalitäten, das ist fast doppelt so viele wie beispielsweise in Köln-Flittard. 

Auf einen Blick

  • Stadtbezirk: Innenstadt
  • Entfernung zum Dom: maximal 20 Minuten zu Fuß 
  • Vom Hauptbahnhof zu erreichen: zu Fuß
  • Sehenswürdigkeiten: Dom, Museen, Altstadt – und ganz viele Kleinigkeiten
  • Besonderheiten: In der Altstadt-Nord sind die großen Einkaufsmöglichkeiten
  • Grünflächen: Rheingarten
  • Restaurants: Afternoon Tea im Hotel Excelsior, Sternerestaurants Maibeck und Maximilian Lorenz
  • Bars: Label 12 und Monkey Bar, beide mit Domblick, Harry’s New York Bar
  • Hotels: Das Stadthotel am Römerturm ist mindestens nett. Es gibt Zimmer mit Domblick und eine kleine Kapelle.
Wo kann man in der Altstadt-Nord gut essen?

In der Altstadt-Nord gibt es sehr viele Möglichkeiten, Essen zu gehen. Es gibt viele Brauhäuser, Cafés, Bars, Kneipen und Restaurants. Meine Favoriten sind das Lab12 und die Monkey Bar – zwei Bars mit Domblick. Auch Harry’s New York Bar ist top. Außerdem mag ich die Restaurants Maximilian Lorenz und Maibeck sowie den Afternoon Tea im Excelsior.

Es gibt aber auch günstigere Restaurants. Am Gürzenich beispielsweise ist eine L’Osteria.

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