Kreuzfahrt: Landausflug in Jordanien nach Petra

Ziemlich trocken
Ziemlich trocken

Jordanien. Das Land klingt für mich unfassbar fern. Bis vor einigen Wochen wusste ich nicht einmal richtig, wo es liegt, und das, obwohl ich im Studium jordanische Kommilitonen hatte. Jetzt verbinde ich Bilder mit dem Königreich auf der arabischen Halbinsel. Und ich bin um einiges schlauer als vor meiner Kreuzfahrt von Genua bis Dubai.

Willkommen im Drei-Länder-Eck

Jordanien hat genau eine Hafenstadt, Aqaba. Um sie zu erreichen, fährt man bald nach der ägyptischen Stadt Sues am gleichnamigen Kanal nach links in den Golf von Akaba. Aqaba ist eine freie Handelsstadt, aber das eigentlich Besondere ist die Lage der Stadt. Nur etwa fünf Kilometer von der Stadtgrenze entfernt ist nämlich schon Israel, und etwa 15 Minuten mit dem Auto in die andere Richtung erreicht man bereits Saudi-Arabien. Die Hauptstadt Amman dagegen ist ungefähr vier Autostunden entfernt. Durch Aqaba sind wir mit dem Bus gefahren. Es ist keine Stadt mit üppigen Palästen und Moscheen, sondern eher eine funktionale Stadt mit niedrigen Häusern, die sich farblich der kargen Landschaft angepasst zu haben scheinen. Nur an den Geschäften hängen schreiend schrille Schilder. Der Bus ist schnell auf einer Autobahn, die zunächst einen Zollposten erreicht und dann durch eine trockene Region fährt. Rechts ist bald Wadi Rum, das Tal Rum, eine Wüste, in der Touristen mit dem Geländewagen über Dünen fahren und in Beduinenzelten Tee trinken. Links sind Berge und Täler in gelb, ocker und rot. Trocken, kein Baum, kein Busch, selten etwas Gras um diese Jahreszeit.

Blick nach Israel
Blick nach Israel

Was ich überJordanien gelernt habe

Bis Petra sind wir gut zwei Stunden unterwegs. Zeit genug für unseren Reiseführer Fathi AlQawasmeh, uns einiges über Jordanien zu erzählen:

Fathi hat in Münster Deutsch studiert. In Jordanien möchte er hauptberuflich als Fremdenführer arbeiten. Weil aber wegen der angespannten Situation auf der arabischen Halbinsel nur wenige Touristen ins Land kommen, verdient er in diesem Beruf derzeit nicht genug zum Leben. Darum arbeitet er als Lehrer. Hat er einen Auftrag als Fremdenführer, wird er für diesen Tag vom Schuldienst freigestellt. Und so fährt er mit uns nach Petra.

  • Seit man mit den Israelis mehr Handel treibt, ist das jordanische Wochenende am Freitag und Samstag, früher war es donnerstags und freitags.
  • Zum Frühstück isst man hier gebraten Auberginen oder Tomaten mit Petersilie und Knoblauch. Käse gibt es nicht.
  • Ein Kilo Tomaten kostet etwa einen Euro. Ein Liter Benzin liegt bei 72 Cent, eine Wohnung mit etwa 100 Quadratmetern kostet in einem besseren Viertel in Aquaba etwa 60.000 Euro.
  • Sex vor der Ehe ist unüblich, ab 18 darf man heiraten. In der Regel suchen die Eltern die Ehepartner aus.
  • Ehebruch oder Alkoholgenuss kann richtig Ärger machen.
  • Polygamie gibt es, aber man muss gute Gründe dafür haben. Ein Beispiel: die Ehefrau ist unfruchtbar. Wer sich für die Zweitfrau entscheidet, muss sich das allerdings finanziell und sexuell leisten können, denn beide Frauen müssen gleich behandelt werden.
  • Ein Lehrer verdient etwa 450 Euro im Monat, ein Ingenieur oder Arzt etwa 700 Euro.

Petra: ein Farbenspiel auf Felsen

Die Ruinenstätte in den Felsen ist UNESCO Welterbe. „Die Tempel“, so erzählt uns Fathi, „wurden von oben nach unten in den Stein gehauen“. Sie wurden also nicht Stein auf Stein gebaut, sondern tatsächlich aus dem Stein heraus geschlagen. Wir wollen Petra in unserem eigenen Rhythmus erkunden, und melden uns darum von Fathis Gruppe ab, nachdem wir durch die Eingangskontrolle sind. Um aus dem Pulk herauszukommen, gehen wir ziemlich schnell auf die Felsen vor uns zu. Doch auch ohne unsere Gruppe müssen wir den Weg mit vielen anderen Besuchern teilen: Mehr als die Hälfte der Passagiere der MSC Splenida hat sich für Petra entschieden, weiß Fathi. Zusätzlich liegt ein kleineres Kreuzfahrtschiff im Hafen von Aqaba. Und dann sind natürlich auch noch andere Touristen vor Ort. Hinzu kommen die Kamele und Eselskarren, auf denen Touristen mit rasender Geschwindigkeit ins Tal gefahren werden.

Bis wir die Tempel erreichen, haben wir vom Besucherzentrum aus eine gute halbe Stunde strammen Fußmarsches vor uns. Zunächst ist der Weg breit, doch je näher wir dem Ziel kommen, desto enger wird der Weg: Er schlängelt sich durch hohe Felswände, die im Licht der Sonne ständig ihre Farbe wechseln: Im Schatten scheinen sie schwarz zu sein, dann werden sie langsam rot, und manchmal sind sie sogar golden. I

Und plötzlich: die Schatzkammer

Je enger die Schlucht wird, desto mehr erwarte ich bei jeder Biegung die berühmte Schatzkammer zu sehen. Trotzdem ist sie dann erstaunlich plötzlich da, von einer Sekunde auf die andere. Und trotz aller Bilder, die ich vorher gesehen habe, überrascht sie mich in ihrer Schönheit. Die Felsen sind dunkelrot, doch die Schatzkammer strahlt golden und macht ihrem Namen alle Ehre. Hinein dürfen wir nicht, aber davor steht ein Soldat in seiner exotischen Uniform und mit rot-weiß kariertem Kopftuch, der an sich auch schon eine Attraktion ist.

Farbspiel
Farbspiel

Links von der Schatzkammer bieten Fremdenführer, die wie aus dem Filme „Piraten der Karibik“ aussehen, an, uns für 10 Euro in schwindelnde Höhe zu bringen. Ich sehe weit oben europäische Touristinnen, die nur mithilfe der leitenden Hand von Stein zuStein gehen, und lehne dankend ab. Wir gehen nacht rechts weg. Dort sind immer wieder Höhlen in den Felsen und reich verzierte Eingänge, manchmal auch in großer Höhe. Ganz unten ist eine Freilichtbühne, ihre Sitzreihen sind in den Stein gehauene Stufen. Wer vom Weg ab etwas nach innen geht, sieht behauene Steine, die in so vielen Farben glänzen, dass sie wie das Gefieder eines bunten Vogels aussehen. Dort windet sich auch eine Treppe nach oben. Sie ist bequem zu gehen und führt zum Opferplatz. Weil wir nicht wissen, wie lange man nach oben braucht, und wir auf jeden Fall unseren Bus zurück nach Aqaba bekommen müssen, gehen wir nur soweit, dass wir einen guten Blick nach unten haben. Später erfahren wir von Fathi, dass der Aufstieg bis ganz nach oben etwa 35 Minuten gedauert hätte.

Dafür nehmen wir uns Zeit für den Rückweg, denn auch jetzt eröffnen sich mit jedem Schritt neue Perspektiven. Ich bin begeistert. Und froh, diesen Landausflug gemacht zu haben – auch wenn er mit gut 170 Euro ziemlich teuer war, und wir vier Stunden im Bus hin und zurück gefahren sind.

Tipp: Nehmt Wasser mit. Ihr könnt zwar auch in Petra mit Euro bezahlen, aber dort ist es ziemlich teuer. Die Sonne knallt an einigen Stellen ganz schön, eine Kopfbedeckung ist also sinnvoll, und natürlich auch Sonnencreme.

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