Fünf Stunden in Stavanger

In der Altstadt von Stavanger
In der Altstadt von Stavanger

Auf meiner ersten Kreuzfahrt hatte ich zunächst Angst, dass ein Landausflug mit zehn Stunden Aufenthalt zu kurz sein könnte. Aber für Stavanger reichen auch fünf Stunden. Als wir gegen halb neun das Boot verließen, schien die Stadt noch zu schlafen. Praktischerweise liegt die Altstadt mit ihren weißen Holzhäuschen direkt am Kreuzfahrthafen. So konnte man dort frühmorgens hindurchspazieren. Leider nicht alleine, denn es lagen gleich drei Schiffe vor Ort, deren Passagiere mehr oder weniger gleichzeitig auf Entdeckungstour gingen. In der Altstadt wachsen überall Rosen und es hängen Blumenampeln an den Häusern. Ein gar liebliches Bild – solange man die riesigen Kreuzfahrtschiffe ausblendet, die man zwischen den Häusern wie Fremdkörper sieht, wenn man Richtung Hafen blickt. Über dieser teils malerischen, teils bedenklichen Kulisse liegt Rosenduft, aber leider hört man die Motoren der Schiffe fast die ganze Zeit als Hintergrundgeräusch. Kreuzfahrten sind mit Sicherheit nicht für jedermann eine Freude. Ich schätze, die Einwohner der angefahrenen Städte finden diese Art des Tourismus eher ärgerlich.

Am Ende der Altstadt kommt man ins Einkaufsviertel von Stavanger mit seinen Fußgängerzonen und Cafés. Ganz reizend sieht es dort aus: Kopfsteinpflaster, enge Straßen, Holzhäuser, einige bunt gestrichen, und überall stehen und hängen Blumen. Besonders schön finde ich, wie unauffällig globale Markennamen integriert werden. Eine Sache, die in Deutschland nur selten funktioniert. Die meisten deutschen Städte werden durch große, bunte, beleuchtete Schriftzüge entstellt.

Ein absolutes Muss in Stavanger ist das Ölmuseum. Denn Norwegen hat jede Menge dieses Rohstoffes vor der Küste liegen, und Stavanger ist ein wichtiger Punkt für seine Förderung. Achtung, wenn das Museum um 10 Uhr öffnet, bildet sich schnell eine Schlange an der Kasse. Innen verläuft sich der Besucherstrom zwischen den Erklärtafeln. Man kann aber auch in eine Rettungskapsel steigen und in einem so genannten Rettungsstrumpf von einem Stockwerk ins andere rutschen. Mit der Eintrittskarte bekommt man außerdem einen Rabatt von 50 Prozent beim Besuch des Sardinenkonservenmuseums. Das ist in der Altstadt, und obwohl im Internet steht, dass es montags geschlossen ist, war es geöffnet. Es zeigt, wie in der ehemaligen Konservenfabrik gearbeitet wurde. Wer müde Füße hat, sollte sich den Film im zweiten Stock ansehen. Er zeigt Bilder aus längst vergangenen Zeiten, von Fischschwärmen und einer harten Arbeit.

Fazit: Die Serenade of the Seas hatte sieben Touren rund um Stavanger und in der Stadt im Angebot. Die billigste kostete pro Person 79 US-Dollar. Das kann man machen. Aber notwendig ist es nicht. Wer sich auf den Stadtkern konzentriert, kommt sehr gut und sogar ohne Stadtplan zurecht.

Kommentar verfassen