Brodenbach an der Mosel: Genuss und Natur

Am Moselufer
Am Moselufer

679 Menschen wohnen in Brodenbach an der Mosel. Das sind etwa halb so viele, wie bei mir in der gesamten Wohnanlage in Köln-Ehrenfeld leben. Dementsprechend schnell lässt sich das Dörfchen durchqueren: Von einem Ortsschild zum anderen, entlang der vielbefahrenen Straße, die nach dem parallel verlaufenden Fluss Moselufer heißt, braucht man nur wenige Minuten. Vom Fluss weg ins Landesinnere zieht sich der Ort allerdings ein Stück weit ins Tal: 30 Kilometer Wanderwege, zu denen auch die Traumpfade gehören, locken die Touristen an.

Brodenbach: Übernachten im Hotel Anker

Neuerdings entdecken auch Fahrradfahrer die Region für sich: An machen Wochenenden sieht man im Ort mehr Zweiräder als Autos. Und Michael Hannes vom Hotel Anker hat manchmal in seiner Garage gut 80 bis 90 Fahrräder stehen. Im Hotel, in dem ich während der Bloggerreise kostenlos übernachtet habe, ist an einem Freitagnachmittag die Hölle los, wenn die Wochenendtouristen ankommen. „Von Ostern bis Oktober sind wir in der Regel voll ausgelastet“, sagt Hotelier Hannes. Auch zur Zeit der Weihnachtsmärkte und über Silvester ist er gut gebucht. Danach schließt Hannes das Hotel bis Ostern. Er führt das Hotel mit seinen 150 Zimmern und etwa 350 Betten in 7. Generation. 12 Zimmer sind barrierefrei, und außerdem gibt es einen Veranstaltungssaal für gut 400 Leute. Angefangen hat die Geschichte rund um das Hotel vor rund 300 Jahren mit dem Weinkeller, der heute noch für Gesellschaften genutzt wird. Im Laufe der Zeit kaufte die Familien die Häuser in der Nachbarschaft auf, den ehemaligen Metzgerladen zum Beispiel und vor zehn Jahren die Bäckerei. So wuchs das Hotel, und Hannes kann auch seinen Saisonarbeitskräften Unterkunft geben. Es sind vor allem Deutsche, die im Anker absteigen, viele kommen mit Busreisen. Auch Holländer sind häufig da, aber immer weniger Briten, weil das Pfund so schlecht zum Euro steht.

Genuss an der Terrassenmosel in Brodenbach

Nach Rheinland-Pfalz kommt man auch wegen des guten Essens – und natürlich wegen des Weins. Die Trauben dazu wachsen beispielsweise an den steilen Berghängen in Brodenbach, weswegen diese Region zwischen dem Ort Pünderich und Koblenz auch Terrassenmosel genannt wird. Die Wurzeln der bis zu 40 Jahre alten Rebstöcke reichen trotz des ungewöhnlichen Terrains bis zu 30 Meter in die Tiefe. Bei einer Weinprobe mit den Winzern vom Weingut Anton Hammes erfahre ich, wie schwierig der Weinanbau hier ist: Wegen der steilen Hänge und der Terrassenstufen wird hier noch sehr viel in Handarbeit gemacht. Bekannt ist die Terrassenmosel übrigens für Rieslinge, die im mediterranen Klima rund um Brodenbach hervorragend gedeihen. Doch der Klimawandel ist spürbar, heißt es bei der Weinprobe im Keller des Hotel Anker: Heute habe man hier Schädlinge, die es früher nur in Südeuropa gegeben habe.

Grundsätzlicher Tipp für den Moselwein: Immer mindestens zwei Schlucke nehmen! Nach einem kann man den Geschmack noch nicht richtig abschätzen. Außerdem gibt es Weintrinker, die die Säure der Moselweine nicht mögen: In Bornheim zwischen Köln und Bonn war ich in einer Weinabfüllerei, die keine Moselweine ankauft, weil die Rheinländer sie nicht abnehmen. Ich kann das nicht nachvollziehen, ich mag, was ich bei der Weinprobe angeboten bekomme, einen trockenen Kabinett von 2015, einen fein-herben Riesling von 2016. Nur mit den lieblichen Weinen tue ich mich etwas schwer. Der Winzer rät, sie zum Genießen als Digestif nach dem Essen zu trinken – oder auch zu Käse. Ganz wichtig auch für den Moselwein: die richtige Temperatur. Tipp vom Winzer: Zwei Stunden vor dem Trinken sollten Weiß- und Roséweine in den Kühlschrank, und während des Essens sollte man sie geöffnet stehen lassen, damit sie ihr volles Aroma entwickeln können.

Fakten rund um Brodenbach

Die erste Weinterrasse in Brodenbach scheint übrigens bereits aus dem Jahr 1000 zu sein, die letzte wurde wohl 1836 gebaut. Wer sich versucht vorzustellen, wie viel Material bewegt werden musste, um diese Rebhänge anzulegen, kann nicht anders, als beeindruckt zu sein.

Bei einer Ortsführung mit Oswald Klein und Klaus Hammes durchs Dorf erfährt man einiges mehr über Brodenbach:

  • Erwähnt wurde der Ort das erste Mal 1324 in Zusammenhang mit einer Katharina von Brodenbach.
  • Woher der Name des Dorfes kommt, weiß keiner so genau. Ob der gemächlich dahin fließende Bach einst brodelte, oder ob eine Furt ausschlaggebend war, die im Slawischen Brod heißt, wird sich wohl nie klären lassen.
  • Sieben jüdische Familien wohnten früher in Brodenbach, nach dem zweiten Weltkrieg waren sie verschwunden. Heute gedenkt ihnen eine Tafel an der ehemaligen Synagoge.
  • Das Modell für die futuristische und etwas deplatziert wirkende Kirche mitten im Ort soll aus Japan kommen.
  • Das Haus des ehemaligen Fährmanns hat einen Anker im Geländer, das zur Haustür die wenigen Stufen nach oben führt.
  • Von den einst 17 Lokalen im Dorf sind nur noch gut vier übrig.
  • Im Kaufhaus gab es früher Lebensmittel, Kleidung und Schulsachen – heute stehen in den Schaufenstern Teeservice, Taschen und Dekoartikel.

So hübsch das Örtchen ist – der demographische Wandel ist offensichtlich: geschlossene Apotheke, keine Nachfolger für die Bäckerei. „Das tut weh“, sagt Ortsführer Klaus Hammes, der von 1989 bis 1999 Bürgermeister des Ortes war. Wegweiser Kommune weist für den Landkreis Mayen-Koblenz, zu dem Brodenbach gehört, einen Bevölkerungsschwund von über 4 Prozent bis 2030 aus.

Wandern und Burgbesuch

Die Touristen stören sich daran nicht, und einige jüngere Brodenbacher läuten in dem kleinen Moselort derzeit den Generationenwechsel ein. So gibt es beispielsweise bei Erlebnis-Zeit Rhein Mosel Wanderungen mit den klangvollen Namen „Rauschende Wildnis“ oder „Mystische Mondscheinwanderungen“. Die Historische Mühle Vogelsang kocht mit Kräutern aus den umliegenden Wiesen und Wäldern und bietet Glamping-Möglichkeiten. Die so genannten Tiny Houses haben auch bei meiner Aktion Lieblingshotelzimmer mitgemacht. Und mit Heike Gaudenti kann man auf Kräuterwanderung gehen. Dazu lest Ihr bald mehr hier im Blog.

Natürlich gibt es auch die Burgen rundum: Thurant, Eltz oder die Hauptattraktion in Brodenbach, die Ehrenburg: Sie steht an einem optimalen Platz: der Fels ist auf zwei Seiten sehr steil und nur von einer Seite zugänglich. So war man damals, als sie gebaut wurde, recht sicher vor Feinden. Heute kann man von Ostern bis Allerheiligen an Sonntagen das mittelalterliche Leben entdecken, sehen, wie früher geschmiedet und gefilzt wurde – oder einfach nur den Blick übers Tal bis hinunter zur Mosel genießen.

Anreise nach Brodenbach

Das Moseldorf erreicht Ihr übrigens auch mit dem ÖPNV. Nach Koblenz mit dem Zug ist es zum Beispiel von Köln aus nicht einmal eine Stunde. Der Bus nach Brodenbach braucht allerdings nochmals gut 45 Minuten, hält aber unter anderem direkt vor dem Hotel Zum Anker. BahnCard-besitze bekommen auf das Busticket einen Rabatt.

Die Gemeinde Brodenbach hat uns zum Bloggertreffen eingeladen. Das heißt, sie hat die Kosten übernommen für die Unterkunft, die Verpflegung und die Aktivitäten vor Ort. Ich habe die Anreisekosten selbst bezahlt.

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6 Kommentare auch kommentieren

  1. Aras Orhon sagt:

    hallo,

    gerne gelesen und genauso gerne die andere Sicht der Kölnerin kennengelernt, die mit einem weißen Wein offenbar so viel anfangen kann, wie ich mit einem kühlen, herben Pils.

    Gruß vom WEG
    Aras

    1. BettinaBlass sagt:

      Danke, Aras! Ich habe deinen Kommentar erst jetzt gesehen, er war im Spam gelandet. Sorry dafür!

  2. Super schöner Bericht mit spannenden Infos zur Bodenbach und dem Moselwein, Bettina! War wirklich ein tolles Wochenende! Schön, dass wir uns kennengerlernt haben. Und vielen Dank fürs Verlinken 🙂 Liebe Grüße, Kathrin

  3. BettinaBlass sagt:

    Lieben Dank, Kathrin! Eure Geocaching-Erlebnisse klingen auch echt gut! Und danke ebenfalls fürs verlinken.

  4. Tanja sagt:

    Ein sehr schöner Bericht, mit vielen interessanten Infos. 🙂
    Ich hab mich sehr gefreut, dass wir uns in der Weltstadt Brodenbach kennengelernt haben. 🙂
    Bis hoffentlich ganz bald.

    Viele Grüße
    Tanja

    1. Vielen Dank, Tanja! Hat mich auch sehr gefreut – besonders unsere Frühstücksdiskussionen.

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