Kreuzfahrt: Durch den Sueskanal

Sonnenaufgang am Sueskanal
Sonnenaufgang am Sueskanal

Wie ein großer roter Ballon steht die Sonne gerade so über dem Ufer, als ich aufwache. Wie elektrisiert springe ich aus dem Bett und auf den Balkon unserer Kabine. Der Sueskanal, da ist er! Die Einfahrt in den Kanal, der Ägypten teilt und Afrika von Asien trennt, habe ich verschlafen. Denn eigentlich sollte unsere Schiffskolonne gegen 22 Uhr in Port Said starten. Dort sammelten sich die Schiffe, die zusammen durch den etwa 200 Meter breiten Kanal auf der fast 200 Kilometer langen Strecke geleitet werden. Als wir von Heraklion kommend Port Said erreichten, war es schon dunkel. Und die Abfahrt war irgendwann mitten in der Nacht.

Jetzt, früh am Morgen, sehe ich aber endlich, wo wir fahren: Mein Blick geht aus der Kabine auf die Sinaihalbinsel, ein trockenes Stück Land. Ab und zu steht ein Wachturm am Ufer, ein oder zwei Soldaten davor, manche winken uns. Für sie dürfte der Anblick eines Kreuzfahrtschiffes eher selten sein: Die meisten Schiffe, die mit uns im Konvoi unterwegs sind, haben Container geladen.

Das Leben am Ufer des Sueskanal

Als wir an El Qantara vorbeifahren, klingt arabische Musik zu uns herüber. Weiter südlich steht eine Schlange von LKWs am Ufer und wartet darauf, mit der Fähre überzusetzen. Überhaupt: Fähren sehen wir häufiger: Sie müssen genau abpassen, wann sie den Kanal überqueren, denn sie müssen sich zwischen zwei Schiffen hindurchschieben, die im Abstand von einer Seemeile, also knapp zwei Kilometern, hintereinander herfahren. Aufpassen müssen auch die Fischer in ihren kleinen Bötchen, die aus unserem 13. Stock geradezu winzig aussehen.

Einmal spannt sich eine Brücke über den Kanal, früher hieß sie die Mubarak-Friedensbrücke. Auf ihr fahren allerdings keine Autos. Bei einer Info-Veranstaltung an Bord zum Sueskanal erfahren wir, dass dass die Ägypter einen Einmarsch der Israelis über diese Brücke fürchten, die Israelis fürchten jedoch, dass ihnen die Ägypter so schnell zu nahe kommen könnten, also habe man sie geschlossen. Auch ein Teil einer Metallbrücke, der El-Ferdan-Brücke, steht am Rand des Kanals. Das Gegenstück ist auf der anderen Kanalseite. Über sie fuhr einst die Eisenbahn, doch heute gibt es hier keine Eisenbahn mehr und dementsprechend wird die Brücke nicht mehr genutzt. Auf der afrikanischen Seite des Kanals fährt allerdings ein Zug am Ufer entlang. Auf Höhe unseres Schiffes hupt er mehrmals. Dort ist Ägypten übrigens auch etwas grüner und es gibt einige Orte mehr zu sehen.

Bauliche Meisterleistung

Schließlich erreichen wir Port Tawfiq und die Stadt Sues, der Kanal liegt hinter uns. Von hier nehmen wir ohne unsere Begleitschiffe weiter Kurs auf Jordanien. Dort, wo Hurghada und Sharm El-Scheich sich gegenüber liegen, biegen wir in den Golf von Akaba ein, um nach nächsten Morgen die einzige Hafenstadt Jordaniens, Aqaba, zu erreichen. Die Containerschiffe fahren von hier aus übrigens oft weiter Richtung Mumbai. Der 1869 eröffnete und von Ferdinand de Lesseps und seinem Team erbaute Kanal erspart ihnen auf einer Strecke von beispielsweise Singapur bis Rotterdam 30 Prozent des Weges, oder fast 3500 Seemeilen. Das ist viel Zeit – und somit auch Geld.

Tipp: Ich fand zwar den Blick auf die Sinaihalbinsel nicht langweilig. Wer aber mehr vom Land sehen möchte, sollte bei einer Fahrt, die im Mittelmeer beginnt, darauf achten, eine Kabine in einem Zimmer zu bekommen, das von Vorne gesehen auf der linken Seite des Schiffes liegt. Dort hat man auf der gesamten Fahrt übrigens auch viel mehr Sonne.



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