Virtuelles Weintasting in Zeiten von Corona

Gespanntes Warten: Glich geht das virtuelle Weintasting los
Gespanntes Warten: Glich geht das virtuelle Weintasting los

Der Himmel in Spanien ist tiefblau, die Wolken in der Sierra de Gredos, etwa 90 Kilometer von Madrid entfernt, sind nicht viel mehr als weiße Bleistiftstriche. Fabio Bartolomei, der Winzer, ist eher zu erahnen bei unserer Weinverkostung per Videokonferenz, er hat Licht im Rücken. Seinen Wein haben wir bereits einige Tage vorher in der Kölner Weinbar Rix gekauft. Zum vereinbarten Termin sitzen wir mit etwa 20 anderen Leuten zuhause vor unseren Laptops oder Tablets. Das ist, als ob man gleichzeitig in ganz vielen Wohnzimmern bei Fremden in Düsseldorf, Hamburg oder Köln eingeladen wäre. Und zusätzlich eben in Spanien. 

Spanischer Wein bei der virtuellen Weinverkostung

Der erste Wein von Fabio

Fabio ist übrigens eher durch Zufall Winzer geworden. Früher hatte er einen Bürojob. Doch das war ihm zu langweilig. 2003 begann er als Hobbywinzer. Den Weinanbau hat er sich dann als Autodidakt beigebracht, allerdings ist er weit davon entfernt, typischen Mainstream zu kultivieren. Er nutzt keine Pestizide, keine Sulfite, keine Eichenfässer. Seine Trauben presst er nur – und das war’s. Zu seinen etwa 15.000 Kilo Trauben kauft er nochmals ungefähr dieselbe Menge bei Bauern, denen er vertraut, hinzu. 25.000 Flaschen produziert er so im Jahr, mehrere hundert Liter muss er wegschütten oder zu Essig machen, weil sie ihm nicht gelungen sind. Aber es ist ihm wichtig, dass keine Chemie an seinen Wein kommt, denn die will er als Verbraucher auch nicht haben. Und besser für die Umwelt ist es sowieso. Darum erklärt er auch ausführlich auf jeder Weinflasche, was genau er macht – aber auch, was er eben nicht macht.

Virtuelles Weintasting mit vollem Geschmack

Alle drei Weine sind sehr fruchtig, der erste hat 13,75 Prozent, die man einfach nicht schmeckt. Allerdings beginnt nach dem zweiten Glas das Karussell sich ganz langsam zu drehen – es muss also Alkohol enthalten sein. Fabios Vinos Ambiz sind Naturweine, sicherlich nicht jedermanns Sache. Ganz wichtig ist bei ihnen, sie kalt zu trinken. Sind sie zu lange im Glas und darum zu warm, mag ich zumindest sie nicht mehr. Der zweite Wein habe eine Farbe wie Sanddorn, merkt einer der Teilnehmer an. Er schmecke nach Sellerie. Mich erinnert er an geräucherten Schinken. Auf jeden Fall passt er super zum Manchego und den Meersalz-Knuspererbsen, die wir uns zur Verkostung besorgt haben. Und nach dem zweiten oder dritten Schluck wundere ich mich nicht mehr über den Geschmack. 

Der dritte Wein ist Fabios Lieblingswein, darum hat er auch ein Etikett bekommen, das ein Künstler entworfen hat: Alba heißt der Wein, das Etikett ist im Jugendstil. Und Alba erobert unser aller Herzen bei diesem virtuellen Weintasting schon mit dem ersten Schluck. Manche schmecken darin Vanille, Weihnachtsgewürze oder Grapefruit. Das kann ich alles nicht entdecken, aber ich mag ihn trotzdem. Das Besondere an diesem Wein: Er wird in einer Amphore gemacht, die 2000 Liter fasst. Wir sind alle beeindruckt, keiner kann sich das so richtig vorstellen. Da nimmt Fabio kurzerhand das Smartphone in die Hand und führt uns digital über die Bodega. Das ist ein echtes Highlight!

Tipp fürs virtuelle Weintasting: Macht das Mikrofon nur dann an, wenn Ihr etwas sagen wollt. Sonst hört man jedes Geräusch: Das geflüsterte Wort zum Partner, das Naseputzen, das Scharren des Stuhles auf dem Boden. Das kann für die anderen durchaus nervend sein.

Virtuelle Weinverkostungen sind in Zeiten von Corona übrigens sehr gefragt: Das Deutsche Weininstitut hat dazu eine Liste von Winzern veröffentlicht, die solche Veranstaltungen anbieten.

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