Schlosspark Stammheim: Wo Kunst auf Natur trifft

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Im Schlosspark in Stammheim
Im Schlosspark in Stammheim

Zugegeben: das Schloss muss man sich vorstellen. Denn das einstige Rokokogebäude in Köln-Stammheim ist 1944 nach einem Fliegerangriff abgebrannt. Aber die hohen Bäume mit den hellgrünen und blutroten Blättern und mit Stämmen, die zu dick sind, um sie zu umarmen, sind ein Zeugnis dafür, dass hier schon früher kein gewöhnlicher Park war. Schnurgerade führt die einstige Auffahrt noch heute als verengte Schlossstraße aus der Stadt kommend fast bis hinunter zum Rheinufer. Als ich die Einfahrt mit den liegenden Löwen links und rechts passiert habe, fühle ich mich fast selbst wie eines der Reichsfreifräulein zu Fürstenberg, die hier im 19. Jahrhundert im Schatten derselben Bäume wie ich heute flaniert sein mögen.

Skulpturen im Schlosspark Stammheim

Doch es gibt einen großen Unterschied zu damals: Neben den Bäumen gibt es im Schlosspark Stammheim seit einigen Jahren nämlich Kunst zu sehen. Die Initiative Kultur Raum Rechstrhein schreibt jährlich einen Wettbewerb aus, bei dem Künstler ihre Werke einreichen können, die dann jeweils ab Pfingsten den Besuchern im Park zugänglich gemacht werden. Ihr Ziel ist es, Kunst und Kultur im rechtsrheinischen Köln zu fördern. Das Ergebnis kommt allen Besuchern zugute, und der einstige Schlosspark ist dadurch heute noch etwas Besonderes – auch wenn keine Adligen mehr unter den Bäumen spaziergehen. Dafür haben die Bürger diesen Raum erobert: Zwei Mädchen, die vermutlich gerade erst Fahrradfahren gelernt haben, freuen sich über die Geschwindigkeit, die sie aufnehmen, während sie auf den verschlungenen Wegen in die Pedale treten. Zwei ältere Frauen sitzen trotz 22 Grad Celsius in dicken Daunenjacken auf einer der vielen Sitzbänke mit Blick auf den Rhein. Und zwei Männer in ihren Zwanzigern durchqueren den Park von Ecke zu Ecke, immer den Blick auf das Smartphone gerichtet.

Vorherrschende Farbe: Grün
Vorherrschende Farbe: Grün. Der Schlosspark durchs Kaleidoskop gesehen.

Mit moderner Technik jahrhundertealten Pflanzen auf der Spur im Stammheimer Schlosspark

Ich kann es mir zwar nicht vorstellen, aber vielleicht sind sie dabei auf der Suche nach ganz speziellen Pflanzen. Im Stammheimer Schlosspark gibt es nämlich eine Station mit QR-Codes. Wer sie scannt, kann sich Kurz-Infos zur jeweiligen Pflanze anhören. Rhododendron zum Beispiel, so erfahre ich, ist giftig – und dabei blüht er doch so schön in lila, pink, weiß oder rot. Außerdem gibt es einen Holzkasten, in dem Besucher für andere schöne Nachrichten hinterlassen können, „um mehr Liebe in die Welt zu bringen“, wie es auf der Rückseite des Kastens heißt. Und natürlich stehen überall Skulpturen: Parkbänke, die sich aus ihrer üblichen Form befreit zu haben scheinen und in einem wilden Haufen aus Brettern und Schrauben enden, ein Herz, das mit vielen Pfeilen getroffen, eine Figurengruppe in Lebensgröße, die mit Alltagstätigkeiten mitten im Park beschäftigt ist.

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Meine Lieblingsskulptur heißt übrigens Illusion und wurde 2015 von Thibault Gangloff gemacht: Als ich darauf zugehe, frage ich mich was die Stahlflügel darstellen sollen. Doch mit etwas Abstand dazu und dem Blick durch ein Loch in einem Brett geworfen erlebe ich den Aha-Effekt und erkenne ein Dreieck. Eine optische Täuschung zum Anfassen.

Der Schlosspark in Stammheim ist so viel mehr als nur einfach ein Park. Er ist ein Ort zum Verweilen und zum Entdecken, ein Platz mitten in Köln, der viel Spaß macht. Und gerade weil hier die ganz moderne Kunst auf die jahrhundertealten Bäume trifft, die einst die Fürstenberg-Stammheims gepflanzt haben, ist der Park noch immer einen Besuch wert. Auch wenn das Schloss, das ihm seinen Namen gab, seit vielen Jahren nicht mehr steht.

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Dieser Artikel entstand im Rahmen der Blogparade #SchlossGenuss.

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