Arabische Halbinsel: Kreuzfahrt nach Saudi-Arabien mit MSC

Ich gebe zu, dass ich meinen Augen kaum traute, als ich im Newsletter der MSC ein Angebot für eine Kreuzfahrt nach Saudi-Arabien sah. Tatsächlich wird diese Route auch erst seit diesem Jahr angeboten. Auch darum ist es wahrscheinlich normal, dass noch nicht alles ganz rund läuft. Das soll nicht heißen, dass der Urlaub schlecht war. Eher im Gegenteil fand ich ihn ausgesprochen spannend. Vielleicht auch, weil es eben noch nicht die ausgetretenen Touristenpfade gibt. Hinzu kommt Corona. Das Virus dürfte eine gewisse Schuld daran tragen, dass wir in der Vorweihnachtswoche nur etwa 250 Gäste an Bord waren. Im Verhältnis zu 1200 Menschen, die dort arbeiten, und einer Kapazität von 4500 Gästen ist das ein Witz.

Der Pool ist eher leer. Allerdings war es an diesem Abend auch kühl
Der Pool ist eher leer. Allerdings war es an diesem Abend auch kühl

Folge: Das Schiff, die MSC Bellissima, war leer. Ich fand das angenehm. Denn so reduzierte sich das Ansteckungsrisiko. Andere fanden es bedrückend, so viele leere Stühle, Tische, Sonnenliegen um sich herum zu sehen. Ich dagegen war das erste Mal überhaupt im Pool auf einer Kreuzfahrt. Und insgesamt 60 Minuten alleine im Whirlpool. Absoluter Luxus!

Auf einem leeren Boot und in einem leeren Flieger

Dabei hatte ich bei der Anreise mit Saudia zunächst ein ungutes Gefühl. Die Fluglinie schreibt im Internet, dass jeder zweite Platz frei bleibe. Doch der Wartebereich in Frankfurt wurde immer voller und voller. Und nachdem wir eingestiegen waren, saßen wir zu dritt in einer Reihe. Vor, hinter und neben uns waren auch fast alle Plätze besetzt. Ich schlug meinem Mann vor, dass ich versuchen könne, auf einen der wenigen freien Plätze zu kommen, damit wir beide mehr Abstand zu den Mitreisenden bekämen. 

Das hörte einer der Flugbegleiter. Er fragte uns, ob wir in den vorderen Bereich des Flugzeugs wechseln wollten. Dort hatten wir eine Reihe für uns. Und eigentlich auch alle anderen, die dort saßen . Manche schliefen sogar ausgestreckt über eine ganze Reihe. Warum die Fluglinie ihre Gäste so ungleich verteilte, hat sich mir nicht erschlossen. Auch nicht, warum die Gäste nicht dazu angehalten werden, während des Flugs ihre Masken zu tragen. Um mich herum waren sehr viele Passagiere ohne Maske. Fun Fact: Auf dem Rückweg waren ganze 17 Passagiere an Bord.

Leerer Rückflug von Saudi-Arabien
Leerer Rückflug von Saudi-Arabien

Aber zurück zur Kreuzfahrt nach Saudi-Arabien. Was hat mir gefallen, was nicht?

Richtig gut war …

Arabische Spezialitäten: Tabouleh-Salat - mit Quinoa
Arabische Spezialitäten: Tabouleh-Salat – mit Quinoa
  • Weil einige saudi-arabische Gäste an Bord waren, gab es jeden Tag neben internationalen Speisen auch viele arabische Angebote: Mezzeh, Merguez, Linsensuppe, Sharwama, Halloumi, Falafel, Tabouleh, Fatouch.
  • Die Möglichkeit, in King Abdullah Economic City dank eines Shuttles alleine am Strand entlang zu gehen – auch wenn es dort nicht sehr viel zu sehen gibt.
  • Die Stadtführung in einer kleinen Gruppe durch die Altstadt in Dschidda. Weil wir so wenige waren, konnten wir auch in zwei Ateliers und in die nicht besonders attraktive Moschee.
  • Der Ausflug von Dschidda nach Alula und Hegra war mit dem Flugzeug möglich. Dadurch wurde er allerdings umweltunfreundlicher, teurer und länger. Trotzdem der Höhepunkt der Reise. Mehr zu den einzelnen Stopps lest Ihr in diesem Beitrag.

Was bei der MSC-Kreuzfahrt nach Saudi-Arabien verbesserungswürdig ist

Wie gesagt: Es lief nicht alles perfekt. Was mich am meisten geärgert hat: Zwei Stops wurden zwischen unserer Buchung und dem Reisebeginn gestrichen: Ein Hafen in Ägypten wegen Covid-19. Das kann man nicht ändern. Aber auch ein weiterer Halt in Saudi-Arabien wurde gestrichen. Angeblich, wie wir mehrfach hörten, weil die MSC die Möglichkeit hatte, in Dschidda weitere arabische Gäste aufzunehmen. Diese, so hörten wir, buchten nämlich nie einwöchige Kreuzfahrten, sondern maximal drei bis vier Tage.

Folge für alle anderen: Wir fuhren von Dschidda nach King Abdullah Economic City, weiter nach Yanbu, zurück nach Dschidda, und dann wieder an Yanbu vorbei bis Aqaba in Jordanien und wieder zurück nach Dschidda. Ganz glücklich finde ich das nicht, auch wenn ich die wirtschaftlichen Zwänge verstehe. So steht die Route jetzt auch für die kommenden Monate im Netz. Dadurch wird außerdem aus dem Ausflug nach Hegra ein Tagesausflug mit wenig Zeit vor Ort – aber immerhin mit dem Flugzeug. Zu den Reisezielen lest Ihr bald mehr in einem weiteren Text.

Weitere Punkte, die nicht optimal sind

  • Die Ausfahrten aus dem Hafen sind oft spät am Abend. Weil in Saudi-Arabien kein Alkohol erlaubt ist, gibt es diesen also an einigen Tagen auch nicht zum Abendessen um 19.30 Uhr. Natürlich weiß man vorher, dass man in Saudi-Arabien keinen Alkohol bekommen wird. Dass an mehreren Tagen aber die Hafenausfahrt am sehr späten Abend ist, ist bei der Buchung nicht unbedingt klar.  Die angebotenen alkoholfreien Weine entsprechen nicht meinem Geschmack. Die alkoholfreien Cocktails sind nichts anderes als Saftmischungen – unnötige Kalorien aus meiner Sicht. Wer üblicherweise Getränkepakete kauft, sollte sich das bei dieser Reise gut überlegen. 
  • Der absolute Nachteil bei so wenigen Passagieren: Touren fallen mangels Nachfrage aus. Da wir 2018 schon mit der MSC in Jordanien und Petra gewesen waren, hatten wir dieses Mal einen Ausflug nach Wadi Rum, also in die Wüste gebucht. Er fiel aus. Das Einzige, was MSC uns als Ersatz anbot, war eine private Tour, die deutlich teurer gewesen wäre. Das finde ich ehrlich gesagt etwas frustrierend, nachdem schon Ägypten und der weitere Halt in Saudi-Arabien ausgefallen waren. Schließlich wurde im Vorfeld der Reise von den Gästen ein Maximum an Flexibilität erwartet, was die Route anbelangte. Uns konnte man aber im Gegenzug keine akzeptable Lösung bieten – nicht einmal einen vergünstigten PCR-Test, der Voraussetzung war, um in Aqaba an Land gehen zu können. Das war schwach.
  • Nervig war der Kaffeefahrtencharakter durch die wenigen Passagiere. Zwischen zehn und 20 Mal pro Tag fragten uns Mitarbeiter*innen, ob wir das Weihnachtsmenü buchen, eine Flasche Champagner, Wein oder Schmuck kaufen oder zusätzliche Tickets für Shows erwerben wollten. Bei mehr Passagieren wäre dieses Trommeln wahrscheinlich weniger nötig – oder würde nicht so auffallen.
  • Die Führungen in Dschidda und Yanbu finden zu einer Tageszeit statt, an der viele Läden beziehungsweise die Märkte eher geschlossen sind.
  • Die Maskenpflicht an Bord wurde von den Mitarbeiter*innen kaum angesprochen, wenn Gäste keine Maske trugen. Und davon gab es viele.

Situationen, die mich geärgert haben

  • Eigentlich ist es logisch, dass bei einer Kreuzfahrt nach Saudi-Arabien unterschiedliche Kulturen aufeinanderstoßen – und das nicht immer problemfrei ablaufen kann. Aber ich finde diese Route sehr wichtig, um Akzeptanz auf beiden Seiten zu schaffen. Und eventuell auch die gewünschte Öffnung des Landes voranzutreiben. Umso mehr habe ich mich über ein belgisches Ehepaar geärgert, das mir ausführlich erklärt hat, welche Probleme es mit dem Land habe: Zu bürokratisch, zu wenig serviceorientiert, touristisch nichts zu bieten, zu schlecht organisiert. Abgesehen davon, dass ich das alles nicht nachvollziehen kann: Warum reise ich für relativ viel Geld in ein Land, mit dessen Kultur ich nichts anfangen kann? Ich denke, westliche Touristen sollten sich im Vorfeld darüber Gedanken machen. Und auch darüber, dass sie an Bord auf saudi-arabische Touristen stoßen werden, die sich eben nicht zwingend so kleiden und verhalten, wie man das als Westeuropäer*in gewöhnt ist.
  • Auf der anderen Seite finde ich es ausgesprochen albern, dass Flamencotänzerinnen unter ihren hochgeschlitzten Röcken blickdichte Leggings tragen müssen – aus Rücksicht auf das Schamgefühl der Saudis etwa? Das finde ich übertrieben. Denn auch die Saudi-Araber sollten wissen, dass sie mit westlichen Touristen auf einem westeuropäischen Boot unterwegs sind – auch wenn es vor ihrer Küste ist.

Viele Kontrollen bei der Kreuzfahrt nach Saudi-Arabien

Wer sich für diese Kreuzfahrt interessiert, muss sich außerdem darauf vorbereiten, oft kontrolliert zu werden. Das beginnt am Flughafen mit der Vorlage des Reisepasses, der Impfzertifikate, des eVisums und der Impfregistrierung. Die Einreise nach Saudi-Arabien ist dagegen schnell und unproblematisch. Doch bei der Einschiffung und beim Verlassen des Bootes zu Landgängen muss oft erneut der Ausweis vorgelegt werden. Da das Boot auch Jordanien ansteuert, müssen die Gäste einmal komplett aus Saudi-Arabien ausreisen. Das führt zu zeitlichen Verzögerungen – und lässt einige Passagiere ungehalten werden. Ich habe es nicht als besonders nervend empfunden.

Mein Fazit: Die Kreuzfahrtroute ist aus meiner Sicht wichtig für die gegenseitige Akzeptanz der Kulturen. Einmal habe ich sehr geschmunzelt: Zwei Frauen in Abaya machten neben einer Frau im Stringbadeanzug einen Sirtaki-Kurs. Ich sah auch viele westliche Frauen, die ohne sich zu verbiegen, Schultern und Knöchel bedeckten, wenn sie an Land gingen. Sie sahen dabei trotzdem westlich-chic aus. Einige wenige saudi-arabische Frauen kleideten sich an Bord dafür westlich. Alles in allem habe ich viel gelernt über Kultur und Mentalität von Land und Leuten. Und einige spannende Gespräche geführt. Ich würde diese Fahrt jederzeit wieder machen.

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Wer schreibt hier? Bettina Blass

Bettina Blaß ist Bloggerin, Buchautorin und Verbraucherjournalistin. Sie gibt Seminare und Workshops rund das Internet wie beispielsweise "Personal Branding" oder "Online publizieren". 2021 hat sie das Buch "Zu Fuß durch Köln" herausgebracht.

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