Köln: Jüdisches Leben in der Stadt – früher und heute

1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland – wenn das nicht mal ein tolles Jubiläum ist. Natürlich feiert auch Köln dieses Jubiläum mit vielen Veranstaltungen: Ausstellungen, Konzerte, Stadtführungen – du kannst viel entdecken. So findet beispielsweise am kommenden Sonntag, also am 15. August, ein Tag mit jüdischer Musik statt. Im Rahmen dieses Jubiläums fährt übrigens auch noch bis 2022 auf den KVB-Linien 1, 7, 9, 12 und 15 die Shalömchen Köln Bahn. Doch auch jenseits dieser Akzente im Veranstaltungskalender der Stadt ist jüdisches Leben in Köln präsent. Wenn auch nicht mehr im gleichen Ausmaß wie vor dem Nationalsozialismus.

Jüdisches Leben in Köln heute

Besonders augenfällig ist natürlich die große Synagoge in der Roonstraße am Rathenauplatz. Dort stand schon vor der Reichspogromnacht eine Synagoge, die die Nationalsozialisten aber leider damals abbrannten. Die heutige Synagoge können Besucher nach Voranmeldung und bei einer Führung besichtigen. Das lohnt sich, denn es gibt einige interessante Details im Innenraum zu sehen. Auch in Porz, Chorweiler und natürlich in Ehrenfeld gibt es jüdische Einrichtungen wie Begegnungsstätten, eine Schule, eine Kindertagesstätte und ein Elternheim. Außerdem hat am Habsburgerring ein Supermarkt eröffnet, in dem Kund*innen koschere Lebensmittel kaufen können. In der Beethovenstraße gibt es ebenfalls koschere Lebensmittel.

2017 hat sich außerdem ein jüdischer Karnevalsverein gegründet, die Kölsche Kippa Köpp. Sie schließen mit ihrem Namen, deren drei Worte mit „K“ beginnen, an die Geschichte des Kleinen Kölner Klubs an. Das war der jüdische Karnevalsverein, der vor der Verfolgung durch die Nazis Kölns Karneval bereichert hatte.

Jüdisches Leben früher: Wo in Köln erinnert wird

Gegen das Vergessen verlegt sind außerdem die rund 2400 Stolpersteine in der Stadt, die an Menschen erinnern, die die Nationalsozialisten verfolgten und töteten. Darunter waren sehr viele Juden und Jüdinnen. Im NS Dokumentationszentrum der Stadt Köln kann man in einer Datenbank nach den Namen der Opfer suchen. Bei einer Führung mit der Agentur Spurenlese erfährt man auch einiges über die menschen hinter den Namen: Da war beispielsweise ein erfolgreicher Radfahrer, der an der Grenze zur Schweiz bei der Flucht aufgeflogen ist. Oder Bartholomäus Schink, dem eine Straße gewidmet ist und dem eine Nähe zu den Edelweißpiraten nachgesagt wird. Oder ein jüdisches Ehepaar, das sich selbst umgebracht hat, um der Deportation in ein Konzentrationslager zu entgehen. Sehr berührend, diese Tour.

Dort, wo heute das NS-Dokumentationszentrum ist, also im EL DE Haus am Appellhofplatz, waren in den Zellen im Keller wohl auch jüdische Gefangene inhaftiert . Aber wie ich bei einer Führung zum Thema Jüdisches Leben mit der Agentur Spurenlese gelernt habe, sind die Zellenwände gegen 1943 neu gestrichen worden. Entsprechend sieht man heute nur noch Inschriften aus den Jahren danach. Zu der Zeit waren aber laut Aussage der Stadtführerin keine Juden und Jüdinnen mehr in der Stadt. Und: Woran hätte man sie erkennen sollen? Deutsche Juden und Jüdinnen schreiben deutsch, nicht hebräisch, sagte die Stadtführerin. Darüber hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie nachgedacht. 

Köln: Jüdisches Leben in der Stadt - früher und heute
Ausstellung zu jüdischen Synagogen im EL DE Haus

Übrigens: Noch bis 19. September könnt Ihr virtuelle Rekonstruktionen von Synagogen im EL DE Haus anschauen.

Weitere Erinnerungsorte in Köln

  • Schräg gegenüber des Pullmann Hotels liegt der Erich-Klibansky-Platz mit einem Brunnen und einem Lern- und Gedenkort. Dieses Ensemble erinnert erstens an die jüdischen Kinder, die dort von 1919 bis 1942 unterrichtet wurden. Zweitens erinnert es daran, dass Klibansky viele Kinder vor den Nationalsozialisten gerettet hat, indem er für sie die Flucht nach Großbritannien organisierte. Drittens erinnert der Brunnen an die sehr vielen jüdischen Kinder aus Köln, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden.
  • Um die Ecke des Erich-Klibansky-Platzes erinnert eine Gedenktafel an die Synagoge und spätere Schule, die dort bis zur Reichspogromnacht stand.
  • Edith Stein Denkmal am Börsenplatz: Edith Stein war als Jüdin geboren worden, konvertierte zum katholischen Glauben und wurde Nonne in Köln. Vor den Nationalsozialisten floh sie in die Niederlande. Von dort deportierten die Nazis sie ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau und töteten sie. Edith Stein hat übrigens auch einige Zeit in Bad Bergzabern in Rheinland-Pfalz gelebt. Dort gibt es darum einen ihr gewidmeten Stadtspaziergang.
  • Gedenktafel in der Richmodstraße: Sie erinnert daran, dass von dort aus der Staat Israel aufgebaut wurde.
  • In der Körnerstraße erinnert eine Plakette am Haus neben dem Bunker daran, dass dort bis zur Reichspogromnacht die Ehrenfelder Synagoge stand.

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