Spreewald – Viel Natur vor den Toren Berlins

Die Gurken aus dem Spreewald kennt wohl jeder. Doch was genau ist das denn für ein Wald?

Als Kind habe ich mal was vom Spreewald gelesen. Damals ging es aber nicht um Gurken, sondern darum, dass die Leute dort nur mit Booten zu ihren Häusern kommen. Denn sie leben auf kleinen Inseln im Wasser. Sogar die Post wird per Boot ausgeliefert. Das hatte sich in meinem Hinterkopf für viele Jahre festgesetzt. Nun war die Gelegenheit, sich das anzuschauen.

Haus im Spreewald
Zu diesen Häusern gelangen die Einwohner per Boot.

Der Spreewald liegt in Brandenburg und ist von Berlin Hauptbahnhof eine gute Stunde mit dem Zug entfernt. Mein Zielbahnhof war Lübbenau (Spreewald). Nicht verwechseln mit Lübben (Spreewald), das ist ein Bahnhof vorher – wobei man von dort aus bestimmt auch gut den Spreewald erkunden kann. Am Bahnhof wird man mit zweisprachigen Schildern begrüßt: In der Region ist das Sorbische beheimatet.

Bahnhofsschild Lübbenau (Spreewald)
Nein, man ist nicht in Polen – in Brandenburg ist auch Sorbisch beheimatet. Entsprechend ist der Bahnhof zweisprachig ausgeschildert.

Vom Bahnhof aus kann man sich grob Richtung Nordost orientieren. Es gibt zwei Hauptstraßen zum Ortskern. Die Poststraße führt in rund 10 Minuten vom Bahnhof aus geradeaus durch eine noch an den Baustil der DDR erinnernde Siedlung in den Ortskern mit einem hübschen Marktplatz mit netten Cafés. Wenn man sich vom Bahnhof aus zunächst rechts orientiert und dann die erste größere Straße links, die Dammstraße nimmt, ist man gleich auf der Touristenmeile. Dort reiht sich Restaurant an Restaurant und an Spreewaldgurkenstände. Die Poststraße ist dagegen wesentlich entspannter. Es finden sich an beiden Straßen jede Menge großer Parkplätze, falls ihr mit dem Auto kommt.

Was kann man denn im Spreewald machen?

Zunächst einmal die Natur genießen: Alles ist grün. Der Spreewald ist ein UNESCO-Biosphärenreservat mit einer Fläche von rund 475 Quadratkilometern. Das ist nur die Hälfte der Fläche von Berlin, aber etwas mehr Fläche als das Stadtgebiet von Köln. Man kann hier wandern, Fahrradfahren oder sich auf dem Wasser fortbewegen. Denn den Spreewald durchziehen hunderte von Kilometern lange kleine Kanäle, auf denen mit Booten gefahren werden kann. Dabei sind keine Motoren erlaubt, alles geht mit Muskelkraft und daher ist es recht ruhig. Entweder mietet man sich selbst ein Kanu oder macht eine Kahnfahrt.

Kanufahren im Spreewald
Man kann auch selber die Paddel in die Hand nehmen, wenn man etwas sportlicher unterwegs sein will.

Mit dem Kahn unterwegs

Die Kahnfahrten beginnen an mehreren Stellen in Lübbenau, je nach Anbieter. Es gibt Touren mit unterschiedlicher Dauer. Ich habe mich nach dem Mittagessen für eine der kurzen Touren entschieden und mich zwei Stunden übers Wasser staksen lassen. Das hat 13 Euro gekostet und war recht gemütlich. Los ging es im kleinen Hafen „Am Spreeschlößchen“. Der Fährmann hat unterwegs viel Interessantes erzählt, er macht den Job schon seit über 30 Jahren.

Kahnfahrten in Lübbenau Spreewald
Mit einer Kahnfahrt kann man gemütlich den Spreewald „erkunden“.

Eine Sache, die mir besonders in Erinnerung geblieben ist: „Seit es das Einwegflaschenpfand gibt, ist das Wasser viel sauberer. Früher haben wir im Herbst zwei Container voller Flaschen aus dem Wasser geholt.“ Mir ist es grundsätzlich ein Rätsel, warum Menschen denken, dass es in Ordnung sei, seinen Müll in der Natur oder einfach auf der Straße zu entsorgen.

Kahnfahrten in Lübbenau Spreewald
Die Kähne fahren ohne Motor, nur mit Muskelkraft des Fährmanns.

Wer mehr Zeit auf dem Wasser verbringen will, kann längere Touren machen, die noch tiefer in den Spreewald hineinführen. Dort gibt es beispielsweise noch ein Freilichtmuseum.

Seinen Namen hat der Spreewald übrigens von der in Richtung Berlin durchfließenden Spree. Sie ist ein wichtiger Trinkwasserspeicher und auch Hochwasserschutz für die Hauptstadt. Der sorbische Name Błóta bedeutet hingegen „die Sümpfe“, was etwas mehr über die Beschaffenheit der Gegend aussagt.

Der kulinarische Spreewald

Ein Wort reicht: Gurken. Die offizielle Bezeichnung „Spreewälder Gurken“ ist eine geschützte Herkunftsbezeichnung wie beim Champagner. Es gibt sogar einen Gurken-Radweg, der 250 Kilometer durch den Spreewald führt.

Durch die Böden und das Klima im Spreewald wachsen die Gurken hier gut, der Geschmack kommt von den Gewürzen beim Einlegen. Es gibt viele verschiedene Sorten und an jeder Ecke einen Gurkenstand. Tatsächlich habe ich es versäumt, eine Gurke zu essen, da ich mittags schon einen Gurkensalat zu meiner Soljanka hatte. Aber das Gurkenradler war lecker.

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