Kreuzfahrt: Mein erstes Mal auf der Aida

Lichtermeer auf der Aida Nova

Zugegeben, ich war etwas nervös, als ich 2019 im Dezember morgens, kurz nach 7 Uhr, an Bord der Aida prima in Dubai ging: Wie würde es mir gefallen? Oder besser gesagt: Würde es mir gefallen? Ich hatte im Voraus so viele unterschiedliche Dinge gehört: Da ist Timo, der bevorzugt mit der Aida über die Meere fährt, ebenso ein älteres, auch sehr kreuzfahrterfahrenes Paar. Hinzu kommen Fernsehdokumentationen, die grölende, besoffene Menschen an Bord zeigen und Menschenmassen am Buffet. Kein Wunder also, dass ich etwas aufgeregt war. Um das vorweg zu nehmen: Die Aufregung war völlig unnötig.

Voraussichtliche Lesedauer: 12 Minuten

Konstruktiver Umgang mit Beschwerde auf der Aida Nova

Nach meiner zweiten Fahrt auf der Aida steht für mich fest: Zusammen mit der MeinSchiff ist sie meine favorisierte Reederei, wenn es um Kreuzfahrten geht. Bei meiner Fahrt 2023 auf der Aida Nova habe ich außerdem festgestellt, wie unbürokratisch unzufriedenen Gästen eine Lösung angeboten werden kann: Wir hatten Kabine 5309. Was wir nicht wussten: Über uns war ein Versorgungsraum für die Restaurants. Entsprechend laut war es dort. Tagsüber hat mich das nicht gestört, nachts war es die Hölle. besonders laut war das Gekleppere und Gescheppere zwischen etwa 23 und 1 Uhr, aber auch die ganze Nacht hindurch hörte man dort Poltern, Schieben, Klappern. Ich habe mich erst nach einigen Nächten beschwert, weil ich immer dachte, es werde noch besser. Am nächsten Tag haben wir eine neue Kabine bekommen, die deutlich leiser war.

Die drei wesentlichen Unterschiede auf der Aida

Es gibt drei Dinge, die bei meiner ersten Kreuzfahrt auf der Aida sehr anders waren als bei der Royal Caribbean oder der MSC:

  1. Es sind viel mehr Deutsche an Bord und Bordsprache ist deutsch. Das finden viele toll, vor allem die, die kein Englisch sprechen.
  2. Das Design ist bei der Aida prima und auch bei der Aida Nova ein absoluter Pluspunkt. Es ist modern, ohne unnötige Gold- und Plüschdekorationen. Und es gibt keine hässliche Swarovski-Treppe mitten im Schiff. Ein deutlicher Pluspunkt.
  3. Einen sehr großen Unterschied gibt es beim Essen: Auf der MSC und der Royal Caribbean ist es üblich, dass man zu einer festen Zeit an einem festgelegten Tisch neben Zufallsnachbar*innen sein Menü am Tisch serviert bekommt. Wer das nicht will, geht ins Buffetrestaurant. Auf der Aida ist das Buffetrestaurant Standard. Wer das nicht will, kann sich in Restaurants einen Tisch reservieren.

In manchen Restaurants zahlt man dann extra fürs Essen, in anderen nur für die Getränke. Diese Variante mag ich deutlich lieber, denn so kann ich sitzen wo ich will. Ich muss nicht den Abend mit langweiligen oder dummen Menschen verbringen und ich gehe Essen, wenn ich Hunger habe, und nicht, wenn der Plan es vorsieht. Hinzu kommt: Das Essen auf der Aida ist wirklich sehr gut. Es gibt viele Buffetrestaurants, die sich beim Angebot unterscheiden, so ist für jeden etwas dabei – und die Gäste verlaufen sich ganz gut. Also ein dickes Plus für die Aida.

Auf der Aida Nova beispielsweise gab es das Buffetrestaurant Fuego, in dem sehr viele Familien waren. Das habe ich natürlich gemieden, weil es mir zu laut und zu dusselig war. Das ist aber kein Problem, denn es gibt ja genügend andere Restaurants. Wir hatten bei dieser Fahrt das 3 x 3 Paket. Damit hat man in drei kostenpflichtigen Restaurants drei gesetzte Menüs bekommen – die alle qualitativ hervorragend waren. Auch das Schnuppermenü im japanischen Restaurant war sehr gut. Ich finde, dass die Aida, was das essen anbelangt, besser als die MeinSchiff abschneidet.

Noch ein Unterschied: das Kulturprogramm

Ein weiterer großer Unterschied ist das Abendprogramm: Sowohl auf der MSC Splendida beziehungsweise der Royal Caribbean Serenade of the Seas gab es ein spezielles Theater. Dort wurde Ballet getanzt, Opern gesungen, es gab Pantomime oder Akrobatik. Auf der Aida Prima und der Aida Nova ist das Theater nicht in einem abgeschlossenen Raum, sondern in der Mitte des Schiffes. Das führt erstens dazu, dass dort ein ständiges Kommen und Gehen ist, was mir persönlich nicht so gefällt. Außerdem war das Kulturprogramm dort sehr anders: Es wurden zum Beispiel Gemälde versteigert, es gab ein Beatles-Konzert oder Rock: Smoke on the Water, Friday on my Mind oder Thunder Strike erfreute das Publikum. Das war alles auch nicht schlecht. Letztlich ist es eben ein bisschen Geschmacksache, was man mag oder nicht. Am häufigsten habe ich mir das Kulturprogramm auf der MSC angesehen.

Was mir auf der Aida überhaupt nicht gefallen hat

Obwohl ich jederzeit wieder mit der Aida fahren würde, gibt es auch einige Punkte, über die ich mich zumindest gewundert habe:

  • Es gibt ein Raucherdeck. Weil aber fast überall in den Außenbereichen und selbst auf den Balkontischen Aschenbecher stehen, wurde dieses Raucherdeck kaum genutzt. Dafür war an vielen anderen Stellen Zigarettenqualm – für Nichtraucher*innen eher unerfreulich. Auf der Aida Nova ist mir das nicht negativ aufgefallen. Allerdings waren wir im Winter in Skandinavien unterwegs und nicht oft auf den Gemeinschaftsdecks unterwegs.
  • Sowohl am Currywurststand als auch in der Magnum-Eis-Bar oder im Restaurant Casa Nova fand ich die Mitarbeiter*innen ausgesprochen gelangweilt bis mürrisch, wenn nicht sogar unhöflich. Das habe ich so nie auf den anderen Booten erlebt. Ein Beispiel: Für das Magnum-Eis gibt es unterschiedliche Toppings: Classic, Special oder Experimental. Weil nirgendwo stand, welche Toppings in die Kategorie Experimental fallen, habe ich nachgefragt. Der Herr unterbrach mich rüde und meinte, das könne ich auf der Vorderseite sehen. Also ging ich dorthin: Da war jedoch nur ein Bruchteil der Toppings ausgestellt, den es tatsächlich gab. Also habe ich nochmals nachgefragt. Da war der Gute aber ziemlich genervt. Ich habe nach dieser Erfahrung dort kein weiteres – kostenpflichtiges – Eis bestellt. Auf der Aida Nova fand ich die Angestellten zwar nicht unhöflich, aber wenig aufmerksam – besonders in den Bars.
  • Sehr oft fehlten auf der Aida prima Servietten auf den Tischen im Buffetrestaurant oder gebrauchtes Geschirr wurde nicht abgeräumt. Das war auf der Aida Nova nicht der Fall.
  • Genervt hat mich auf der Aida prima die Sache mit dem Cappuccino: Nicht alle Frühstücksrestaurants können den kostenpflichtigen Cappuccino machen. Bestellt ihn ein Gast, muss also eine Bedienung erst loslaufen, um ihn zu besorgen. Das ist sicherlich unbequem für das Personal. Ich habe dafür immer ein ordentliches Trinkgeld gegeben, das nicht im Verhältnis zum Preis des Cappuccinos stand. Einmal sagte mir ein Herr jedoch: Ich solle mir meinen Cappuccino doch draußen an der Bar holen. Als ich ihn dort bestellte, fuhr mich der Herr hinter Theke an, dass man erst in etwa 45 Minuten öffnen würde. So ging ich also ohne Cappuccino zurück und habe mir schließlich einen Tee gemacht. Auf den anderen Schiffen gibt es überall Cappuccino, der natürlich im Preis enthalten ist.
  • Unsere Kabine auf der Aida prima war zwar ganz hübsch, aber sehr klein. Wir hatten dafür einen riesigen Balkon. So richtig nutzen konnten wir den jedoch nicht. Ich würde zwar nie eine Kreuzfahrt ohne Balkon machen, aber er muss nicht so groß wie das Zimmer sein. Dann lieber etwas kleiner, dafür aber mehr Platz in der Kabine. Hinzu kam: Die Bettwäsche war schon ziemlich abgenutzt. Bei mir zuhause hätte ich sie bereits weggeworfen. 

Merkwürdig fand ich übrigens auch am Ende der Reise den Hinweis, dass man ein Buch kaufen könne, in dem man lernt, wie Handtuchtiere gefaltet werden. Dabei habe ich während der ganzen Reise nicht ein einziges Handtuchtier gesehen – wohl aber auf den anderen Schiffen. Nicht falsch verstehen: Ich brauche keine Handtuchtiere. Ich verstehe nur nicht, warum ich mir aus dem Zusammenhang gerissen das Buch kaufen sollte. 

Auf der Aida Nova hat mich gestört, dass alles so offen ist. Denn weil im Winter auf einer Skandinavienfahrt unter anderem nach Oslo und Kopenhagen das Deck nicht nutzbar ist, haben sich viele Fahrgäste mit Büchern und Tablets in die Bars und Cafés gesetzt – oft ohne dort etwas zu verzehren. Wollte man einen Drink oder Kaffee und Kuchen, hat man entsprechend selten einen freien Platz bekommen. Ich glaube, das wäre anders, wenn die Gastrolocations nicht ganz so offen wären.

Hinzu kommt, dass die Aida Nova mit über 6000 Passagieren ein sehr großes Schiff ist. Und über Weihnachten und Silvester viele Familien verreisen. Es waren also sehr viele Kinder und Jugendliche an Bord, die auch gerne einmal als Treppenhaus als ihren persönlichen Spiel- und Aufenthaltsraum gewählt haben. Das ist nicht optimal. Wenn dann noch Onkel, Tanten und Großeltern mitreisen, sind natürlich auch viele größere Gruppen unterwegs, die beispielsweise ein Champagnertasting mit ihrer Dynamik sprengen können. Mein Fazit: Gerade über den Jahreswechsel ist ein kleineres Schiff vielleicht eine gute Idee.

Was mir auf der Aida gut gefallen hat

Es gab auch viele Dinge auf der Aida prima, die toll waren. Dazu gehörte ganz sicher die Spray Bar: Der Barkeeper dort war super-nett und hilfreich. Wir haben mit ihm eine Tour de Bar und ein Champagnertasting gemacht. Beides war top, der Preis dafür mehr als fair. Aufgrund dieser guten Erfahrung haben wir 2023 dann nochmals ein Champagnertasting auf der Aida Nova gemacht. Das war aber lange nicht so angenehm wie auf der Aida prima. Der Barkeeper war ehrlich gesagt nicht mein Fall, und die Anordnung der Tische und Sessel führte dazu, dass man sich ziemlich den Hals verdrehen konnte.

In Muscat waren wir mit der Aida prima mit einer jungen Fotografin auf einem Fotowalk. Wenn man davon absieht, dass sie mich komplett unterschätzt hat, war das toll. Denn wir waren zu viert zu Fuß unterwegs, also nicht in einem unterkühlten Bus mit vielen anderen Tourist*innen. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Das Fitnessstudio sah super aus – ich habe es zugegebenermaßen aber nicht genutzt, weil ich auf dem riesigen Balkon Gymnastik gemacht habe.

Jetzt interessiert mich Eure Meinung: Mit welcher Kreuzfahrtlinie seid Ihr warum besonders gerne unterwegs? Und welche werdet Ihr eher nicht mehr buchen?

Der Artikel ist ursprünglich von 3/2020. Er wurde im Januar 2024 um Erfahrungen auf der Aida Nova aktualisiert.

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