Acht Tage in Hongkong

Hongkong zwischen Tradition und Moderne
Hongkong zwischen Tradition und Moderne

Eine ganze Woche in Hongkong, würde uns die Zeit nicht lang werden? Wir waren selbst unsicher, besonders weil wir mehrfach hörten, die Stadt sei gar nicht so toll. Rückblickend denke ich, es kommt auf die Erwartungen an. Wer Hongkong als Einkaufsparadies versteht, wird möglicherweise enttäuscht sein. Zwar gibt es hier mehr Einkaufsmöglichkeiten, als ich je an einem Ort gesehen habe, manchmal auch günstige Preise, aber Schnäppchen findet man eher selten. Im Gegenteil sind viele Dinge in Deutschland genau so teuer oder sogar billiger. Da Einkaufen nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehört, hat mich das jedoch nicht gestört. Wir wollten vielmehr etwas über die Stadt und ihre Kultur erfahren. Das hat gut geklappt.

Hongkong ist China – und doch anders

Obwohl Hongkong irgendwie zu China gehört, ist hier doch einiges anders. Nicht zwingend auf den ersten Blick. Aber es beginnt damit, dass man als Deutscher kein Visum für Hongkong braucht, für China schon. Der wohl größte Unterschied ist jedoch, dass in Hongkong fast alle Leute gut Englisch sprechen, in China ist es eine Minderheit, die Englisch spricht. In Shanghai kamen wir zwar noch ganz gut durch, aber in Beijing war es schon schwieriger. Und in Qingdao oder Guangzhou ist die Sprachbarriere sehr hoch.

Weitere Unterschiede:

  • In Hongkong kann man das Internet ganz normal nutzen, in China benötigt man eine VPN-App, damit Dienste wie Facebook oder Twitter funktionieren.
  • In China gibt es fast nie Toilettenpapier und fast nur Hocktoiletten. In Hongkong ist das anders.
  • In Hongkong fahren die Autos links, in China rechts. In China wird viel mehr gehupt als in Hongkong. Hier scheint der Straßenverkehr deutlich geordneter zu sein.
  • In China gibt es sehr viele Edel-Boutiquen und Nobel-Autos. In Hongkong gibt es davon noch viel mehr.

Tipp: Wer sich für Asien interessiert, sich aber wegen der Sprachbarriere bisher nicht getraut hat, dorthin zu reisen, ist in Hongkong gut aufgehoben. Alternative: Singapur. An beiden Orten kommt man als Westler gut zurecht. Wer sich dann nach einigen Tagen oder Wochen mehr Asien zutraut, der kann zunächst Tagesausflüge unternehmen – beispielsweise nach Guangzhou oder von Singapur aus nach Melaka in Malaysia. Und dann im nächsten Urlaub darüber nachdenken, das Land der Wahl direkt zu bereisen.

Wie Ihr Euch Hong Kong ganz einfach fortbewegt

In einer fremden Stadt ein Ticket für den öffentlichen Personennahverkehr kaufen, dass ist schon in Deutschland schrecklich, denn in jeder Stadt gibt es ein anderes System. Im Ausland potenziert sich das Problem oft noch durch die fremde Sprache. Nicht in China: Da wählt man am Monitor einfach sein Ziel, und schon bekommt man das passende Ticket. Schwieriger wird es, wenn man in Shanghai ein Tagesticket kaufen will: Das gibt es nur an einer der oft gut versteckten Verkaufsstellen vorm Eingang zu den Bahnen. Auch Hongkong hat eine Eigenheit: Die Automaten nehmen keine 500 Hongkong-Dollar-Scheine, was 50 Euro entspricht. Darum kauft man seine wiederaufladbare Octopus-Karte ebenfalls am Schalter. 5 Euro sind Pfand, 10 Euro kann man verfahren. Preis also: 150 Hongkong-Dollar oder 15 Euro.

Der Preis pro Fahrt liegt in Hongkong mal bei 25 Cent, mal bei 80 Cent oder auch bei 1,40 Euro, immer abhängig von der Entfernung und dem Transportmittel. Abgebucht wird das Geld jeweils beim Verlassen der Bahn oder beim Einsteigen in Bus und Fähre. Dazu hält man die Karte an ein Lesegerät. Wird die Fahrt pro Strecke berechnet, muss man ein- und auschecken. Pluspunkt der Octopus-Karte: mit genügend Guthaben kann man sie auch in Restaurants einsetzen und in einigen Geschäften. Ich stelle mir vor, wie ich in Köln eines Tages in einem Gasthaus frage, ob ich mit der KVB-Karte bezahlen darf.

Ganz wunderbar ist auch, wie uns das Hotel in Hongkong mit WLAN versorgt: Im Zimmer steht ein Handy zur freien Benutzung. Inlandsgespräche sind kostenlos, aber auch beispielsweise Gespräche in die USA. Außerdem sind einige Apps wie Facebook bereits installiert. Natürlich kann man aus dem Handy auch einen Router machen, und seinen eigenen Geräte darüber ins Netz bringen – kostenlos. So etwas wünsche ich mir auch von deutschen Hotels – und keine Mondpreise, um eine Stunde lang das WLAN benutzen zu dürfen.

Wo Ihr Infos für Hongkong bekommt

  • Das Hong Kong Tourism Board, also die offizielle Touristeninformation, der Lonely Planet oder das Geo Special zu Chinas Megastädten schlagen Spaziergänge durch einzelne Viertel vor. Wir waren unter anderem in Wan Chei unterwegs und auf den Märkten rund um die Metrohaltestelle Yau Ma Tei. Die Spaziergänge sollte man früh genug beginnen, sonst sind Tempel und Geschäfte schon geschlossen. Bei den Märkten ist es unterschiedlich – der Nachtmarkt beispielsweise beginnt erst gegen 16 Uhr.
  • Zum Tempel mit den 10.000 Buddhas fährt man relativ lange. Wer von der Haltestelle kommend auf etwas zugeht, was wie ein Tempel aussieht, landet auf einem Friedhof, der jedoch auch interessant ist. Der Zugang zum Tempel ist aber etwas versteckt in der Sheung Wo Che Straße.
  • Der Große Buddha auf Lantau ist einen Ausflug wert. Die Seilbahn fährt 25 Minuten auf den Berg. Es gibt Kabinen mit Glasboden, die mehr kosten. Ihr Vorteil: Die Wartezeit ist erheblich kürzer, da mehr Besucher die günstigeren Kabinen nehmen.

    Die Bilder sind mit der App Quadcam gemacht.

  • Um 20 Uhr gibt es eine Lichtschau, die man vom Bauhinia Square ganz gut sehen kann. Die Vorführung kostet nichts.
  • Einen guten Blick über die Stadt hat man aus dem Sky 100, also aus dem höchsten Wolkenkratzer Hongkongs. Dort gibt es auch ein Afternoon Tea Set. Letzteres sollte telefonisch vorbestellt werden. Sowohl der Tee als auch die Auffahrt sind teuer, aber ganz nett.
  • Auf den Victoria Peak kann man mit Bus oder Bahn fahren. Wer den Sonnenuntergang dort sehen möchte, sollte früh genug aufbrechen, wir standen eine Stunde in der Warteschlange. Besonders romantisch ist es auf dem Berg nicht. Es gibt dort wie überall Menschenmassen, ein Einkaufszentrum und Restaurants. Aber der Blick ist toll.

  • Das Hong Kong Tourism Board bietet Karten für so genannte Heritage Trails an, die einen Blick in die Vergangenheit des Ortes ermöglichen: Tempel, Ahnenhallen, Alltagsleben sind eine Alternative zum hektischen Zentrum.
  • Lamma Island ist nur eine von mehreren Inseln, auf die sich ein Ausflug lohnt. Vor Ort erkundet man die Insel am besten bei einer kurzen Wanderung.

    Mein Fazit: Hongkong ist toll! Ich werde auf jeden Fall nochmals dorthin fahren, aber nie mehr im Hochsommer. Bei einem zweiten Besuch möchte ich wandern, auf den Inseln und in den umliegenden Bergen. Rund um Hongkong gibt es nämlich wunderbare Wanderwege, die aber bei über 30 Grad deutlich zu anstrengend sind.

    Hotelinfo: Unser Zimmer im Cosmopolitan war frisch renoviert und sehr chic. Wir hatten einen schönen Blick auf die Hochhäuser in unserem Viertel. Frühstück war nicht inbegriffen. Der Weg zur nächsten Metrostation ist zu Fuß möglich, aber nicht ganz nah. Das Hotel bietet einen Shuttle zu verschiedenen Stationen an, man muss jedoch früh genug da sein, um einen Platz zu bekommen. Wlan war in unserem Fall sehr geschickt gelöst über ein handy auf dem Zimmer, das kostenfrei zur Verfügung stand. Darüber konnte man seine mobilen geräte recht schnell und mit guter Internetverbindung ins Netz bringen. Übrigens standen uns verschiedene Kopfkissen zur Auswahl. Neben weich und hart gab es auch eine Option mit Rosenduft oder eine, die nach Jasmin roch.

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