Tipps für deinen ersten Urlaub in Ägypten

Ägypten ist nicht nur ein Land mit großer Geschichte und Kultur. Es ist auch ein Land mit reizvoller Landschaft: Zwar bestehen 96 Prozent des Landes aus Wüste, aber das Nildelta ist vielfältig grün. Allerdings herrscht auch dort das Wüstenklima. Tagsüber und in der Sonne ist es dementsprechend schnell heiß, im Schatten genau so schnell kühl – und besonders nach Sonnenuntergang kann es richtig kalt sein. Wir waren im Februar und März dort, und ich hatte eindeutig zu wenig wärmende Kleidung dabei.

Urlaub in Ägypten: Manchmal küsst dich der Pharao

Neben den Temperaturschwankungen macht vielen Touristen aber etwas ganz anderes zu schaffen: der berüchtigte Fluch des Pharaos oder deutlicher gesagt – Durchfall. Man liest oft, es bringe nichts, Tabletten aus Deutschland mitzubringen, da es in Ägypten für sie zu heiß sei, und unsere Tabletten nicht gegen die landestypischen Erreger ankämen. Das kann ich beides nicht bestätigen. Wir hatten auf Anraten einer Apothekerin, die selbst schon in Ägypten üble Verdauungsschwierigkeiten gehabt hatte, TannaComp gekauft, und bei meiner Reisebegleitung haben die Tabletten super gewirkt. Ich hatte übrigens überhaupt keine Probleme, und das, obwohl ich Fisch gegessen habe, Milchprodukte und sogar Eiswürfel in meinen Cocktails hatte. Es ist also immer auch ein bisschen Glück dabei. Ich habe allerdings akribisch die ganzen zwei Wochen über meine Hände mit Seife gewaschen sie immer desinfiziert, nachdem ich auf einer öffentlichen Toilette oder auf einem Ausflug war.

Was ist mit Terroranschlägen in Ägypten?

Ja, es gibt Terroranschläge in Ägypten. So wie auch in Straßburg oder Berlin. Grundsätzlich ist aber sehr viel Polizei und Security unterwegs. Davon abgesehen habe ich mich nicht eine Minute unsicher gefühlt, auch nicht alleine auf dem Markt in Assuan, auf Elephantine Island oder beim Spaziergang durch Kairo. Alle Menschen, mit denen ich zu tun hatte, waren unfassbar freundlich. Das heißt jedoch noch lange nicht, dass man nicht versucht hat, uns abzuzocken. Das Auswärtige Amt rät übrigens dazu, sich vor der Reise in die Krisenvorsorgeliste einzutragen.

Gut zu wissen vor einem Ägyptenurlaub

  • OnurAir flog im Februar und März 2019 ohne Verpflegung und ohne Bordprogramm die viereinhalb Stunden nach Hurghada. Macht Euch vorher schlau, damit Ihr ein belegtes Brötchen, Wasser und etwas zu lesen oder zum Ansehen einpacken könnt.
    Die Visumschalter in Hurghada am Flughafen nehmen auch Euro. Fragt dort nach, ob Ihr auch Euro in ägyptisches Pfund wechseln könnt.
  • Pläne können sich wie überall in Afrika spontan ändern. Aus „Transfer nach Ankunft“ kann werden: „Übernachtung im Hotel und Transfer mitten in der Nacht“.
  • Oft versuchen Ägypter Trinkgeld zu bekommen, obwohl es gar nicht nötig ist, etwas zu zahlen. „Sorry, no money“ ist in diesem Fall oft ausreichend. Hartnäckige Händler, die Euch etwas verkaufen wollen, werdet Ihr eher los mit „La shukram“, was arabisch ist und „Nein danke“ heißt.
  • Busfahrer, Klomänner und andere Menschen, die von Trinkgeld leben, fragen oft mal, ob man ihre Euro-Münzen in Scheine wechseln kann. Logisch, weil sie Euro-Münzen nicht zur Bank bringen können. Vorteil für Euch: Ihr habt wieder Kleingeld für die nächsten Trinkgelder. Also macht das ruhig, aber achtet darauf, auch wirklich Euromünzen zu bekommen.
  • In Touristenorten wie Luxor, Assuan oder Hurghada könnt Ihr mit Euro zahlen. In Kairo ist dies eher unüblich.

Ägypten-Urlaub: Manchmal ist eine Fotografiererlaubnis nötig

An vielen Orten interessiert sich niemand dafür, ob Ihr Fotos macht oder nicht. Es gibt aber auch Ausnahme, und dann solltet Ihr sehr vorsichtig sein: In unserem Hotel in Sahl Hasheesh  mussten wir beim Einchecken unterschreiben, dass wir keine Fotos aus dem Hotel veröffentlichen würden. Es ist das gute Recht des Hotels, das zu verbieten. Aber als Tourist muss man sich natürlich schon fragen, warum ein Hotel nicht will, dass Bilder aus der Anlage im Internet erscheinen. Wären es schöne Aufnahmen, gäbe es doch kaum bessere und dazu auch noch kostenlose Werbung. Vielleicht ahnt Ihr es schon: Im Hotel, das mal mit vier, mal mit fünf Sternen ausgezeichnet wird, war nicht alles in Ordnung. So waren beispielsweise die Möbel ziemlich abgewohnt. Ich vermute, man will mit dieser Regelung unterbinden, dass solche und ähnliche Bilder veröffentlicht werden.

In Abu Simbel braucht Ihr eine Fotoerlaubnis für etwa 15 Euro, um in den Gräbern Bilder machen zu dürfen. Zwar wird Euch Eure Reiseleitung möglicherweise sagen, es sei in den Gräbern sowieso zu dunkel, um Bilder zu machen. Ich würde dem widersprechen. Als wir dort waren, gab es aber kaum Kontrollen. Oder anders gesagt: Es haben sehr viele Touristen dort ohne Erlaubnis fotografiert. Das kann sich natürlich geändert haben. Ganz anders ist es im Tal der Könige: Die Gräber sind hell und sehr aufwändig gestaltet. Ich finde, es lohnt sich, dort Bilder zu machen. Leider hatte ich mir keine Fotoerlaubnis gekauft. Heimlich solltet Ihr dort nicht fotografieren: Aus unserer Gruppe gab es bei zwei Herren Stichprobenkontrollen auf dem Handy, zwei andere Touristen wurden erwischt, als sie fotografierten, und mussten nachträglich diese Erlaubnis kaufen, was etwas umständlich ist. Eine Kamera müsst Ihr übrigens am Eingang abgeben, wenn Ihr keine Foto-Erlaubnis habt, das Handy dürft Ihr ohne Erlaubnis mitnehmen – aber eben nicht in den Gräbern damit Bilder machen.

Im Ägyptischen Museum in Kairo dürft Ihr ohne Fotografiererlaubnis gar keine Kamera mitnehmen. Die muss an einem Schalter abgegeben werden – selbst dann, wenn Ihr gar keine Speicherkarte in der Kamera habt. Ihr dürft auch keine Fotos auf dem alten Assuanstaudamm machen, wohl aber auf dem neuen.

Packliste für den Urlaub in Ägypten

  • Sonnencreme sollte sich von selbst verstehen, gerne eine kleine Tube, die in die Handtasche passt.
  • Eine warme Jacke oder ein Hoodie für den ägyptischen Herbst und Winter: Es ist abends kalt. Richtig kalt.
  • Einen Baumwollschlafsack, falls Ihr fimschig seid bei älterer Bettwäsche. Sowohl auf dem Schiff als auch in Sahl Hasheesh war die Bettwäsche bei unserem Aufenthalt schon älter.
    Desinfektionsmittel für die Hände ist wichtig. Kann dabei helfen, Durchfall zu vermeiden.
  • Viele 20 und 50 Cent Stücke als Trinkgeld.
  • Ein größeres Tuch ist um den Hals gelegt praktisch gegen kühlen Wind oder zu viel Sonne.
  • Dünne, langärmlige Blusen oder Tunikas finde ich bei heißer Sonneneinstrahlung angenehmer als kurze Shirts und Sonnenbrand. Ebenso lange dünne Hosen statt Shorts oder Minirock, was sowieso nicht zur ägyptischen Mentalität und der islamischen Religion passt.
  • Für die größeren Städte fand ich einen Bauchgeldbeutel gut, um dort das Geld und die Kreditkarte nicht allzu offen zu transportieren.

Abzocke im Ägypten-Urlaub

Ägypten ist ein Land in Nordafrika. Die Inflation dort ist sehr hoch, die Einkommen sind niedrig. Irgendwie kann ich verstehen, dass die Ägypter versuchen, mit den wohlhabenden deutschen Touristen ein Geschäft zu machen. Es nervt mich trotzdem, wenn ich die Melkkuh sein soll, es beeinflusst ein bisschen auch den Urlaub, und es ist besonders ärgerlich, wenn die Abzocke so vielseitig ist, dass man ständig damit konfrontiert wird. Den Urlaub würde ich mir davon aber nicht verderben lassen wollen. Das sind typische Fallen in Ägypten:

Euro oder ägyptisches Pfund
Euro oder ägyptisches Pfund
  • Es gibt eine ägyptische Münze, die dem Euro sehr ähnlich sieht. Darum solltet Ihr immer aufpassen, wenn Ihr Wechselgeld bekommt. Beliebt ist auch die Frage, ob Ihr Euro-Münzen in Scheine wechseln könnt. Auch dabei kann sich unter die Münzen ein ägyptisches Exemplar mischen.
  • Am Flughafen in Hurghada kostet das Visum am Bankschalter etwa 15 Euro weniger als bei den Reiseveranstaltern. Diese aber stehen vor den Bankschaltern und machen ein großes Geschrei, sobald sie Touristen sehen. Hört nicht auf sie, sondern folgt dem Pfeil zum Bankschalter, auf dem Visum steht.
  • Kofferträger, Taxifahrer, Busfahrer, Reiseleiter, Toilettenfrauen und -männer: Sie alle wollen Bares sehen. Auch wenn die Inflation hoch ist: Ihr müsst nicht mehr geben als zuhause. 20 Cent für einen Toilettenbesuch sollten ausreichend sein. Wenn Ihr nur 50 Cent-Stücke habt, dann zahlt für zwei oder macht klar, dass Ihr Wechselgeld bekommen wollt. An den Flughäfen müsst Ihr übrigens gar kein Toilettengeld geben. Das wird sogar per Lautsprecher durchgesagt und ist häufig auf Videotafeln zu lesen.
  • Speziell wenn Ihr auf einer Nilkreuzfahrt unterwegs seid, kann es sein, dass Ihr kein ägyptisches Geld bekommen könnt, bevor Ihr an Bord seid. Ihr werdet sehen, dass Reiseleiter gerne für Euch in ägyptischen Pfund zahlen, sich dafür aber von Euch eine etwas erhöhte Summe in Euro geben lassen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Ihr Eintrittskarten zusätzlich zum Standardprogramm kaufen wollt oder eine Fotogenehmigung braucht. Besser ist also, Ihr habt für 50 oder 100 Euro ägyptische Pfund in der Tasche.
  • Wenn Ihr auf Nilkreuzfahrt seid, und ein Ausflugspaket gebucht habt, werdet Ihr sehr wahrscheinlich auch zu Verkaufsveranstaltungen geschleppt: Öle, Papyrus, Steinmetzarbeiten. Diese Produkte mögen eine bessere Qualität haben als auf der Straße. Sie sind aber komplett überteuert. Handelt auf jeden Fall, und setzt den Preis mindestens 50 Prozent tiefer an. Ich bin ja keine große Einkäuferin. Aber ein kleiner Skarabäus-Anhänger, der ursprünglich 25 Euro kosten sollte, war plötzlich für zehn Euro zu haben, der Preis für ein Baumwolltuch sank von fünf Euro auf 1,50 Euro. Und der für eine kleine Pyramide von 25 Euro auf zehn Euro.
  • Ein Fahrradverleih-Mann wollte uns zwei Räder für zwei Stunden für 20 Euro vermieten, was viel zu teuer ist. Er ließ sich jedoch nur auf 18 Euro herab handeln. Dafür wollte er uns gegen unseren Willen ein E-Bike vermieten. Wir wollten aber für weniger Geld zwei normale Fahrräder. Die hatte er zwar auch an seinem Stand – wollte sie uns aber nicht vermieten. So kamen wir nicht zusammen. Er riet uns, zu einem 45 Minuten entfernten Hotel zu gehen, um dort für 15 Euro zwei normale Fahrräder zu mieten. Geschäftstüchtig wie er war, bot er uns an, uns dorthin zu bringen – gegen Geld natürlich. Selbstverständlich nahmen wir das Angebot nicht an.

Auch eine Form der Abzocke: Unterbringung im falschen Hotel

Alles in allem sind wir ganz gut durch die zwei Wochen gekommen, auch wenn wir an der ein oder anderen Stelle vermutlich etwas zu viel bezahlt haben. Was aber gar nicht ging, war die Unterbringung im falschen Hotel. Wir hatten über Voyage Privé bei BigXtra eine Reise gebucht, die zwei Übernachtungen in Kairo am Tahrir-Platz enthielt. Am Flughafen in Kairo wurden wir zwar abgeholt, aber gegen meinen heftigen Widerstand ins falsche Hotel gebracht. Dies lag nicht am Tahrir-Platz, sondern zehn Kilometer entfernt in einem Vorort namens Nasr City. Überdies war es in einem traurigen Zustand. Und noch schlimmer: Ein anderes Paar, das mit uns angekommen war, war in dem von uns gebuchten Steigenberger Hotel untergebracht worden, wie wir bei unserer Abreise aus Kairo erfuhren. In einem solchen Fall steht Euch mindestens eine Reisepreisminderung zu. Dazu müsst Ihr allerdings vor Ort bereits reklamiert haben.

Mein Tipp: Falls Ihr eine Reise bucht, die aus mehreren Bausteinen besteht, solltet Ihr Euch schon vor der Abreise einmal durchlesen, wie man richtig reklamiert, um zumindest nach der Reise Geld zurückzubekommen. Wie das geht, habe ich für meinen Kunden Wirtschaftszeitung AKTIV recherchiert. Klar ist dabei aber auch, dass Geld nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein kann. Kairo, was für uns ein absolutes Highlight der Reise gewesen wäre, war so der totale Reinfall. Darum haben wir auch einen Rechtsanwalt eingeschaltet.

Es sind leider alle diese Geschichten, die sich unter Reisenden schnell herumsprechen. Dem Reiseland Ägypten wird so von denen, die meinen sich bereichern zu müssen, einen Schaden zugefügt. Das ist sehr schade. Denn das Land an sich ist so reich an Kultur und Geschichte, dass der Urlaub dort ein wirklich einzigartiges Erlebnis sein könnte.

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