Willich: Die Bioland-Kühe sind los

Weidezeit für Bioland-Kühe
Weidezeit für Bioland-Kühe

Das ist ein Bocken und ein Springen, wie man es den großen, massigen Tieren gar nicht zugetraut hätte. Normalerweise stehen Kühe eher gelassen auf der Wiese, der Kiefer zermalmt das saftige Grün. Doch an diesem Samstag Ende März ist in Willich auf dem Bauernhof Zens alles anders. Denn nach der langen Winterpause wächst endlich das Gras, und darum dürfen die 90 Kühe des Landwirtehepaars erstmals in diesem Jahr auf die Wiese. Eine Attraktion, die auch die umliegenden Nachbarn begeistert: Gut 200 Junge und Alte, Radfahrer, Familien mit kleinen Kindern oder jungebliebene Senioren stehen in sorgfältigem Abstand zum Elektrozaun, um den Spaß der Kühe auf der grünen Weise zu sehen und zu teilen.

Bioland-Kühe sind oft auf der Wiese

Der Kuhauftrieb in Willich ist einer der ersten im Jahr 2018, denn am Niederrhein ist das Klima mild. In vielen anderen Teilen der Republik wird es noch drei bis vier Wochen dauern, bis die Kühe wieder auf die Wiese dürfen. „Wir haben 75 Hektar Land, auf denen wir das Futter für unsere Tiere anbauen“, sagt Peter Zens. Das sind zum Beispiel Kartoffeln und Mais – aber eben auch das Gras und das Klee, das für die Weidehaltung der Tiere wichtig ist und die Qualität des Käses beeinflusst, der aus der Kuhmilch gewonnen wird. Weidehaltung ist ein wichtiges Element im Biolandbau, und der Bauernhof Zens ist von Bioland zertifiziert.

Bioland-Kühe werden streng kontrolliert

„In NRW sind 700 Unternehmen bei uns Mitglied, davon haben etwa 200 Milchvieh“, sagt Jan Leifert, Landes-Geschäftsführer von Bioland. Bundesweit arbeitet der Verein mit 7000 Betrieben zusammen. Wer Produkte mit dem Bioland-Siegel kauft, kann sichergehen, dass die gesetzlichen Mindestanforderungen der EG-Öko-Verordnung eingehalten werden, und noch eine Schippe Bio draufgelegt wird. So halten Bioland-Höfe immer zu 100 Prozent die entsprechenden Regelungen ein, bei der EG-Öko-Verordnung ist dagegen biologische und konventionelle Bewirtschaftung auf einem Betrieb möglich. Außerdem dürfen auf einem Bioland-Hof nicht so viele Tiere gehalten werden, wie es die EG Öko-Verordnung vorsieht. Es gibt außerdem zum Beispiel Unterschiede beim Dünger. „Wichtig ist, dass wir einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen“, sagt Leifert. „Unsere Produkte sind Weidemilch, gentechnikfrei, bio – und noch einiges mehr.“

Jeder Betrieb werde mindestens einmal im Jahr von den staatlichen Kontrollstellen überprüft, 20 Prozent der Betriebe bekämen außerdem eine unangekündigte Kontrolle. Hinzu kämen alle die Kontrollen, die auch konventionelle Milchbetriebe haben. Bei Bioland spricht man übrigens von der biologisch-organischen Landwirtschaft. Sie darf nicht verwechselt werden mit der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise, wie sie vorausgesetzt wird, um das Demeter-Siegel zu bekommen.

Vom konventionellen Landbau zu Bioland-Kühen

Peter Zens, Bio-Landwirt in Willich, NRW
Peter Zens, Bio-Landwirt

Landwirt Zens hat sich erst vor einiger Zeit entschlossen, von der konventionellen zur biologisch-organischen Landwirtschaft zu wechseln. „Wir wollten einerseits nicht, dass der Hof zu groß wird“, sagt Zens. „Unsere Kühe haben alle noch Namen, und das soll auch so bleiben“. Ehefrau Zens kennt sogar den Namen jeder Kuh auswendig: Da sind die Zwillinge Mirinda und Miranda, die sich selten trennen und sogar gleichzeitig Kälber bekommen werden. Da ist Heilig, die an Weihnachten geboren wurde. Mirko, der eine schwierige Geburt war, aber nach drei Wochen jetzt langsam auf die Beine kommt, oder Amalia, die sehr gekonnt in die Kamera schaut. „Andererseits war ausschlaggebend das Wissen, dass meine Frau aus ihrer Imkerei mitbrachte“, sagt Peter Zens. Petra Zens ist nämlich Hobby-Imkerin, und hat dabei viel über das Insektensterben gelernt. Also haben sich die Zens entschlossen, Bioland-Mitglied zu werden. „Die Umstellung hat drei Jahre gedauert, im Oktober 2017 haben wir die erste zertifizierte Milch ausgeliefert“, so der Landwirt.

Die Milch von Bioland-Kühen im niederländischen Käse

Heute gehen jeden Tag 1500 Liter Milch an Aurora Kaas, einen niederländischen Familienbetrieb, der seit 1980 ausschließlich aus Biomilch Käse herstellt. Das Käselager der Firma steht in Kranenburg, weil sowieso schon immer 90 Prozent des hergestellten Käses nach Deutschland geliefert wird. Dort will Manon ten Dam, Geschäftsführerin, bald auch eine Käserei bauen. Aurora Kaas arbeitet mit 17 Kuhmilchbetrieben zusammen, von denen sechs aus Nordrhein-Westfalen kommen, drei sind Demeter-zertifiziert.

Manon ten Dam, Aurora Kaas
Manon ten Dam, Aurora Kaas

Fazit

Der Bauernhof von Peter Zens ist ein Schauhof. Ihr könnt dort einfach hinfahren und die Kälber besuchen. Im Hofladen gibt es außerdem Milch, Eier und Käse. Bald soll an der Straße auch ein Automat zur Selbstbedienung stehen. Auf dem Bioland-Hof könnt Ihr Euch selbst über das Siegel und die biologisch-organische Landwirtschaft informieren.

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