Kreuzfahrt: Landausflug in Muscat, Oman

Die Moschee in Muscat
Die Moschee

Fünf Minuten vor unserem Ziel bereitet uns der Tourführer vor auf das, was kommt: „Die Damen sollten jetzt langsam ihre Haare bedecken“, sagt der gebürtige Inder, der als Fremdarbeiter in Muscat, Maskat oder Masqat im Oman ist. Einer von vielen: Gut die Hälfte der Bevölkerung in diesem Land auf der arabischen Halbinsel wurde nicht hier geboren, sondern ist eingewandert.

Ich ziehe mein türkisfarbenes Tuch aus der Handtasche, es ist lang und relativ schmal. Doch es passt um den Kopf, und wenn ich es im Nacken kreuze, kann ich es über den Hals nach vorne führen und unter dem Kinn binden. So decken die flatternden Enden auch meinen Ausschnitt ab. Zwar habe ich über meinem kurzärmligen schwarzen T-Shirt noch eines mit langen Ärmeln, aber beide haben große Ausschnitte, und die sind in der Großen Moschee genau so verboten, wie unbedecktes Haar.

Beim Landausflug in Muscat gelten andere Regeln

Uferpromenade in Muscat
Uferpromenade in Muscat

Wer kein Tuch dabei hat, könnte sich eines am Eingang leihen oder kaufen. Zwei Euro beträgt die Leihgebühr im Dezember 2017, 9 Euro der Kauf. Auch Männer müssen auf ihre Kleidung achten: kurze Hosen sind nicht gern gesehen. Um in die Sultan Qaboos Grand Mosque, so der offizielle Name, zu kommen, müssen wir uns in zwei Reihen aufstellen, zuerst gehen die Herren durch die Sicherheitskontrolle, dann die Frauen. Ich finde das doof. Aber ich wusste vorher, dass wir in ein islamisches Land reisen würde. Also schlucke ich die bitteren Empfindungen und trete ein. In der Moschee scheint mir, dass ich in 1001 Nacht gelandet bin: Der Boden glänzt so stark, dass er wie aus Wasser aussieht. Einige Gebäudeteile spiegeln sich darin. Fünf Minarette gibt es hier, sie sind Symbol für die Säulen des Islam. Das sind:

  1. Das Glaubensbekenntnis: Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Prophet.
  2. Fünfmal pro Tag beten
  3. Fasten, also Ramadan
  4. Spenden für Bedürftige
  5. Pilgerfahrt nach Mekka

Zunächst gehen wir in den kleineren Frauengebetsraum mit den bunten Fenstern und den Holzdecken. Hier können bis zu 750 Frauen beten. Durch den Hof, der bei zu starker Sonne mit einem automatischen Dach geschlossen werden kann, gelangen wir in den Männergebetsraum. Hier liegt ein handgeknüpfter Teppich, der zweitgrößte von Hand geknüpfte Perserteppich der Welt. 600 Knüpferinnen arbeitetet daran vier Jahre in zwei Schichten. Der Teppich wiegt mehr als 20 Tonnen. Von der Decke glänzen Swarovski-Kronleuchter, der größte in der Mitte wiegt acht Tonnen.

Am Sultanspalast in Muscat

Ähnlich aufregend ist der Sultanspalast. Zwar lebt Sultan Qabus ibn Said hier nicht, trotzdem dürfen wir ihn nicht besichtigen. Aber auch schon von außen ist das Gebäude sehenswert: Hinter einem dicken schwarzen Metallzaun ist der Haupteingang, der an einen Bungalow aus den 80ern erinnert. An ihn schließen sich flache weiße Gebäude an. Überhaupt gibt es in Muskat keine Hochhäuser, denn, so erzählt uns unser Tourführer, der Sultan will nicht, dass die Berge im Hintergrund der Stadt von den Häusern verstellt werden.

Beim Landausflug in Muscat auf den Markt

Der Mutrah Souq im alten Teil der Stadt ist eine der Hauptattraktionen für Touristen. Darum werden auch wir bei unserem Landausflug während unserer Kreuzfahrt dort abgesetzt. 20 Minuten haben wir, um in das Gewirr der von Läden gesäumten überdachten Gassen einzutauchen. Das ist zu kurz. Darum kommen wir am Nachmittag nochmals alleine zurück. Das ist ziemlich einfach möglich, denn ein Shuttle-Bus fährt uns über das Hafengelände bis zum Ausgang. Von dort sind es kaum zehn Minuten bis zu diesem Markt.

Ist man dort in einer Busladung Touristen unterwegs, kommt man keine zwei Schritte weit, ohne dass die Verkäufer Schals, Parfüm oder Weihrauch anbieten – übrigens auch auf deutsch: „Schau mal hier!“. Als wir gegen Mittag alleine dort sind, haben zwar viele Läden geschlossen, dafür werden wir aber auch nicht ständig angesprochen. Wir gehen an vielen der geschlossenen Läden vorbei durch dunkle Gassen bis zu einem hinteren Ausgang. Erst dort beschließe ich, eine kleine Dose Weihrauch zu kaufen. Wenn mir sie keiner aufschwatzen will, wird sie sicherlich gut sein, denke ich. Unser indischer Führer hat uns beim Landausflug als Information mitgegeben, dass ein Kilo des besten Weihrauchs, Ludam, nicht mehr als 60 Euro kosten soll. Ich bezahle für meine Dose 8 Euro. Die walnusskerngroßen Weihrauchbrocken werfe ich zum Aromatisieren in mein Trinkwasser. Das schmeckt nicht nur ganz lecker, es soll auch gesund sein: Weihrauch gilt in den arabischen Ländern als beruhigend und entzündugshemmend. Ich stelle in den Wochen danach fest, dass es mir bei Husten gut hilft.

Wenig interessant fand ich übrigens das Museum Bait Al Zubair, das die Geschichte des Oman dokumentiert. Zwar war der Ausstellungsteil im Garten ganz nett, aber die Münzen, Briefmarken und Kleidungsstücke im Inneren haben mich nicht begeistert.

Muscat abends
Muscat abends

Mein Tipp für Kreuzfahrt-Touristen: Ein Ausflug wie der unsrige ist praktisch, um die Moschee und den Sultanspalast zu sehen. Allerdings ließe sich das auch sehr einfach und wahrscheinlich deutlich billiger mit einem der vielen Taxen organisieren, die am Hafenausgang auf Touristen warten. Wer nur zum Markt will, kann auf eigene Faust leicht vom Hafen aus dorthin gehen.

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