Vietnam: Auf den Spuren des Krieges und noch viel mehr

Cu Chi Tunnel
Cu Chi Tunnel

Unsere Reise durch Vietnam begann in Ho Chi Minh City und endete in Hanoi. Unterwegs waren wir mit Bussen, dem Zug und einmal auch im Flieger. Wir waren in den Bergen und am Meer, haben Reisfelder gesehen und Großstädte. Vietnam ist ein sehr vielschichtiges und umtriebiges Land:

Ho Chi Minh City: HCMC – erste Eindrücke

Jetzt sind wir also in Vietnam. Es ist ähnlich wie Indien, doch in der (wirtschaftlichen) Entwicklung einen Schritt voraus. Das zeigt sich beispielsweise daran:

  • Man wird auf der Straße nicht so oft angesprochen – ein Zeichen dafür, dass die Leute es nicht nötig haben?
  • Es wird an jeder Straßenecke gebaut.
  • Die Motorisierung ist ganz anders als in Indien. In Indien war fast jeder mit dem Fahrrad unterwegs. Vietnam: Wir denken uns die Fahrräder weg, und ersetzen diese durch Motorroller und Mopeds. Es geht kaum noch jemand zu Fuß – die Touristen ausgenommen.

Mich überrascht, dass man die Roller kaum hört. Einerseits schön, da man durch sie nicht gestört wird. Auf der anderen Seite hört man sie auch kaum kommen. In Deutschland kann man die Mopeds teilweise schon einen Kilometer vorher hören. Obwohl die Straßen übervoll mit diesen Fahrzeugen sind, hat man keine Probleme die Straße zu überqueren. Auch wenn von jeder Seite etwa 20 bis 30 Roller und Mopeds kommen, sucht man sich einfach den richtigen Moment zum losgehen. Man darf auf keinen Fall langsamer werden und sollte niemals stehen bleiben. Einfach geradeaus gucken und weitergehen. Wer zur Seite schaut, bekommt Angst, bleibt stehen und hat verloren. Allgemeiner erster Eindruck von den Vietnamesen: sehr freundlich – und nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen. (Jörg Düspohl)

Erstaunliches in Ho Chi Minh City

Wenn man in eine fremde Kultur eintaucht, erlebt man immer wieder Dinge, die einem in Erstaunen versetzen. Dazu gehören hier Frauen, die durch die Straßen laufen, und Bücherstapel schleppen, die höher sind, als die Frauen groß sind. Auch erstaunlich: Wir waren heute in China-Town unterwegs. Da gibt es einen Gewürz-Markt, und es wird säckeweise Zeug verkauft, das ich noch nie gesehen habe. Ich wüsste auch überhaupt nicht was ich damit machen soll. Und ich habe niemanden gesehen, der es kauft. Aber es scheint ein Wirtschaftszweig zu sein.

Cao Dai Tempel und Cu Chi Tunnel
Heute Morgen sind wir um acht in einen Bus gestiegen, um uns in 120 Kilometer Entfernung einen Tempel anzusehen. Leichter gesagt als getan. Um aus HCMC herauszukommen, haben wir fast 90 Minuten gebraucht. Ursache: Unser Reiseführer sagte, dass etwa acht Millionen Menschen in Saigon (HCMC) und Umgebung leben. Und diese acht Millionen Menschen besitzen etwa vier Millionen Roller. Ich denke, diese vier Millionen Roller waren heute Morgen alle unterwegs … Nach etwa drei Stunden haben wir dann besagten Tempel erreicht. Die Cao Dai Religion gibt es seit etwa 80 Jahren, und sie ist eine Vermischung von Buddhismus, Konfuzianismus, Taoismus und anderen Religionen. Für mich sieht es so aus, als habe man sich von jeder Religion das Beste ausgesucht. Der Tempel ist sehr bunt, und er erinnert an ein asiatisches Disneyland. Trotzdem war das Ganze sehr beeindruckend. Am Nachmittag fuhren wir weiter durch endlose Kautschukplantagen zu den Cu Chi Tunneln, dem Tunnelsystem des Vietkong unter dem Dschungel. (Jörg Düspohl)

Auf den Spuren des Krieges

Natürlich kommt man in Vietnam nicht am Krieg vorbei. Samstag waren wir im Kriegsreste-Museum und haben ungeborene, verkrüppelte Kinder gesehen, deren Eltern Agent Orange abbekommen hatten. Heute Vormittag besuchten wir eine Behindertenwerkstatt, in der Agent Orange Opfer Lackarbeiten machen. Am Nachmittag waren wir in den Cu Chi Tunneln. Dort lebte und versteckte sich das vietnamesische Militär vor den Amis. Sie hatten ein kilometerlanges Tunnelsystem unter dem Urwald angelegt. „Tunnel“ ist allerdings nicht ganz das richtige Wort: Es sind eigentlich eher Löcher und Schläuche: 80 Zentimeter breit und so niedrig, dass Europäer gebückt durchlaufen müssen. Für sie sind diese Gänge heute schwach beleuchtet – und trotzdem noch dunkel. Damals waren sie komplett dunkel. Sie sind außerdem eng, und es ist heiß. Früher war die Wände nur aus Erde – für die Touris sind sie heute betoniert. Und früher gab es dort Skorpione und Giftschlangen. Heute wird der Tunnel, den Touristen betreten dürfen, sauber gehalten. Trotz des heutigen Komforts ist das Ganze ein klaustrophobisches Erlebnis, dass zum Glück nur wenige Minuten dauert. Die Leute früher lebten dort Monate. Diese Erfahrung macht nachdenklich.

Die Relation des Geldes

Am Samstag haben wir je zwei Millionen Dong also 84,84 Euro abgehoben. Heute haben wir beide noch immer je über eine Million. Fairerweise muss man sagen, dass wir das Hotel für die letzten drei Nächte und die Reise für die nächsten drei Tage mit Kreditkarte bezahlt haben. Trotzdem: Es ist hier unglaublich günstig. Denn unsere Drei-Tages-Tour durchs Mekong Delta kostet pro Person etwa 19 Euro, Mittag- und Abendessen aus-, Übernachtungen jedoch eingeschlossen. Wir waren sehr skeptisch, dachten, die Übernachtung müsse in einer Absteige sein. Ist sie aber nicht. Klar ist es kein Luxushotel hier in Chau Doc, noch elf Kilometer von der Grenze zu Kambodscha entfernt. Aber es ist ein sauberes Hotelzimmer mit Dusche und Toilette. Und wir hätten gerne mehr bezahlt – aber es gibt hier keine hochpreisigen Unterkünfte.

Trotzdem scheinen die Preise für einige Leute noch hoch zu sein. Gestern beschwerte sich eine Slowakin, dass der Reis, den sie zusätzlich bestellt hatte, sechs Cent kosten sollte. Sie dachte, der sei als Beilage zum Fleisch inklusive. Eine Vietnamesin, die mit auf der Tour war, erstaunte uns außerdem mit der Aussage, dass ihre Landsleute niemals in diesem Restaurant essen würden, da die Preise auf Touristen-Niveau angehoben und somit überteuert seien. Hm. Wir Deutsche sind da besonders aus den Großstädten anderes gewöhnt. Hier haben wir für ein Essen plus Getränk bisher im Schnitt selten mehr als 2,50 Euro gezahlt, in Köln bekommt man dafür gerade mal eineinhalb Kölsch.

Anderes Beispiel: Vorgestern sind wir vom Distrikt 1 nach Cholon mit dem Taxi gefahren, das sollte 61.000 Dong kosten, also etwa drei Euro. Da es nicht üblich ist, im Taxi Wechselgeld herauszugeben, und wir es nicht kleiner hatten, haben wir dem Taxifahrer also 70.000 Dong gegeben, ein Trinkgeld von ungefähr 50 Cent. Für deutsche Verhältnisse nichts. In Vietnam entspricht das einem Drittel eines Tagelohnes, da das Monatseinkommen bei 50 Euro liegt. Verrückte Welt, in der wir leben!

Mekong-Delta

Krokodile im Mekong-Delta
Krokodile im Mekong-Delta

Nun sind wir also seit gestern Morgen im Mekong-Delta unterwegs. Ich hatte mit dem Schlimmsten gerechnet. Wenn eine Tour für drei Tage umgerechnet nur 19 Euro kostet, und in diesem Preis zwei Übernachtungen, ein Mittagessen, zweimal frühstücken und die ganzen Fahrten enthalten sind, sollte man nicht gerade das allerbeste erwarten. Jetzt haben wir den zweiten Tag fast hinter uns und bisher war alles prima – saubere Hotels, ordentliches Essen und vor allem auch interessante Besichtigungen.
Gestern waren wir bei den Floating Markets in Cao Be. Das sind Boote auf dem Fluss, die als Läden fungieren. Im Anschluss sind wir zwei Stunden durch das Mekong-Delta gefahren. Heute Morgen wurden wir in einem sehr kleinen Boot über den Mekong gerudert, um ein Dorf einer kleinen ethnischen Minderheit zu besuchen. Danach haben wir uns einen Tempel, eine kleine Fabrik in der Räucherstäbchen hergestellt werden, und eine Krokodilfarm mit rund 13.000 Krokodilen angesehen. War alles sehr interessant und wurde auch noch von Vietnamesen mit entsprechendem Hintergrundwissen angereichert. (Jörg Düspohl)

Über Da Lat und über die Sprache

Seit gestern sind wir nun in Da Lat, einem ehemals kleinen, beschaulichen Dorf mit französischem Flair. Ehemals! Der derzeitige Anblick dieser Stadt erinnert mich eher an eine riesige Baustelle. An jeder Ecke wird gebaut, hier ein neues Haus, dort ein Hotel – oder der halbe Gehweg ist aufgerissen, um Kabel zu verlegen. Auch in Da Lat merkt man, dass Vietnam boomt. Es wird sogar sonntags gearbeitet … Nichtsdestotrotz: Es gibt hier auch einige schöne Orte und Eckchen: zum Beispiel ein Zen-Kloster, in dem man Seminare belegen kann, eine buddhistische Drachen-Pagode, in der ein 48 Meter langer Drachen aus tausenden von Bierflaschen gestaltet wurde, oder das Tal der Liebe. Wir sehen also viel.
Obwohl wir schon eine Woche hier sind, bin ich der Sprache noch keinen Schritt näher gekommen. Ein Beispiel: das Wort „Ba“ hat sechs verschiedene Bedeutungen. Je nachdem, wie man es betont, heißt es: „drei“, „Großmutter“, „vergiftetes Essen“, „Abfall“, „Tante“ oder „ein“. Ich stelle mir nun jemanden vor, der von den drei Tanten seiner Großmutter erzählt, die ein vergiftetes Essen in den Abfall geworfen haben: ba ba ba ba ba … Zur Unterscheidung versehen die Vietnamesen übrigens die Wörter mit Häkchen und Punkten auf und unter den betreffenden Buchstaben. Damit legen sie fest, wie betont werden soll. (Jörg Düspohl)

Unser Tag am Meer

Über Haarnadelkurven und eine funkelnagelneue Autobahn führte uns der Weg heute nach Nha Trang. Das ist ein Küstenort im südlichen Zentral-Vietnam. Besonders erfreulich sind die etwa 26 Grad Celsius. Ein Paradies nach der Kälte in Da Lat. Ich war echt froh, meinen Schlafsack dabei zu haben, sonst wäre ich dort sicherlich erfroren. Trotzdem denke ich gerne an Da Lat zurück, weil ich dort neue kulinarische Entdeckungen machen konnte: getrocknete Erdbeeren, Aal in Kokosnuss-Sauce – köstlich! Und mein persönlicher Favorit: Lotuswurzel-Salat. Großartig. Aber so scharf, dass ich Angst um meine Speiseröhre hatte.

Gestern haben wir uns die Attraktionen in Nha Trang angesehen: das ozeanographische Institut, Cham Towers, eine Pagode mit einem riesigen Buddha und den Markt der Stadt. Auf diesem Markt wird alles gehandelt: Dinge des täglichen Bedarfs aber auch Luxusartikel wie Rolex, Omega, Breitling und so weiter. Nur echt sind diese Uhren nicht …

Transport in Vietnam: Um von Saigon nach Hanoi zu kommen, haben wir uns ein Open-Tour-Ticket gekauft. Man erhält ein Heft mit mehreren Fahrscheinen mit denen man von Ort zu Ort kommt. Einen Tag vor der Abreise sagt man beim Reisebüro Bescheid, und wird am nächsten Tag vom Bus am Hotel abgeholt und zum nächsten Ziel gebracht. Die Busse sind bis jetzt ganz in Ordnung gewesen. Kosten für die Strecke von Saigon bis Hanoi, also rund 1.700 Kilometer: 18 Euro inklusive einer kleinen Flasche Wasser und ein paar Nüsschen.

Von Mopeds und Motorrollern

Des Vietnamesen liebstes Kind ist ein Motorroller oder sein Moped. Damit fährt er Tag und Nacht durch die Straßen, hupt ständig, und parkt direkt vor dem Ziel auf dem Gehsteig. So, dass die wenigen Fußgänger auf die viel befahrenen Straßen ausweichen müssen. Und wenn auf der Straße ein Moped-Stau entsteht, gibt es einige Fahrer, die über den Bürgersteig brettern. Der Roller oder das Moped ist übrigens so heilig, dass es auch mit in die Wohnung oder das Restaurant genommen wird.

Hoi An

Sind nach einer rund elfstündigen Nachtfahrt mit dem Bus in Hoi An, in der Mitte Vietnams, und in der Mitte unseres Urlaubs angekommen. Hier hat man zum ersten Mal das Gefühl, wirklich in Vietnam zu sein – zumindest in einem Vietnam, wie wir es uns in der Regel vorstellen. Da die Altstadt zum Weltkulturerbe gehört, ist sie so erhalten, wie sie vor 300 bis 400 Jahren war. Bei den Vietnamesen ist Hoi An nicht so angesagt, da hier alles so alt ist. Sie stehen eher auf das Neue und Moderne. Für uns als Touristen ist es aber bisher die schönste Stadt. Das sehen jedoch nicht nur wir so. Und darum hat die Stadt einen kleinen Nachteil: Es laufen überall nur Touristen rum – aber wir gehören ja auch dazu. Trotzdem ist es nicht so hektisch wie in den anderen Städten zuvor. Habe mir hier beim Schneider übrigens zwei maßgeschneiderte Hemden bestellt – sie sind in 24 Stunden fertig und kosten pro Stück nur acht Euro – das bezahle ich in Deutschland manchmal schon für eine Änderung beim Schneider. (Jörg Düspohl)

My Son: Steinhaufen im Wald

Ja, eigentlich ist es ganz nett, die Cham-Ruinen im Urwald zu sehen. Aber ehrlich gesagt: Wenn man Machu Picchu, Cichen Itza, Tiqual, Palenque oder Teotihuacan gesehen hat, muss man sich doch ein bisschen über den Aufstand wundern, der hier um ein paar Steinhaufen gemacht wird. Fairerweise sollte ich vielleicht erwähnen, dass die Ausgrabungen noch nicht abgeschlossen, und somit noch nicht alle Türme zugänglich sind. Trotzdem …

Jörg und ich rannten fast durch diese Stätte, von Punkt zu Punkt, weil wir immer dachten, die Hauptausgrabung käme noch, und wir wollten sie möglichst ohne Touristenschwarm sehen. Naja, so waren wir nach 35 Minuten wieder am Ausgang und schauten uns etwas ratlos an. Dann haben wir die Runde ein zweites Mal gemacht, etwas langsamer und in einem Touristenschwarm. Aber wir haben nichts übersehen. Auch wenn wir mehr erwartet hatten: Es war ein vergnüglicher Ausflug. Ganz ehrlich: Es ist schon beeindruckend, was vor 1.300 Jahren Im Urwald errichtet wurde. Und zu sehen, wie gut es teilweise heute noch erhalten ist.

Hue: Überraschendes Hotel und Besuch der Kaiserstadt

Sind jetzt in der ehemaligen Hauptstadt. Erster Eindruck: alle sehr hektisch und alles sehr touristisch. Stärker als in den anderen Städten Vietnams wird man hier fast die ganze Zeit von Menschen angesprochen, die es gut mit einem meinen: Sie möchten einem das beste und billigste Hotel anbieten, möchten einem auf dem Fahrrad oder Motorrad durch die Gegend fahren und so weiter. Auch wenn man schon zweimal höflich, „Nein, danke“ gesagt hat, bleiben sie an einem hängen – bis man sehr energisch NEIN sagt. Dann hat man Ruhe. Bisher habe ich das so in Vietnam nicht erlebt. Liegt vielleicht auch daran, dass sich hier Unmengen an Touristenbussen durch die Stadt schieben.

Dumm nur: Da haben wir allen Schleppern an der Bushaltestelle erst höflich, und dann ziemlich lautstark erklärt, dass sie uns in Ruhe lassen sollen, weil wir eine Hotelreservierung haben – und dann das: Wir kommen in der richtigen Straße an, aber da, wo der Hoteleingang sein soll, ist nur ein mehrstöckiges Baugerüst aus Holzstangen. Daran befestigt ist allerdings eine Neontafel, die besagt, dass unser Hotel hier ist. Wir sind irritiert, schließlich ist die Unterkunft für vietnamesische Verhältnisse mit 40 US-Dollar die Nacht recht teuer.

Da winkt ein Bauarbeiter durch das Gerüst und deutet hinter sich auf die Wand. Jörg zögert eine Sekunde und balanciert dann über die Holzplanken los – wohlgemerkt mit einem großen Rucksack auf dem Rücken, einem kleinen auf der Brust. Die Holzdiele wippt ein bisschen, gut dass man nicht in die Tiefe fallen, sondern maximal in den Matsch treten kann. Höchstens den Knöchel kann man sich beim Abrutschen zwischen den Metallstangen verstauchen, denke ich, und wuchte mich samt meinen insgesamt etwa 18 Kilo schweren Rucksäcken eine kniehohe Stufe hoch. Dazu muss ich mich auf beiden Seiten an der Wand in dem Gerüst abstützen. Da wird plötzlich eine unsichtbare Milchglas-Tür von innen geöffnet und ein Hotelangestellte schaut uns irritiert an. Ja, wir haben eine Reservierung, sagen wir, und nein, wir haben den derzeitigen Haupteingang in der Nebenstraße nicht gefunden. Leider ist das Hotel seinen Preis nicht wert. Es ist ein bisschen abgewohnt und hat ein Feuchtigkeitsproblem – wie viele Häuser hier. Denn Hue ist regelmäßig überflutet – wie zuletzt vor zwei Wochen. Allerdings hatte mein Reiseführer schon vorhergesagt, dass es schwierig sei mit Hotels in Hue, denn es gibt hier wohl nur wenig Stilvolles als Unterkunft.

Erste besichtigte Sehenswürdigkeit in Hue: die Zitadelle – eine ehemalige Kaiserstadt, etwa 1,5 × 1,5 Kilometer groß, liegt mitten in der Stadt. Quasi eine Stadt in der Stadt – vergleichbar wohl mit den verbotenen Stadt in Peking. In der Zeit von 1802 bis 1945 lebte die Nguyen-Dynastie hier.

Außerdem haben wir einen ausgiebigen Spaziergang von etwa vier Stunden, rund neun bis zehn Kilometer, gemacht, und uns dabei etwas außerhalb der touristischen Pfade bewegt. Was auffällt: Man wird dort kaum noch angesprochen, um eine Fahrt oder Ähnliches zu buchen, dafür lächeln oder winken die dort wohnenden Menschen einem umso häufiger zu. Zum Vergleich: Im Touristenzentrum wurden wir etwa einmal pro Minute angesprochen. Ich habe mitgezählt!

Abzockerhochburg Hue

Heute sind wir mit einem Drachenboot über den Parfümfluss gefahren. Drachenboot heißt das Ding nur, weil vorne ein Drache angeschraubt ist, ansonsten ist es eher ein Touristenboot: ein normaler Kahn mit Dach und Plastikstühlen. Die Besitzer des Bootes haben ihre Lektion in Sachen Marktwirtschaft gelernt: In jeder Pause wurde ein anderer Artikel feilgeboten – Bücher, Karten, Seidenkleidung, Getränke. Hatte vorsichtshalber zwischendurch in die hintere Ecke des Bootes gesehen, ob da auch noch Rheumadecken versteckt sind.
Die Fahrt an sich war jedoch sehr interessant, da wir uns die Gräber von dreien der 13 Kaiser, die zwischen 1802 und 1945 in Vietnam regierten, angesehen haben. Diese Gräber liegen in parkähnlichen Anlagen, die von den Kaisern selbst zu ihren Lebzeiten entworfen und als Sommer- und Ruhesitze genutzt wurden. Das Spannende daran: Alle drei Gräber sehen ganz unterschiedlich aus. Und jedes Grab war noch ein bisschen schöner als das, was wir vorher gesehen hatten. (von Jörg Düspohl)

Der Tourleiter weist eindringlich darauf hin, dass die eigenen Habseligkeiten im Auge zu behalten sind. Es komme doch häufig vor, dass Touristen bei diesem Ausflug ihre Sachen verlören. Nette Umschreibung! Doch Diebe sind es weniger, die heute für Missmut sorgen. Dafür versuchen die Eigentümerinnen des Touristenbootes ihre Bücher, Bilder, Postkarten und Seidenkimonos während der Fahrt zu verticken, und so einen kleinen Nebenerlös zu machen. Stutzig werde ich, als sie mir die Speisekarte mit Mondpreisen für Touristen vor die Nase halten: Ich soll jetzt wählen und bezahlen. Moment – war der Lunch nicht im Preis inbegriffen? Doch, bestätigt der Tourleiter. Nur wer mehr möchte, muss das separat bestellen und bezahlen. Aha, denke ich, und lehne bestimmt ab. Das gefällt den Damen gar nicht.

Ähnlich gesinnt sind ihre Mitbürger an unserem zweiten Stopp, dem Kaisergrab von Thieu Tri. Ich bezahle den Eintritt für zwei, also 110.000 Dong. Dazu reiche ich 150.000 Dong über die Tresen und ruckzuck verschwindet der 100.000 Dong-Schein in der Hand der einen Dame, während die andere plötzlich außer meinem 50.000 Dong-Schein noch einen 10.000 Dong-Schein in der Hand hält, und mich halb strafend, halb wartend anblickt: “Da fehlt noch was!“ – Nein, sage ich, im Gegenteil, ich habe Ihnen 150.000 Dong gegeben, also bekomme ich noch 40.000 Dong zurück. Nein, sagten die Damen, das stimme nicht. So ging es ein wenig hin und her. Ich glaube, wenn Jörg nicht als Zeuge neben mir gestanden hätte, hätten sie nicht so leicht eingelenkt.

Da das Grab ein wenig vom Anlegesteg entfernt ist, mussten wir auf den Rücksitzen von Motorrädern dorthin befördert werden. Den Transfer hatten wir bereits bei der Tour-Agentur bezahlt. Was passiert jedoch, als wir wieder am Boot ankommen? Jörg und ich sind die ersten, eine Frau drückt unseren Fahrern je eine Getränkedose in die Hände und besteht darauf, dass wir das bezahlen. 10.000 Dong pro Dose sind gut ein Drittel mehr als üblich, und außerdem eine halbe Motorradfahrt. Hinzu kommt: Die Männer werden die Getränke nicht trinken, sondern die 20.000 Dong dritteln und zusätzlich zum eigentlichen Lohn einstecken. Das ist Abzocke.

Dabei geht es weniger um die Beträge, denn die sind für uns wirklich minimal – aber es geht ums Prinzip. So wie das hier in Hue ist, haben wir es nirgendwo in Vietnam bisher erlebt. Natürlich wollen alle am wirtschaftlichen Aufschwung teilhaben und verkaufen, verkaufen, verkaufen. Es ist auch okay, besser als betteln oder klauen. Aber wenn man für gewöhnlich höflich „Nein“ sagt, ist die Sache gegessen. Nicht so in Hue. Hier sind einige Verkäufer und Schlepper sehr unangenehm und hartnäckig. Und nochmals auf einer anderen Ebene spielt dann die richtige Abzocke wie mit der Eintrittsgebühr. Das ist nicht gut für den Tourismus, denn das spricht sich herum. Zunächst in der reisenden Gruppe, dann unter den weiteren Bekanntschaften der nächsten Tage, unter Landesgleichen und so weiter. Und dann hat eine Sehenswürdigkeit, eine Stadt, ein Land schnell einen schlechten Ruf. Allerdings: beim derzeitigen Tourismusboom Vietnams wird natürlich auch die Abzocke noch weiter wachsen. Darum bin ich ganz froh, jetzt hier reisen. In einigen Jahren wird es wahrscheinlich nicht mehr so friedlich sein, wie es heute doch größtenteils noch ist.

Entlang der DMZ

Wieder mal ein Ausflug – Richtung Norden hin zur Demilitarized Zone (DMZ). Einige Daten dazu: 1954 wurde Vietnam zweigeteilt in Nord- und Süd-Vietnam. Ziel war es, 1956 in Vietnam freie Wahl stattfinden zu lassen, und dann das Land wieder zu vereinigen. Im Norden sollten sich alle Kommunisten und deren Sympathisanten sammeln und im Süden der Rest. Irgendwie hat es aber dann mit den Wahlen nicht so recht geklappt, dann haben sich die US-Amerikaner eingemischt. Es dauerte bis 1975 bis aus zwei Vietnams wieder eins wurde. Entlang der DMZ, die also Trennlinie zwischen Nord und Süd war, kann man sich heute noch einige historische Punkte wie Brücken, ehemalige Flughäfen oder Tunnel ansehen. Dort im Gebirge, nah der ehemaligen Grenze zwischen Nord- und Süd-Vietnam, steht auf einer grünen Wiese und in einem wiederbelaubten Wald auch ein kleines Museum. Innen hängen Bilder und Karten, und im dazugehörigen Garten stehen Hubschrauber und ein Flugzeugwrack. Da wird der Krieg zumindest sichtbar. Doch berührend ist etwas anderes: Ein vierzeiliger Eintrag eines US-Amerikaners im Gästebuch.

„Ich bin hier 1967/68 geflogen. Ich habe Vietnamesen getötet. Heute bin ich als Tourist zurückgekehrt. Und ich möchte mich aus ganzem Herzen für das, was ich getan habe, entschuldigen.“

Dieser Gong ist ein akustisches Souvenir aus Vietnam:

Kurz nachdem wir ausgecheckt hatten und während wir auf unseren Bus zum Flughafen warteten, hatten wir noch unerwarteten Besuch in der Lobby unseres Hotels: Zufällig sah ich in einer Ecke einen Schwanz. Ich dachte: Dieser Schwanz sieht so aus, als ob er zu einer Ratte gehören könnte. Kurz darauf zeigte sich das Tier in voller Größe – etwa so groß wie eine europäische Hauskatze. Bettina stieß einen kurzen spitzen Schrei aus, wodurch ein Hotelangestellter auf das Tier aufmerksam wurde. Er lachte nur kurz, ging dann aber wieder seiner Arbeit nach. Wir wechselten den Platz innerhalb der Lobby – weg von der Ratte. So vergingen einige Minuten, und dann: eine weitere – wenn auch kleinere – Ratte kreuzte abermals die Lobby. Wieder ein kurzer spitzer Schrei von Bettina. Diesmal sahen fünf Hotelangestellte das Tier. Sie kicherten nur kurz über Bettinas Schrei. Auch diesmal ließen sie das Tier seines Weges ziehen. Gut, dass wir die Ratten erst kurz vor unserer Abreise gesehen haben. (Jörg Düspohl)

Linksabbieger

Also dieser anarchistische Straßenverkehr in Vietnam beschäftigt mich schon. Heute Nacht habe ich geträumt, dass ich um eine ganz bestimmte Sehenswürdigkeit zu besuchen, ein Auto mieten müsste. Hab’ ich getan, einen feuerroten Golf nämlich. Nicht, dass ich hier schon einmal einen Golf gesehen hätte. Naja, das Besondere an dem Traum war, dass ich immer links abbiegen musste. Hintergrund: Es gibt in Vietnam fast keine Straßenschilder und kaum Ampeln. Will jemand links abbiegen, dann hupt er, und dann fährt er natürlich ohne zu blinken im spitzen Winkel nach links in die Straße.

Das ist für uns Europäer schwer vorstellbar und immer wieder atemberaubend. Besonders wenn man gerade über die Straße geht – beispielsweise auf einem Zebrastreifen, der keinerlei Funktion zu haben scheint, oder über eine der wenigen Fußgängerampeln, die völlig missachtet werden, und dann ein laut hupendes Moped oder ein Auto oder schlimmer noch: ein Bus mit voller Geschwindigkeit auf uns zu rast. Zumindest in meinem Traum heute Nacht hat das Linksabbiegen immer bestens geklappt. Im wahren Leben bekämen mich hier keine zehn Pferde als Fahrer auf die Straße!

Die Altstadt von Hanoi

Meine Güte, ist das ein Gewusel in der Altstadt von Hanoi! Dabei ist sie gut organisiert, denn die Straßenzüge haben je einen Wirtschaftsschwerpunkt. So gibt es eine Straße für Schuhe, eine für Mode, eine für Seide, Schmuck, Süßigkeiten, eine ohrenbetäubend laute, in der die Schmiede ihrer Arbeit nachgehen oder eine, in der Dekoration verkauft wird. Im Moment ist Weihnachtsschmuck sehr angesagt, was irgendwie merkwürdig erscheint.

Gestern haben wir den Literatur-Tempel in Hanoi besichtigt. Ein Gebäudekomplex, der schon 1070 zur Verehrung Konfuzius’ gegründet wurde und zugleich die erste Universität Vietnams war. Der Komplex ist sehr lang gezogenen, besteht aus eigentlich vier hintereinander liegenden Gebäuden. Das letzte ist dem Kult der 72 Weisen gewidmet. Hierhin kommt man nur, wenn man alle Prüfungen bestanden hat. 1733 waren das von 3.000 Leuten nach 35 Tagen Prüfungszeit gerade einmal acht. (Jörg Düspohl)

In der Ha Long Bucht

Um acht holte uns ein Minibus ab, um zwölf bestiegen wir in Ha Long ein Boot und fuhren etwa vier Stunden durch die gleichnamige Bucht. Die etwa 3.000 Kalkstein-Inseln dort lassen die Gegend ziemlich bizarr aussehen, aber auch sehr nett. Darum gehört sie auch zum UNESCO Weltkulturerbe. Das einzige was nicht so schön, aber natürlich ist, ist, dass auch andere Touristen dort hin wollen. Also ist die Bucht ziemlich überlaufen mit Booten und mit Besuchern vieler Länder. Wir haben, weil die Sonne so schön schien und das Wasser so ruhig war, auf einen Höhlenbesuch verzichtet und blieben alleine in unseren Liegestühlen auf Deck zurück. So hatten wir eine ausgesprochen ruhige und angenehme halbe Stunde. Wobei auch die 3,5 anderen Stunden durchaus nett waren. Haben uns bestens mit einer Mutter und ihrer Tochter aus Thailand und einem Pärchen aus Malaysia amüsiert. Schade war nach dem schönen Ausflug nur, dass wir wieder drei Stunden im Bus zurück nach Hanoi fahren mussten. Darauf hätte ich gerne verzichtet, aber Beamen geht ja leider noch immer nicht. Das war nun aber die letzte lange Bustour für diesen Urlaub.

Nebel des Grauens in Sa Pa

Eben stand da noch ein Baum vor unserem Balkon, etwa in 20 Metern Entfernung. Jetzt ist er weg. Ausradiert von den dicken weißen Nebelschwaden, die jetzt auch langsam unsere Geranien auf dem Balkon umschlingen. Wir sollten die Balkontür zulassen, sonst werden auch wir gleich unsichtbar gemacht. So wie die Mopeds auf der Straße, die ohne Licht fahren, und plötzlich vor einem auftauchen. Dafür werden andere Dinge durch die Nebeltröpfchen sichtbar: Gigantische Spinnennetze mit bis zu 40 Zentimetern im Durchmesser, in denen große Spinnen sitzen und auf ihre Beute warten. Eine war grün gestreift. Wir sind schnell weitergegangen.

Eigentlich sind wir ja hier, um terrassenförmige Reisfelder und Berge zu sehen – daraus wird erstmal nichts wegen des dichten Nebels. Wir haben noch bis Montagabend Zeit, und hoffen inständig auf Wetterbesserung. Bis dahin spazieren wir durch eine andere Zeit und auf einem anderen Planeten. Denn hier in Sa Pa leben viele so genannte ethnische Minderheiten. Sie reichen uns etwa an die Brust, sind in merkwürdige bunte Gewänder gekleidet und tragen seltsamen schwarzen oder roten Kopfschmuck.

Bilderbuchwetter in den tonkinesischen Alpen

Heute Morgen nach dem Duschen trauten wir kaum unseren Augen: Man konnte auf die andere Straßenseite sehen. Der Nebel zog sich zurück. Und bis wir mit dem Ziel Cat Cal losspazierten, stand die Sonne an einem blauen Himmel. Cat Cal ist ein Minderheitendorf, drei Kilometer von Sa Pa entfernt. Der Weg dorthin soll der einfachste zu einem der Dörfer in der Gegend sein. Trotzdem steht im Reiseführer, dass man für die Strecke hin und zurück drei bis vier Stunden einplanen sollte. Wir wussten bald, warum. Die Straße begann steil, wurde noch steiler, und ging schließlich in Treppen über, die ebenfalls durch einen zunehmend steileren Steigungswinkel anstrengender wurden. Wir brauchten ins Tal eine gute Stunde, zurück erfreulicherweise nicht deutlich länger – und das Schwitzen hat sich gelohnt! Wir haben endlich die Berge mit dem Bambuswäldern und Farnen gesehen, die Wasserfälle und vor allem auch die Reisterrassen, wegen derer wir hier ja im Wesentlichen hingefahren sind.

Plauderei am Straßenrand

Während wir so auf dem Dorfplatz in Sa Pa in der Sonne sitzen und darauf warten, dass uns der Bus zum Bahnhof nach Lao Gai bringt, kommt wie so oft ein Vietnamese in Plauderstimmung vorbei. Erstaunlich, was der Mann alles über Deutschland weiß! Zahlen, Daten, Fakten – ich wünschte, ich wüsste so viel über Vietnam! Er erzählt, dass es 30.000 US-Dollar kostet, von der Vietnamesen-Mafia nach Deutschland gebracht zu werden. Und obwohl er weiß, wie gefährlich das illegale Leben als Zigarettenverkäufer oder Kloputzer ist, würde er gerne nach Deutschland gehen – hätte er denn das Geld. Wir geben unser Bestes, ihm das auszureden.

Aber es ist natürlich schwierig, wenn man immer nur hören will, wie viel man in Deutschland in kurzer Zeit verdienen kann. Und natürlich erzählen die Vietnamesen, die tatsächlich zurückkommen, nur das Beste. Er berichtet aber auch von einer Frau aus Sa Pa, die ihr Haus verkaufte und so genug Geld hatte, um nach Frankreich zu gehen. Dort kaufte sie einen Ehemann, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Doch der wollte mehr als nur den Ehemann spielen – und hat sie gegen ihren Willen missbraucht. Und auch seine Freunde dazu eingeladen. Dann kam die Aufenthaltsbehörde und überprüfte den Fall, das war ihr Glück – oder auch nicht. Die Behörde bemerkte die Scheinehe, und hat sie nach Vietnam zurückgeschickt. Jetzt ist sie wieder ins Sa Pa. Ohne Haus, ohne Geld, ohne alles.

Erwachendes Hanoi

Pünktlich um 5:30 Uhr heute Morgen, und somit noch mitten in der vietnamesischen Nacht, spuckte uns der Zug wieder in Hanoi aus. Wir hatten zwei Möglichkeiten: mit dem Taxi zum Hotel fahren. Oder laufen – mit den Rucksäcken auf dem Rücken, gute zwei Kilometer. Gegen die Taxifahrt sprach, dass unser Reiseführer, das Hotel und andere Touristen gewarnt hatten, dass die Taxifahrer in Hanoi ihre Gäste grundsätzlichen nie dahin bringen, wohin sie möchten. Sie fahren sie zu anderen Hotels, um Provision zu kassieren. Und wir hatten keine Lust auf eine Diskussion mit einem Taxifahrer, der kein Englisch spricht oder sprechen will.

Für die kleine Wanderung sprach, dass die Vietnamesen vor Sonnenaufgang gewöhnlich Frühsport treiben, und wir das gerne sehen wollten. Jetzt können wir das bestätigen: In den Straßen machen Männer Liegestütze auf dem Bürgersteig und Frauen Gymnastik. Vor allem beim Hoan Kiem See, im Herzen der Stadt, war kurz vor sechs die Hölle los: joggende Männer, seilspringende Frauen, Federball spielende Paare und zwei große Gruppen, die begleitet von Aerobic-Musik und angeleitet durch eine Vorturnerin mit Mikrofon gemeinsam ihre Übungen absolvierten. Es waren gut und gerne mehrere 100 Sportler unterwegs! Unfassbar! Dieses Volk arbeitet von früh bis spät und hat vor der Arbeit nichts Besseres zu tun, als auch noch Sport zu treiben. So viel Energie lässt mich erblassen!

Zur Duftpagode

Unser letzter Ausflug führte uns heute zur heiligsten Städte Vietnams, der Duft-Pagode. Sie heißt so, weil im Frühjahr das Tal, in dem sie liegt, erblüht, und dieser Duft weit zu riechen ist. Im März und April ist dieser Ort das Mekka der Buddhisten. Hierhin kommt eigentlich jeder Buddhist – nicht nur die vietnamesischem – um um die Erfüllung seiner Wünsche zu bitten. Sei’s ein Kinderwunsch, der Wunsch nach einer Heirat, Gesundheit – aber auch um recht weltliche Dinge bittet man, wie zum Beispiel um mehr Geld oder bessere Prüfungsnoten.

Taxifahrt in Hanoi

Mehrere Reiseführer hatten uns das ethnologische Museum, also das Museum für Völkerkunde, empfohlen. Darum haben wir uns heute auf dem Weg dorthin gemacht. Es liegt leider acht Kilometer außerhalb. Deshalb haben wir ein Taxi genommen, und dort Völkerkunde der anderen Art kennen gelernt: Zunächst dachte ich, dass der Fahrer auf unsere Sicherheit bedacht sei, da er als erstes mit Zentralverriegelung die Türen geschlossen hat. In unserem Reiseführer hatten wir gelesen, dass die Fahrt zum Museum etwa 50.000 Dong kosten sollte. Diese Summe hatten wir schon nach kurzer Zeit erreicht, das Museum aber leider noch nicht!

Erst, als das Taxameter 161.000 Dong oder 18,2 Kilometer anzeigte, waren wir schließlich da. Das Erstaunliche daran: Der Taxifahrer ist eigentlich nur geradeaus und keine Umwege gefahren. Trotzdem war die Strecke bei uns zehn Kilometer länger. Oder anders ausgedrückt: Ich gehe davon aus, dass das Taxameter frisiert war. Auf den hohen Preis und die lange Strecke angesprochen, verstand der Taxifahrer plötzlich kein Englisch mehr. Nur die Worte 161.000 Dong gingen ihm leicht von den Lippen. Die Zentralverriegelung öffnete sich übrigens auch erst wieder, nachdem wir diese Summe beglichen hatten. Auf dem Rückweg haben wir nur 12.000 Dong bezahlt, da wir den Bus genommen haben. Auch ein lustiges Erlebnis: Wir wurden angestaunt wie Aliens. Und da die 161.000 Dong letztendlich nur sieben Euro sind, hat der Taxifahrer unsere Stimmung am letzten Tag nicht weiter gedrückt. (Jörg Düspohl)

Fazit

Es war eine sehr schöne Zeit. Ich würde jederzeit wieder nach Vietnam fliegen – es gibt noch einiges zu sehen. Hue würde ich allerdings um mindestens einen Tag kürzen, ebenso Da Lat. Nach My Son würde ich keinen Ausflug mehr machen, und auch nicht unbedingt entlang der DMZ fahren. Dafür würde ich eine Nacht in der Ha Long Bucht übernachten, zwei Tage zur so genannten trockenen Ha Long Bucht fahren, und vielleicht noch drei oder vier Tage in Nationalparks zubringen. Naja, im Nachhinein ist man immer schlauer. Und alles in allem: Es war toll!

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